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Mauersegler-Initiative Ein kleines Wunder in Gehrde

Von Martin Schmitz | 15.07.2014, 22:32 Uhr

Alles fing damit an, dass Manfred Prima unbedingt die Mauersegler zurück nach Gehrde holen wollte. Das hat er geschafft, – und noch mehr: Der 73-Jährige scharte eine Gruppe um sich, die in der Welt der Wissenschaft und des Naturschutzes bestens vernetzt ist. Eine kleines Gehrder Wunder.

Prima ist im Kirchburgring im Gehrder Zentrum zu Hause, wo in den Fünfzigerjahren diese eleganten Flieger in Scharen im Sommer einfielen. Dann verschwanden sie. Je besser die historische Bausubstanz in Schuss gebracht wird, desto mehr fehlen Löcher und Hohlräume, die die Vögel als Bruthöhlen unbedingt brauchen.

2002, im „Jahr des Mauerseglers“, starteten Prima und andere eine Initiative über den Heimatverein Gehrde und montierten Brutkästen auf das Dach der St.-Christophorus-Kirche, die Berufsschüler gezimmert hatten. Ein Jahr später kam das erste Junge zur Welt. In diesem Sommer rechnet man mit über 50 Jungtieren.

Zufällig stieß der Biologe Axel Degen auf das Projekt und war so begeistert, dass er bis heute dabei blieb und sich um das Beringen der Vögel kümmert. Vögel, die in Gehrde geboren sind, haben sich bislang aber kaum zum Brüten in den mittlerweile über 30 Kästen im Kirchendach eingefunden, sagt er. Mauersegler haben nur wenige Nachkommen, und es dauert über ein halbes Jahrzehnt, bis sie geschlechtsreif sind und sich dem Brutgeschäft widmen.

Genetik-Untersuchungen

Forscher der Uni Siegen werten aus, was die Gehrder notieren, und untersuchen genetisch die tauben Eier, die sie ihnen schicken. Jugendliche wie Robin Fischer und Daniel Gerlich klettern auf den Dachboden und verharren dort stundenlang mit Anglergeduld, warten auf die leisen Geräusche der Altvögel im Anflug, kennzeichnen die besetzten Brutkästen für die Beringer.

Eine Webcam überträgt Livebilder nebenan in die Grundschule, wo sie im Bio-Unterricht eingesetzt werden. Und Manfred Prima wirbt immer wieder kleine Förderbeträge bei Institutionen wie der Deutschen Umweltstiftung ein. Mit dem Geld werden die steilen Steigen im Kirchendach sicherer gemacht, die Kirchentür bekam ein neues Schloss.

Die Gehrder Gruppe steht in regem Kontakt mit anderen Naturschützern in der Region. Neulich waren Nabu-Mitglieder aus Dinklage zu Gast. Auch die Dinklager Pfarrkirche bietet sich als Nistplatz für die Vögel an, erklärten sie der Oldenburgischen Volkszeitung. Und die Gemeinde solle Nistmöglichkeiten in Neubauten vorschreiben, für Mauersegler und Fledermäuse.