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„Hallo Herr Dieb....“ Gelbe Karte per Zeitungsanzeige für Ankumer Liegendieb

Von Mirko Nordmann, Mirko Nordmann | 22.06.2016, 13:42 Uhr

Aus der See-Arena des See- und Sporthotels Ankum wurden vier Relax-Liegen geklaut. Doch, anstatt den Diebstahl bei der Polizei zu melden, zeigten die Hotelverantwortlichen dem Dieb mit einer Zeitungsanzeige im „Bersenbrücker Kreisblatt“ die Gelbe Karte.

Mit der Einführung des Videobeweises tun sich die Fußballfunktionäre noch schwer. In der See-Arena des See- und Sporthotels Ankum, die sich zur Fußball-Europameisterschaft in Frankreich wieder zu einer stimmungsvollen Public-Viewing-Arena verwandelt hat, gibt es den schon. Ein Dieb, der aus der See-Arena vier Relax-Liegen geklaut hat, wurde von den Kameras bei der Tat gefilmt. Und falls der Täter die Liegen nicht bis zum Donnerstagabend zurückgebracht hat, werden die Bilder auf der großen LED-Wand präsentiert.

Anstatt den Diebstahl sofort bei der Polizei zu melden, schaltete das See- und Sporthotel Ankum eine Zeitungsanzeige im „Bersenbrücker Kreisblatt“. „Hallo Herr Dieb!“, beginnt die Annonce in der Mittwochsausgabe der Lokalzeitung. Der Täter hat nun die Gelegenheit, die vier Liegen bis zum Donnerstag, 23. Juni, um 18 Uhr , wieder zurückzubringen. Ansonsten wird das Foto, auf dem der Dieb „hervorragend zu erkennen“ ist, auf der LED-Leinwand gezeigt und zudem an die Polizei weitergegeben.

Trotz des ärgerlichen Verlustes haben die Verantwortlichen des See- und Sporthotels Humor bewiesen. „Wir gehen mal davon aus, dass Sie die Liegen, die eigentlich für unsere Fußball-Fans gedacht sind, nur irrtümlich ausgeliehen haben“, heißt es in der Anzeige weiter.

Und nun hätte das Hotel die „geliehenen“ Liegen doch gerne wieder. Sonst gibt es nach der Gelben doch noch die Rote Karte. „Glauben Sie uns, die Bilder sind gestochen scharf!“, versichern die Hotelverantwortlichen um Inhaber Georg Dobelmann, der die spontane Idee hatte, dem Dieb mit der Aufforderung in der Zeitung eine letzte Chance zu geben. „Vielleicht hat der Dieb die Liegen ja im Suff mitgehen lassen“, hofft Dobelmann, dass dem Täter bei wieder klarem Kopf das schlechte Gewissen quält.

Am Dienstagabend bei der Übertragung des letzten Vorrundenspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Nordirland mussten jedenfalls vier Fußballfans mehr stehen. „Da hätten wir die Liegen gebraucht“, berichtet Georg Dobelmann, „wir haben in der See-Arena 1200 Sitzplätze, es waren aber geschätzt 1500 Zuschauer da. Da hat die Luft gebrannt.“

Weiterlesen: Hier gibt es die Bilder vom Public Viewing Deutschland - Polen

Übrigens: Gelbe Karten gibt es im Fußball erst seit 1970. Eingeführt wurden sie bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, nachdem es vier Jahre zuvor bei der WM in England Tumulte und chaotischen Szenen gegeben hatte, weil ein argentinischer Spieler einen mündlich ausgesprochenen Platzverweis des deutschen Referees Rudolf Kreitlein nicht verstand – oder verstehen wollte. Der erste Fußball-Schiedsrichter, der eine Gelbe Karte zückte, war übrigens auch ein Deutscher: Kurt Tschenscher verteilte im Eröffnungsspiel der WM 1970 zwischen Mexiko und der Sowjetunion viermal gelb. Das Spiel blieb hingegen torlos.