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IG Innenstadt besuchte Einkaufszentrum Bersenbrück: Von Lengerich lernen

Von Martin Schmitz | 18.09.2011, 13:07 Uhr

Ihren Besuch in Lengerich in Westfalen bezeichnet die Interessengemeinschaft Innenstadt Bersenbrück als „vollen Erfolg“. Wirklich neue Erkenntnisse hat sie aber kaum mitgebracht.

Großenteils seien es Mitglieder des Bersenbrücker Stadtrates gewesen, die sich auf dieser Fahrt über die Auswirkungen eines Einkaufszentrums auf den örtlichen Einzelhandel kundig machten, teilt die IG mit. Ferner äußert sie in ihrer Pressemitteilung Zweifel, ob Bersenbrück und Lengerich überhaupt vergleichbar seien, weil die Stadt jenseits des Teutoburger Waldes fast dreimal so groß ist wie Bersenbrück.

Bei Städten dieser Größenordnung sind zum Beispiel Fußgängerzonen möglich. In Lengerich gibt es eine solche Fußgängerzone, die Teilnehmern der Fahrt zufolge durchaus belebt ist.

Stefan Leugermann von der Lengericher Werbegemeinschaft führte die Gruppe. Er sieht Einkaufszentren am Stadtrand durchaus kritisch. Ein solches Zentrum könne vielleicht „das Renommee Bersenbrücks als Einkaufsstadt verbessern“, sagte er dem „Bersenbrücker Kreisblatt“. Ob es aber dem Zentrum zusätzliche Käufer zuführe, sei zweifelhaft.

Das sehen die Fachleute der Cima zum Beispiel optimistischer. Aber auch ihr Gutachten prüft mit einer Modellrechnung, wie sich das Einkaufszentrum im ungünstigsten Fall auf die Stadt auswirken könnte.

Es war der Kaufland-Markt, der die Bersenbrücker neugierig machte auf Lengerich. Vor etwa 20 Jahren bezog die Einzelhandelskette eine gebrauchte Immobilie in der Stadt. Das Einkaufszentrum funktioniere für sein Umfeld sogar als „Nahversorger“, sagt Leugermann. Mit Sonderaktionen und einem umfangreichen Sortiment zu günstigen Preisen nähmen solche Zentren aber „den Innenstadtkaufleuten scheibchenweise die Sortimente ab“.

Mit Raumordnungsplänen und Sortimentsbeschränkungen versucht die Politik, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Für das Bersenbrücker Einkaufszentrum ist eine Genehmigung ohne Auflagen undenkbar. Aus Sicht der Interessenvertreter des Einzelhandels sind Sortimentsbeschränkungen als Steuerungsinstrument zu leicht zu umgehen.

Leugermann rät Bersenbrück ferner zu „Ankermietern“, großen und anziehenden Geschäften, die am Anfang und Ende einer Fußgängerzone Kunden anziehen. Für eine Fußgängerzone ist Bersenbrück zu klein. Allerdings riet auch das Planungsbüro Lademann und Partner, heute Gegengutachter der IG, vor zehn Jahren, durch die Ansiedlung von Ankergeschäften die Innenstadt für Käufer anziehender zu machen.

Das hätte vorausgesetzt, Grundstücke zusammenzulegen, um Platz für neue größere Ladenlokale zu schaffen. Versuche hatte es in den vergangenen Jahren durchaus gegeben. Herausgekommen ist dabei bisher recht wenig.

Ferner rät Leugermann Bersenbrück zu verstärktem Stadtmarketing und Leerstandsmanagement für die Innenstadt. Nach hoffnungsvollen Anfängen zu Beginn der Ära Lübbersmann ist das Stadtmarketing in Bersenbrück zurückgefahren worden. Kürzlich startete die Werbegemeinschaft mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammer einen neuen Anlauf. Er scheiterte, weil sich keine Kaufmann oder Grundbesitzer dazu bereitfand, in einem Arbeitskreis mitzumachen.

Als Inhaber einer Apotheke in einem Einkaufszentrum im nahe gelegenen Ibbenbüren, weiß Leugermann aber auch zu berichten, dass die großen Märkte in Stadtrandlage immer mehr unter Druck geraten. Das liege zum Teil an steigenden Benzinkosten, die die Fahrt zum Einkauf weniger attraktiv mache. Das hänge aber auch damit zusammen, dass kleinere Orte mit immer besseren Vollsortimentern bestückt würden.