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"Nutzen Sie die Chance" Bersenbrück: Wegen räuberischen Diebstahls und anderer Straftaten ein Jahr und zwei Monate zur Bewährung

Von Elisabeth Gadeberg | 23.09.2011, 09:30 Uhr

Er wolle sich ändern, im Falle einer Bewährungsstrafe eine stationäre Alkohol- und Drogentherapie machen: Was der 25-jährige Angeklagte für sich entschieden hatte, war letzten Endes auch das, was Staatsanwalt, Verteidiger und Gericht als notwendig für den jungen Mann erachteten, um weiteren Straftaten vorzubeugen.

zm Bersenbrück.

Diese nämlich hatten im Wesentlichen dazu gedient, seine Alkoholsucht zu befriedigen. Hatte er in Bersenbrück bei Lidl – betrunken, wie er sagte – ein Eis gestohlen, so waren es im K&K-Markt Bersenbrück zwei Flaschen Whisky, im Coma-Markt in Merzen drei Flaschen Whisky, in Quakenbrück bei Rewe mehrere Flaschen Wodka gewesen. Auch der Einbruch in das Pfandlager eines Getränkemarkts in Bersenbrück hatte dem Ziel gedient, Geld durch die Rückgabe von Getränkekisten zu beschaffen, um seine Sucht zu befriedigen.

Einmal war der Mann, der im Moment in der JVA Lingen einsitzt, weil er mehrere vorher verhängte Geldstrafen nicht bezahlt hatte, mit 0,3 Gramm Heroin angetroffen worden. Stoff, den er nach eigenen Angaben für einen Freund aus dessen Versteck geholt habe.

Die gewichtigste aller dieser Straftaten war der „räuberische Diebstahl“ im K&K-Markt. Hier, so die Anklage, sei er von einem Angestellten des Marktes auf den Diebstahl hin angesprochen und festgehalten worden. Daraufhin habe er diesem gedroht, ihn fertig, beziehungsweise „kalt“ zu machen. Ein Vorwurf, den der Betroffene im Zeugenstand bestätigte, der Angeklagte jedoch bestritt. Falls er dies entgegen seiner Erinnerung jedoch getan habe, so der 25-Jährige, tue es ihm leid, bekundete er gegenüber dem Zeugen. Beide kannten sich aus der Schule.

In ihren Plädoyers waren sich Staatsanwalt und Verteidiger im Wesentlichen einig. Es gehe vorrangig darum, dem Angeklagten zu helfen, von seiner Sucht loszukommen, so der Staatsanwalt. Da Geldstrafen bisher nichts gefruchtet hätten, sei außerdem eine Freiheitsstrafe angemessen.

Für den jungen Mann spreche, dass er die Taten im Wesentlichen eingeräumt habe und bereit sei, eine Alkohol- und Drogentherapie zu machen. Außerdem Deshalb sei es sinnvoll, die Strafe für drei Jahre zur Bewährung auszusetzen. Im Strafmaß unterschieden sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der Staatsanwalt forderte ein Jahr und drei Monate, der Verteidiger plädierte für ein Jahr, jeweils auf Bewährung, das Gericht schließlich entschied: Ein Jahr und zwei Monate zur Bewährung mit der Auflage, eine stationäre Alkohol- und Drogentherapie zu machen.

Und einen guten Rat gab das Schöffengericht dem jungen Mann, Vater eines zweijährigen Sohnes, außerdem mit auf den Weg: „Wir hoffen, dass Ihnen das Urteil zur Warnung dient. Nutzen Sie die Chance, die wir ihnen hier geben“..