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Kein Bach im tiefsten Punkt Hochwasserschutz: Bersenbrück hat Glück

Von Martin Schmitz | 27.06.2016, 20:30 Uhr

Bersenbrück wird von vier Wasserläufen durchzogen, die die Stadt überfluten könnten. Doch gegenüber Ankum hat es einen entscheidenden Vorteil: Sie verlaufen allesamt nicht durch den tiefsten Punkt der Stadt.

Regenrückhaltebecken sind darauf ausgelegt, einen Starkregen im Zaum zu halten, wie er alle fünf Jahre statistisch vorkommen kann, erläutert Bauamtsleiter Reinhold Heidemann. Die Statistiken würden ständig aktualisiert. Wenn aber wie im Sommer 2015 an die 100 Liter Wasser pro Quadratmeter in drei Stunden fielen, seien die Abflüsse überfordert. Das „Jahrhundertereignis habe Stärken und Schwächen des städtischen Regenwassersystems gezeigt.

Der Feldmühlenbach berühre den nördlich Stadtrand und fließe unterhalb der Stadt in die Hase. Die Donau sei ein kurzer Bach aus dem Talzug zwischen Ahausen und Bokel, der ab dem Gewerbegebiet West die Stadt im Rohr unterquere und am Ende des Mühlarms in die Hase mündet. Ein Schutzgitter am Beginn des Rohrs soll verhindern, das Treibgut hineingelangt und es verstopft. 2015 setzte sich das Schutzgitter zu, was zu Überschwemmungen führte.

Der Bokeler Bach entwässert die südliche Hälfte der Stadt mit dem Woltruper Graben zusammen, der durch das neue Baugebiet Woltruper Wiesen fließt. Beide münden über den Gomarschgraben in die Haupthase, Mühlarm und Flussinsel Hemke unterfließt der Graben in einem Rohr.

Nach Überflutungen in den Neunzigerjahren hat die Stadt 2005 den Durchmesser vergrößert. Durch das Rohr kann nun doppelt so viel Wasser fließen. Probleme gab es 2015 weiter zurück an der Priggenhagener Straße, wo der Bokeler Bach bei Hochwasser seit jeher eine Wiese flutet. Die Feuerwehr musste ein tiefgelegenes Haus mit einer Sandsackbarriere schützen.

Die Erweiterung der Woltruper-Wiesen-Siedlung geriet in die Kritik, weil sie in das „gesetzliche Überflutungsgebiet“ der Hase hinführt. Die Genehmigung dazu habe die Stadt nur bekommen, indem sie die Überflutungskapazität ersetzt, die die Bebauung dem Fluss nimmt, erläutert Heidemann.

Östlich des Heeker Weges wird dafür ein Regenrückhaltebecken erheblich erweitert. Das auf das Fünf-Jahres-Ereignis ausgelegte Regenrückhaltebecken plus Reservekapazität entsteht westlich des Weges am Woltruper Graben.

1998 hätten Kinder in Schlauchbooten auf den Woltruper Wiesen gepaddelt, erinnert sich ein Bersenbrücker in einem Leserbrief im Bersenbrücker Kreisblatt. Damals sei das Gebiet aber noch gar nicht gesetzliche Überschwemmungszone gewesen, das wurde sie erst Jahre später, so Heidemann. Die Überflutung sei auch nicht vom Fluss verursacht worden, sondern vom Woltruper Graben. Dessen Einzugsbereich reicht über Woltrup-Wehbergen bis hinauf nach Brickwedde.

Den perfekten Flutschutz gibt es laut Heidemann nicht. Er spricht sich dafür aus, noch mehr Puffer zu schaffen. Ähnlich Ankums Bürgermeister Detert Brummer-Bange findet er nicht akzeptabel, eine Flutwelle einfach durchzuleiten. Auch flussabwärts von Bersenbrück fürchten Menschen um ihre Keller und Häuser. In Quakenbrück zum Beispiel.

Die künstliche Flussaue des Hase-Revitalisierungsprojekts in Gehrde-Rüsfort soll die Burgmannstadt schützen helfen. Sie ist gerade ziemlich gut gefüllt.