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Rock bei 30 Grad Celsius 500 Gäste auf dem 20. Talge Open Air

Von Marco Gausmann | 19.07.2014, 15:35 Uhr

Am Freitagabend begann das Talge Open Air. Mit einem Fußballturnier spielen die Stammgäste sich am heutigen Samstag fit für die zweite Runde: Ab 18 Uhr werden wieder fünf Bands nacheinander auf der Bühne stehen.

Hätte es eine Decke gegeben, wäre dort definitiv der Schweiß kondensiert: Heiße Luft und schwere Gitarrenbretter dominierten den eröffnenden Freitag des nunmehr 20. Talge Open Airs. Knapp 500 Gäste genossen bei bestem Festival-Wetter regionale Lärm-Helden und die bekannten Noise- und Stonerbands DŸSE und Karma to Burn.

Ziemlich genau 30 Grad zeigte das Thermometer, als pünktlich um fünf die Bühne für Basement Apes freigegeben wurde. Das Fünfergespann aus dem Osnabrücker Südkreis hat sich dem klassischen Rock alter Schule verschrieben. Dass das längst kein alter Hut ist, bewiesen die letztjährigen Rock in der Region-Gewinner unter der sengenden Sonne: Zur Gitarrensolo-Artistik versammelte sich die beim Opener noch eher spärlich anwesende Meute um die zur Mini-Bühne umfunktionierten Stehtische.

Andere Töne schlugen Inkasso Moskau an: Die Hagener, allesamt bekennende Fans der am späteren Abend folgenden Noise-Kapelle DŸSE, legten ein rustikales Krach-Brett hin. „Ihr habt ja sicher gemerkt, wir spielen unsere Lieder immer in Dreierblöcken“, bemerkte das Trio fröhlich. Zwar dauern die Stücke der Kapelle je kaum länger als eine Minute, auf eine Verschnaufpause kann Drummer Markus nach mehrminütiger Knüppelei aber nicht verzichten – nach einer halben Stunde mussten erst mal die Blasen an den Fingern verarztet werden.

Mit sinkender Sonne füllte sich das idyllische Festival-Gelände am Rande Bersenbrücks zunehmend, als Halfway Decent auf die Bretter stiegen. Der Post-Punk des Osnabrücker Trios konnte überzeugen, das durchaus feierwillige und teils eigens aus dem Ruhrgebiet angereiste Publikum ließ sich nicht lumpen und vor der Bühne kam Bewegung auf. „Exorbitant-megageil“, befand Frontmann Chris Knoke.

Eine durchaus beachtliche Fangemeinde versammelten DŸSE vor der Bühne.

„Das nächste Lied haben wir in einem Dorf ganz tief im Osten gefunden“, sächselten der Dresdner und der Berliner ursympathisch, um der Menge darauf Zeilen wie „Sie reißen anderen ihr Gesicht ab und tragen es als Maske“ vor den Latz zu knallen. Trotz des arg minimalistischen Line-Ups nur mit Schlagzeug und extra tief gestimmter Gitarre walzte eine Soundwand über den Talger Sportplatz hinweg, als gäbe es keinen Morgen.

Da konnten die Headliner des Abends dann auch nicht mehr ganz mithalten:

Ein wenig müde wirkend kämpften sich Karma to Burn durch ihre instrumentale Setliste. Dem Publikum: Egal. Gereckte Fäuste und begeisterte Zwischenrufe, eine in Fankreisen geradezu legendäre Band kommt nicht alle Tage nach Talge. Dennoch: Die Soundwalze walzte hier glatt noch eine Schippe pfundiger daher.

Am heutigen Samstag geht es weiter, wenn auch mit musikalisch anderer Ausrichtung: Bands wie die Osnabrücker Indie-Wave-Band Nezzer oder die Pop-Punk-Band Montreal versprechen rundum gelungene Festival-Stimmung bei tropischem Klima. Heimliches Highlight am Samstag: Das „Kleinhirnturnier“ - Spaßfußball um den texanischen Bullenpokal.