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Mit Abwärme aus Biogasanlage Turbotrocknung für Brennholz in Ankum-Druchhorn

Von Martin Heimbrock, Martin Heimbrock | 10.10.2017, 10:06 Uhr

Wirtschaften mit ökologischem und sozialem Gewinn: Ihre Biogasanlage in Druchhorn hat die Landenergie Druchhorn GmbH mit einer Trocknungsanlage für Brennholz ausgestattet. Die „Feuerzeugs“-Truppe der Heilpädagischen Hilfe Bersenbrück arbeitet mit der GmbH zusammen.

Die Trocknungsanlage nutzt die Abwärme der Gasmotoren, die das Biogas in Strom verwandeln. Frisches Schnittholz wandelt sie in nur wenigen Tagen zu trockenem Brennholz um. Natürliche Trocknung durch Lagerung dauert nicht selten bis zu drei Jahren.

HpH-Mitarbeiter Günter Schulte ist Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung in den Werkstätten der Heilpädagogischen Hilfe in Bersenbrück und als ausgebildeter Landwirt auch für den Arbeitsbereich „Feuerzeugs“ zuständig. Hinter dem etwas kurios klingenden Namen steckt eine kleine Reihe von Eigenprodukten der Bersenbrücker Werkstatt vom Kamin- und Grillanzünder über eine Anzündhilfe bis hin zum Brennholz. Für diese Produktserie fallen vielfältige Arbeiten an, so Schulte. Für leistungsstarke Beschäftigte ebenso wie für die mit hohem Förderbedarf sei etwas Passendes dabei. Die Mitarbeiter kommen aus dem Bereich Gartenbau und überbrücken mit den Arbeiten die Zeit, in der sie nicht im Freien tätig werden können.

„Die Nachfrage nach Brennholz ist auf jährlich über 300 Schüttraummeter gestiegen, sodass wir nicht mehr über genügend Lagerfläche verfügen, auf der wir das aus den umliegenden Wäldern erworbene Holz trocknen können“, berichtet der Arbeitspädagoge. Die neue Trocknungsanlage in Druchhorn käme wie gerufen. Aus dem Arbeitsaufkommen ließen sich mittlerweile 20 durchgehende Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in der Werkstatt organisieren.

Persönlicher Kundenkontakt

Oliver Fischgrabe, Beschäftigter der HpH-Werkstätten, hat vor einigen Jahren einen Motorsägekettenschein bei der Deula in Freren gemacht. Er freut sich über diese Entwicklung. Dank ihr könne er seine Kenntnisse unter Beweis stellen und verfüge über einen Arbeitsplatz, der in einer Werkstatt für Menschen mit Handicap eher außergewöhnlich sei, sagt er. Etwas Besonderes sei für die HpH-Mitarbeiter auch der persönliche Kontakt zu den Kunden, die sich das Brennholz teils vor die Haustür kippen, teils im Garten oder Keller einlagern ließen.

Georg Thumann und Johannes Dettmaring blicken währenddessen zufrieden auf den Steuerbildschirm in der Leitzentrale ihres 365 Kilowatt leistenden Kraftwerks ihrer Biogasanlage. In deren 3000 Kubikmeter fassenden Fermenter fahren sie täglich dreizehn Tonnen Maissilage ein, vermischt mit drei Tonnen Rindermist und acht Kubikmeter Schweinegülle. „Alles, was hier reinkommt, kommt aus einem maximalen Radius von vier Kilometern zu unserer Anlage“, berichtet Johannes Dettmaring.

Während die Gülle aus den Betrieben der beiden Landwirte Dettmaring und Thimann stammt, kommt der Rindermist aus dem zwei Kilometer entfernten Loxten. Auch der Mais kommt vorrangig aus eigener Bewirtschaftung und somit aus der unmittelbaren Umgebung.

Aus der Biomasse entsteht Biogas, aus dem sich über einen Generator Strom für mehr als 500 Vierpersonenhaushalte und Heizenergie verwandeln lässt. Die Gärreste aus der Anlage werden in einem 4200 Kubikmeter fassenden Lager gesammelt und als Biodünger auf den umliegenden Feldern ausgebracht, wenn die Zeit zum Düngen gekommen ist.

Mit diesem Beispiel sei aus Sicht der beiden Landwirte das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht nur aus dem öko-biologischem Blickwinkel her sinnvoll. Aus Sicht der Heilpädagogischen Hilfe fördern sie die sozialraumorientierte Gestaltung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung. Eine Neuausrichtung, die der poltischen Forderung nach Inklusion von Behinderten entgegenkommt, wie es aus der UN-Behindertenrechtskonvention hervorgeht.