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Frei nach den Gebrüdern Grimm Märchenhaft jecker Karneval in Eggermühlen

Von Georg Geers | 07.02.2016, 17:21 Uhr

Das, was Eltern ihren Sprösslingen im Kindesalter vorlasen, bestimmte die Karnevalssitzungen der Eggermühlener Kolpingjecken im Saale Böhmann. Neben dem Thema Märchen verstanden es die Tanzgarden, den Saal mit feurigen Darbietungen aufzumischen.

Frank Stottmann, der als Sitzungspräsident durch das Programm führte, erwies sich dabei als souveräner Conférencier, der auch kleine tontechnische Pannen gekonnt zu überspielen verstand.

Unterstützt von ihren jüngsten Tänzerinnen, bereitete die Garde das närrische Parkett für Protokollchef Franz Möller. Als „Merker“ der Schandtaten legte der altgediente Karnevalist schonungslos die Finger in die Wunden der vielen kleinen Vergehen seiner Mitbürger. Auch die Unzulänglichkeiten seiner Elferratskollegen kamen dabei ans Tageslicht. Eileen Kenkel und Isabell Landwehr zeichneten für die Choreografie der EKV-Eleven-Tänzerinnen verantwortlich, die für ihren Auftritt mit viel Beifall bedacht wurden. Was man so erleben kann, wenn Mutter und Tochter am Ossensamstag in Osnabrück shoppen gehen, gaben Pia und Maria Ratte zum Besten. Seine liebe Last mit seiner Frau hatte der Knallkopp, alias Gerd Övermeyer.

Mit Krone und Zepter eskortierten die Funken mit Leon Stalfort und seiner liebreizenden Gefährtin Natalie Behre den Eggermühlener Adel auf die Bühne. Hier kamen die Sünden ans Licht, die, in Jugendkreisen begangen, den Erwachsenen oft verborgen bleiben. Vom Badengehen am neuen Bürgerradweg und mangelnder Hilfsbereitschaft war hier die Rede. Integration kann nur gelingen, wenn man sich gegenseitig hilft.

Im Zwiegespräch tauschten sich Eva und Stefan Hahnel über Krankheiten und die dafür zuständigen Ärzte aus. Körperbeherrschung und perfekte Choreografie legten die Herren der 4. Mannschaft an den Tag. Ob als Polizist, Soldat, Pastor und Ballerina: Ihre sorgsam aufeinander abgestimmten Bewegungsabläufe funktionierten wie ein Uhrwerk. Finstere Gestalten in schwarzen Ganzkörperanzügen, bewaffnet mit zwei erbeuteten Bierkisten, stellten sich dann im Schummerlicht auf der Bühne ein.

Entrüstet und enttäuscht lamentierten sie über ihr Diebesgut, das sie kurz vor der Rathauserstürmung dort geklaut hatten. Ihr Fazit: Es lohnte sich nicht. Alkoholfrei und bereits 2013 abgelaufen.

Wie war das noch mit dem Froschkönig und der schönen Prinzessin? Die Jungen Wilden hatten das Märchen aufgegriffen und völlig neu interpretiert. Farbenfroh choreografiert und mit Musik unterlegt, glänzten in den Hauptrollen Matthias Grofer als Prinzessin und Johannes Vogt als galanter Frosch.

Musikalische Aufklärungsbesuche hatte Daniel Kortland parat. Von schwieriger Kindererziehung Sussumer Riesenaale, die einfach nicht totzukriegen seien, wusste er zu erzählen.

In eine ganz neue Rolle schlüpfte schließlich Zeremonienmeister Reinhard Triphaus. Umgarnt von den sieben Zwergen, die von den Frauen des Elferrates dargestellt wurden, machte „Fittken“ Triphaus eine sehr elegante Figur als Schneewittchen. Mit Pep und unbändiger Power fegten als letzter Act einer fast vierstündigen Galasitzung die Hupfdohlen über die Bühne. Nach „Captain Jack“ und dem „Candy man“ ließ man sie ohne Zugabe nicht von der Bühne.