Ein Artikel der Redaktion

Hans Mühlsteph und seine Erfindung Sensationeller Hubschrauberfund in Bottorf

Von Martin Schmitz | 05.06.2014, 18:33 Uhr

Wurde der Hubschrauber in Bottorf nahe Quakenbrück erfunden? Sammler Holger Paulsen hat mal wieder einen Sensationsfund aus einem Schuppen gezogen. Einen 60 Jahre alten Helikopter-Eigenbau mit VW-Motor und verblüffenden technischen Details.

Hans Mühlsteph in Bottorf, das heute zu Menslage gehört: Der Name dieser technischen Werkstätte hat einen guten Klang im Motorenbau. Doch wer weiß davon, dass der 2009 verstorbene Hans Mühlsteph auch ein großartiger Flugzeugtechniker gewesen sein muss? Sammler Holger Paulsen bekam von dessen Familie einen bemerkenswerten Hubschrauber-Eigenbau dieses Mannes überantwortet. In „Lampen Mühle“ in Bersenbrück-Ahausen setzt er die Konstruktion wieder zusammen, will sie am Pfingstmontag öffentlich vorstellen.

Vorerst konzentriert sich Paulsen auf die technischen Einzelheiten. Doch das, was ihm aus Mühlstephs Leben bekannt ist, lässt eine spannende Geschichte erahnen. Demnach kommt der vielseitige Techniker aus Braunschweig und hat schon vor dem Zweiten Weltkrieg eigenhändig ein Flugzeug gebaut. Die Nazis sollen ihn zeitweilig inhaftiert haben, nutzten seine Talente schließlich als Testpilot beim Flugzeugbauer Messerschmitt.

Dort könnte er mit dem Hubschrauberpionier Henrich Focke in Kontakt gekommen sein, dem Gründer der Focke-Wulf-Flugzeugwerke. Der beschäftigte sich seit den Dreißigerjahren mit den sogenannten Drehflüglern, entwickelte aus ihnen den ersten senkrecht startenden Hubschrauber.

Ende der Fünfzigerjahre baute Focke im Auftrag der Autowerke Borgward in Bremen einen Hubschrauber. Die Entwicklung kam aber nicht über zwei Prototypen hinaus und wurde 1961 eingestellt, als die Borgward-Werke in die Insolvenz gingen.

Zeitgleich muss Hans Mühlsteph in Bottorf experimentiert haben. Flugzeugteile dürfte er sich aus den Beständen des Militärflugplatzes in Quakenbrück besorgt haben. In Aluminiumbauweise schuf Mühlsteph eine einfache offene Rahmenkonstruktion mit einem Sitz. Als Antrieb diente ein 25 PS starker Boxermotor aus dem Ur-Käfer.

Ursprünglich hatte das Gefährt nur einen Rotor, berichtet Holger Paulsen. Später habe Mühlsteph einen Heckrotor hinzugefügt, um die Flugbahn zu stabilisieren. Trotz der mageren Motorleistung sei dieser Hubschrauber bis auf eine Höhe von 1,50 Meter aufgestiegen. Um die Leistung zu verbessern. habe Mühlsteph einen Porschemotor eingebaut.

Dieses Gefährt zu fliegen, das muss ein Abenteuer gewesen sein. Und so puristisch und minimal, wie dieser Helikopter wirken mag: Er hat sämtliche technischen Elemente, die auch heute noch für Hubschrauber typisch sind, der Heckrotor, der ihn stabilisiert, die Fußpedalen und der Steuerknüppel, mit denen das Gefährt gemeinsam gesteuert wird. „Und das alles elf Jahre, bevor der erste serienmäßige Hubschrauber herauskam“, bewundert Paulsen eine außergewöhnliche technische Meisterleistung.

Den Hubschrauber hat er provisorisch in seiner neuen „Museumsscheune“ aus Fachwerk untergebracht, in der auch seine Oldtimermotorräder stehen. Vielleicht findet er ja seinen endgültigen Platz neben einem anderen technischen Unikum in Paulsens Sammlung: dem Prototyp eines Elektroautos, mit dem die Quakenbrücker Fahrradfabrik Kynast in den Siebzigerjahren nach der Ölkrise neue Wege gehen wollte.