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Kachelmann weihte Messstation ein Bersenbrück sagt seit 15 Jahren das Wetter vorher

09.12.2015, 19:04 Uhr

Seit 15 Jahren besitzt das Gymnasium Bersenbrück eine Wetterstation. Die steht zwischen Schulgebäude und Hase, unweit des Bootshauses. Ein zwei Meter hoher Metallzaun hindert Neugierige daran, das Messfeld zu betreten. Seit Kurzem klärt eine Hinweistafel alle die Besucher auf, die sich bisher keinen Reim auf diesen Käfig machen konnten.

Für Schüler und Lehrer des Gymnasiums ist das Messfeld ein vertrauter Anblick. Hinter dem mannshohen Zaun stehen, vor unbefugtem Zugriff geschützt, hochempfindliche Messgeräte, die rund um die Uhr das Wetter erfassen und in digitale Datensätze verwandeln. Dennoch gibt es offenbar Menschen, die fragend und staunend vor dem Käfig stehen: Spaziergänger, Touristen, Besucher des jährlichen Reggae-Jam-Festivals. Und genau für solche ist die Hinweistafel gedacht, die Bürgermeister Christian Klütsch gemeinsam mit Schulleiter Falk Kuntze und Peter Gahm, Hausmeteorologe des Gymnasiums und als Geografielehrer zuständig für die Messstation, vorstellte. Und was möglicherweise die wenigsten wissen: Eingeweiht wurde die Wetterstation am 24. März 2000 von Jörg Kachelmann, damals Deutschlands bekanntestem Wetterfrosch.

Jörg Kachelmann half Gymnasium Bersenbrück

Ja, Kachelmann war Kult: Ein Meteorologe, der nicht viel von in amtlich anmutendem und in staatstragend verkündetem Ton daherkommenden Wettervorhersagen des Deutschen Wetterdienstes hielt, sie lieber unterhaltend auf den Bildschirm brachte und die Umgangssprache um die Bezeichnung „Blumenkohlwolke“ reicher machte. Ihm, genauer seiner damaligen Firma Meteomedia AG, verdankt das Gymnasium letztlich eine professionelle Wetterstation.

Hilfesuchend hatte sich der damalige Schulleiter Jürgen Lingemann an Jörg Kachelmann gewandt. Er war auf der Suche nach einer technischen Verbesserung der damaligen Messstation. Die genügte wissenschaftlichen Ansprüchen kaum, damit sich die Gymnasiasten im Unterricht professionell mit Wetter und Klima beschäftigen konnten. Das Problem: Eine richtige Wetterstation kostete damals 25000 D-Mark zuzüglich Kosten für die Unterhaltung. Sponsoren fanden sich: Der Förderverein des Gymnasiums, die Stadt Bersenbrück, die Fördergemeinschaft Aktuelles Bersenbrück, Landkreis und Anna-Schumann-Stiftung finanzierten die Messgeräte.

Seit mehr als 15 Jahren beobachtet die vollautomatische Wetterstation also den Himmel über Bersenbrück. Sensoren messen Temperatur, Sonnenscheindauer, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Windstärke und Windrichtung. Die Daten werden heute an die Meteogroup Deutschland geliefert. Meteorologen analysieren die Zahlenreihen aus Hunderten von Wetterstationen, werten Satellitenbilder aus und wagen aus diesem Datenwust eine Wettervorhersage. Die sind genauer und treffsicherer, je mehr Daten vorliegen. Doch trotz aller Daten und mathematischer Rechenmodelle: Das Wetter ist und bleibt ein chaotisches System, eben unberechenbar.

Einweihungsfeier am 24. März 2000 mit viel Tamtam

Die Messstation in Bersenbrück ist bis heute von großem Nutzen – für die Meteorologen und natürlich auch für den Unterricht. Die Schüler können für Facharbeiten und Referate auf fundierte Daten zurückgreifen.

Klar, dass die Einweihung der Wetterstation an jenem Freitagvormittag im März mit viel Tamtam über die Bühne ging. Die Rhythm & Blues Gang des Gymnasiums hatte den Schweizer musikalisch begrüßt. Schulleiter Jürgen Lingemann sprach in der kleinen Feierstunde von der „Weltstadt Bersenbrück“, denn die Messstation mache den Ort an der Hase bundesweit bekannt. Für Oberkreisdirektor Heinz-Eberhard Holl war es ein „bedeutender Tag“.

Den meisten Beifall erhielt aber Jörg Kachelmann, der die Messstation locker-launig vorstellte und dabei ordentlich gegen seinen ärgsten Konkurrenten in Sachen Wettbeobachtung und -vorhersage wetterte. Den Deutschen Wetterdienst (DWD) erwähnte er mit keiner Silbe, sprach immer in der Formel „Das ist der mit den drei Buchstaben“ über ihn. Von „laienhafter Wetterbeobachtung“ hielt er auch nicht viel: „Der Mond hat nichts mit dem Wetter zu tun, auch der Hundertjährige Kalender nicht – alles Schwachsinn.“

In 15 Jahren wird aus der Wetterstation eine Klimastation

Auf der Homepage des Gymnasiums Bersenbrück ( www.gymbsb.de ) sind stündlich aktualisierte Wetterdaten abzurufen und eine Vorhersage für die nächsten Tage. Und wer abends den Wetterbericht im NDR-Regionalmagazin „Hallo Niedersachsen“ schaut, erfährt, welche Höchst- und Tiefsttemperaturen am Tag in Bersenbrück gemessen wurden.

In weiteren 15 Jahren wird aus der Wetterstation übrigens eine Klimastation. Denn dann liegen Daten aus 30 Jahren vor. „Klimatologische Referenzperiode“ nennen das die Wetterexperten.