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Kontrollen in der Kritik Drogenkontrollen beim Reggae Jam in Bersenbrück: Deutscher mit schwarzer Hautfarbe wird viermal von Polizei überprüft

Von Martin Schmitz | 17.08.2012, 05:58 Uhr

Daniel Bergmann aus Kiel macht auf eine Schräglage bei den Drogenkontrollen der Polizei rund um die Bersenbrücker Reggae Jam aufmerksam. Der Deutsche mit schwarzer Hautfarbe ist nach eigenen Angaben an einem Vormittag viermal überprüft worden.

Seit Jahren reist er mit Freunden im Pkw zum Bersenbrücker Festival an, schildert der angehende Restaurantfachmann in einem auf Google Docs veröffentlichten Brief. Drei Jahre hintereinander wurde am Kontrollpunkt der Pkw herausgewinkt, in dem er als Beifahrer mitfährt. „Ich habe mit Drogen nichts am Hut. Bei den Kontrollen ist nie etwas gefunden worden“, sagt der junge Kieler mit Afro-Frisur, der mit einem Soundsystem in seiner Freizeit in der Reggaemusikszene mitmischt.

Bergmann zeigt sogar Verständnis für die Kontrollen , die in erster Linie auf Verkehrssicherheit abzielen, berauschte Fahrer aus dem Verkehr ziehen sollen. „Ich will doch auch nicht, dass jemand totgefahren wird“, sagt er. Doch was ihm am Montagmorgen nach der Reggae Jam passierte, findet er absurd. Auf dem Weg zum Supermarkt stoppt eine Zivilstreife den Pkw, mit dem er unterwegs war. Die Fahrerin besteht Alkohol- und Drogentests ohne Probleme. 500 Meter weiter der Kontrollpunkt: Die Streifenbeamten geben ihren Kollegen ein Zeichen, der Wagen darf passieren.

Mit zwei Schwarzen fährt die Gruppe später zum Frühstücken in die Stadt. Prompt müssen sie einen Zwischenstopp am Kontrollpunkt einlegen. Auf der Rückfahrt nach Kiel taucht einen Kilometer nach der Stadtgrenze eine Streife mit Blaulicht und „Bitte folgen“-Schild auf. Wenige Kilometer kurz vor der Autobahn das gleiche Spiel am letzten Kontrollpunkt.

An den Kontrollpunkten sieht Bergmann auffallend viele Schwarze und Dreadlockträger aus den Wagen steigen. Das Phänomen sei aber nicht auf Bersenbrück beschränkt. Er erlebt es auch auf anderen Festivals und sogar in der heimischen Fußgängerzone. „Sind sie schon mal als Fußgänger überprüft worden? Mir passiert das immer wieder.“

Auch der Bersenbrücker Festivalorganisator Bernd Lagemann kennt das. Der vereidigte Kfz-Sachverständige hat eine Vorliebe für szenetypische bunt bemalte Youngtimer-Automobile und trägt prachtvolle Dreadlocks. Kürzlich auf der Summer Jam in Köln geriet er wieder einmal in eine Polizeikontrolle. Im unauffälligen Mietwagen hingegen kommt er unbeanstandet durch.

Dass Polizeibeamte nach diskriminierenden Kriterien vorgehen, weist Georg Linke entschieden zurück. Die Polizeidirektion Osnabrück werde den Beschwerden Bergmanns nachgehen und ihm eine Antwort geben, kündigte ihr Sprecher an.

Eine Antwort der Polizei hat der Kieler am Donnerstag schon bekommen. Er führte ein langes Telefongespräch mit Bersenbrücks Polizeichef Andreas Obst. Beide Seiten bezeichnen diese Unterredung als angenehm und konstruktiv. Polizeistreifen müssten selbstständig vorgehen, sagt Obst. Sie seien aber gehalten, auf Fahrzeuge mit vielen jungen Leuten an Bord und auffallend viel Campinggepäck zu achten. Das seien dann häufig Festivalbesucher. Auch sei es schwierig und manchmal sogar unmöglich, in einem fahrenden Auto auszumachen, ob ein Schwarzer an Bord sei. Obst jedenfalls will Bergmanns Mitteilung und das Gespräch „intern verwenden“, seine Leute sensibilisieren.

Kontrollen oder nicht: Zur Reggae Jam im nächsten Jahr will Daniel Bergmann wieder nach Bersenbrück kommen, kündigt er an.