Ein Artikel der Redaktion

Samtgemeinde Bersenbrück Es muss nicht immer ein Urteil sein

21.02.2010, 20:00 Uhr

Streit mit dem Nachbarn, dem Mitgesellschafter, einem Handwerker oder gar einem Familienangehörigen? Nicht immer muss ein mitunter langwieriges, nervenaufreibendes und teures Gerichtsverfahren mit unbekanntem Ausgang die Folge sein. Seit einem knappen Jahr bietet das Amtsgericht Bersenbrück im Zivil- und Familienrecht eine Alternative an: die Mediation. Oliver Sporré, Direktor des Amtsgerichts, hat damit gute Erfahrungen gemacht.

Etwa 25 Fälle hat Sporré, der vom Landgericht Osnabrück als Direktor ans Amtsgericht Bersenbrück wechselte, seither über die sogenannte Mediation bearbeitet. Seit April 2009 bietet er Parteien in einem Rechtsstreit und ihren Anwälten an, statt eines streitigen Verfahrens eine Mediation durchzuführen. Dabei sieht er diese Möglichkeit, einen Streit einvernehmlich beizulegen, keineswegs in Konkurrenz zu Gerichtsverfahren, sondern als zusätzliches Lösungsmittel, für das er eine gewisse Sympathie nicht verhehlt. „Bei der Mediation erarbeiten die Parteien die Lösung selbst, ich bin gewissermaßen nur die Hebamme für den Vergleich, den sie schließen.“

Weil sich die zerstrittenen Parteien selbst einigten, seien die Lösungen in der Regel tragfähiger und nachhaltiger als bei einem Urteil, bei dem es Sieger und Verlierer gebe. Zudem verkürze die Mediation das Verfahren und schone Nerven und das Portemonnaie, sagt Sporré. Es fallen keine zusätzlichen Kosten an, im Gegenteil: Bei einer Einigung werden zwei Drittel der Gerichtsgebühren erstattet. In der Regel besteht eine Mediation aus einem zwei- bis zweieinhalbstündigen Termin.

Eine Mediation kann nur stattfinden, wenn beide Seiten diesem Lösungsversuch zustimmen und beide Seiten einen Rechtsanwalt haben. Der Mediator ist neutral und allparteilich, und er entscheidet den Streit nicht, sondern versucht, die Streitenden bei der Suche nach Lösungen zu unterstützen. „Wir richten den Blick weg von den Positionen der Parteien und fragen stattdessen nach den Gründen für den Streit und nach den Interessen der Parteien.

Folgender Streit unter Kindern dient den Mediatoren gern als Bild zur Erläuterung ihrer Arbeit: Zwei Kinder streiten sich um die einzige verbliebene Apfelsine. Jeder will sie haben. Der Mediator fragt schließlich jeden, warum er die Apfelsine haben möchte, und erfährt, dass das eine Kind am Saft interessiert ist, das andere zu Dekozwecken an der Schale. Der Streit kann einfach beigelegt werden.

Auch wenn nicht jeder Streit so leicht beendet werden kann wie der um die Apfelsine, ist das Prinzip dasselbe. Durch Techniken der Gesprächsführung, die er in seiner Zusatzausbildung erworben hat, versucht der Mediator die Interessen der Parteien ans Licht zu bringen.

Oft sei beispielsweise die nicht zurückgeschnittene Hecke in einem Nachbarschaftsstreit nicht der zentrale Punkt, sondern die Ursachen des Streits lägen weiter zurück, hat Oliver Sporré häufig erfahren. So manches Mal hätten zerstrittene Nachbarn in der Mediation davon berichtet, dass sie sich Jahre zuvor noch sehr gut verstanden hätten. Herauszuarbeiten, woran das gute Verhältnis schließlich gescheitert sei, sei oft der Schlüssel zum Erfolg.

Durchaus sei schon zu erleben gewesen, dass sich zuvor zerstrittene Familienangehörige beim Verlassen des Gerichts nach einer Mediation zu einem Treffen verabredet hätten – ein schönes Gefühl für den Mediator, der allerdings professionelle Distanz wahrt, sodass er auch ein Scheitern der Mediation als Ergebnis akzeptieren kann. Die Erfolgsquote liege etwas über 80 Prozent, sagt Sporré. Dafür, dass das Amtsgericht Bersenbrück die Mediation erst seit einem knappen Jahr anbietet, ist Sporré mit der Resonanz, die dieses Verfahren erfährt, schon ganz zufrieden, bekennt aber auch ehrlich: „Es könnten schon noch mehr Ja dazu sagen.“

Gerne beantwortet der Mediator des Amtsgerichts Bersenbrück unverbindlich Fragen zu dieser Möglichkeit, einen Streit durch einen Vergleich beizulegen. Das Verfahren ist absolut vertraulich. Der Richtermediator ist nie zugleich auch als streitentscheidender Richter in dem Verfahren zuständig.