Ein Artikel der Redaktion

„Bratwurst vom Grill und Butterbrot“ Junge Französinnen erleben Deutschland – Und erwarten den Gegenbesuch

20.09.2011, 11:38 Uhr

Margaux und Aurélie sind für acht Wochen im Rahmen des „Brigitte-Sauzay-Austauschprogramms“ in Deutschland. Sie leben in Merzen und Rieste in Partnerfamilien und besuchen zusammen mit Josie und Tomke das Gymnasium Bersenbrück, wo Lehrerin Tina Kruse-Zapp sie betreut. Nach sechs Wochen in der neuen Umgebung scheinen sie „voll drin“ zu sein im Leben ihrer beiden deutschen Austauschpartnerinnen.

Halb zehn im Gymnasium: Aus dem Raum, in dem das Gespräch mit den vier Schülerinnen stattfinden soll, dringt fröhliches Geplapper, ein Gemisch aus Deutsch, Französisch und Englisch; durch den Türspalt sieht man die Unterstützung durch die Körpersprache. Sie muss da herhalten, wo Worte nicht so schnell gefunden werden.

Kruse-Zapp: Aurélie und Margaux, ihr seid jetzt sechs Wochen in Deutschland. Wie fühlt ihr euch?

Aurélie: (auf Französisch, mit einigen Wörtern Deutsch) Ich fühle mich hier gut, lebe ohne Probleme in einer sehr lieben Familie.

Margaux: Das einzige Problem, das ich habe, ist eigentlich, dass ich in zwei Wochen schon wieder zurück nach Hause muss!

Worin seht ihr denn die Unterschiede zwischen eurem Leben in Frankreich und dem hier in Bersenbrück?

Aurélie und Margaux: Die Mahlzeiten sind schon deutlich anders! Brötchen am Morgen und Butterbrot am Abend – das gibt es in Frankreich nicht. Abends essen wir eigentlich immer warm. Und dann ist da noch das frühe Aufstehen, weil wir ja mit dem Bus zur Schule fahren müssen. Von Merzen bis Bersenbrück ist es ja eine ganz schön weite Strecke. Ach ja, und der Unterricht beginnt auch viel früher als in Frankreich. Dafür sind wir dort dann aber bis 17Uhr in der Schule, haben nur mittags eine längere Pause, in den kleinen darf man nicht mal etwas essen oder trinken.

Habt ihr in Deutschland schon Probleme bewältigen müssen?

Margaux: Eigentlich nicht, sieht man mal von der einen oder anderen Schwierigkeit bei der Verständigung ab. Und wenn etwas ist, reden Josie und ich miteinander. Aber echte Probleme habe ich noch nicht gehabt, bis auf, dass die Zeit so schnell vorübergeht.

Das muss wohl daran liegen, dass ihr sehr viel mit euren Gastfamilien unternehmt!

Aurélie: Das stimmt. Eigentlich ist immer etwas los. Tomke und ich waren schon mit der Familie in Bremen und Berlin. Am Alfsee habe ich sogar Wasserskifahren gelernt. Richtig toll war auch der Abtanzball, zu dem ich mitgehen konnte.

Margaux: Oh ja, ich war sogar bei einigen Tanzstunden dabei! Außerdem ist meine Familie mit mir nach Hamburg und nach Holland zum Ijsselmeer gefahren. In Stavoren hat der Großvater ein Boot liegen, mit dem wir segelten. Ganz cool war aber auch das Priggenhagener Schützenfest, zu dem wir mitgehen durften.

Ich habe gehört, dass ihr auch an einer Klassenfahrt teilnehmen konntet.

Margaux: Das war besonders schön und aufregend. Wir fuhren nach Schleswig-Holstein auf einen Ponyhof. Und da ich ohnehin Pferde liebe…

Wenn ihr zurückkommt nach Frankreich: Was werdet ihr euren Freundinnen erzählen?

Aurélie: Ich habe das Gefühl, mich durch diesen Austausch weiterentwickelt zu haben. Ich habe neue Perspektiven kennengelernt und sehr interessante Erfahrungen gesammelt, Menschen in einer anderen Umgebung getroffen, die ich sonst nicht kennengelernt hätte.

Margaux: Das kann ich nur bestätigen. Ich finde auch, dass ich selbstständiger geworden bin. So ohne die Eltern im Hintergrund bin ich ziemlich unabhängig, und das genieße ich. Deshalb werde ich diese Art des Austausches sehr weiterempfehlen.

Nun aber auch zu euch beiden, Josie und Tomke! Eure beiden Austauschpartnerinnen sind ja ganz schön ins Schwärmen geraten, was den Aufenthalt bei euch angeht. Wie habt ihr das denn empfunden, als die „Fremde“ ins Haus kam?

Josie: Och, das war eigentlich gar kein Problem. Na ja, ein bisschen komisch war es schon, dass im Badezimmer morgens noch eine Person mehr sich fertigmachte für den Tag! Wir hatten für Margaux das Gästezimmer hergerichtet, wo sie sich auch mal zurückziehen und für sich allein sein konnte. Über unser gemeinsames Hobby, das Reiten, haben wir uns von Anfang an prima verstanden.

Tomke: Bei uns lief es ähnlich. Aber gerade am Anfang habe ich darauf geachtet, dass Aurélie immer in unseren Tag und unser Tun eingebunden war. Das war in gewisser Weise schon etwas anstrengend. Aber da haben mich mein Bruder und meine Eltern ganz toll unterstützt.

Ihr wart beide noch nicht in Frankreich. Wann werdet ihr denn zum Gegenbesuch aufbrechen? Und wohin genau geht es dann?

Tomke: Freitagnacht geht es los. Wir haben uns abgesprochen: Josies Eltern bringen uns nach Châteaubourg. Das liegt in der Nähe von Rennes in der Bretagne. Am Ende unseres Aufenthaltes in Frankreich werden uns meine Eltern von dort abholen.

Worauf freut ihr euch? Was macht euch vielleicht auch Sorgen?

Josie: Erst mal, denke ich, werde ich mich auf das Wiedersehen mit Margaux und Aurélie freuen. Ansonsten freue ich mich darauf, viele neue Leute zu treffen und mein Französisch zu verbessern. Natürlich bin ich auch auf die französische Schule gespannt. Und Margaux hat versprochen, dass wir an Geländeturnieren teilnehmen werden! Ein bisschen Angst habe ich davor, vielleicht Heimweh nach meiner Familie zu bekommen und vor allem so lange mein Pony nicht zu sehen.

So, jetzt noch ein paar kurze Fragen mit kurzer Antwort! Aurélie und Margaux, was habt ihr als merkwürdig in Deutschland empfunden?

Beide: In der ersten Woche prasselte viel Neues und davon viel Merkwürdiges auf uns ein! In der Schule etwa, dass die Lehrer so freundlich und locker mit uns umgehen, und der Religionsunterricht, den es bei uns nicht im Rahmen des staatlichen Schulsystems gibt. Aber jetzt kann uns nichts mehr schocken! (Anmerkung: Diesen Satz sagten sie tatsächlich auf Deutsch!)

Sagt mal, habt ihr auch schon auf Deutsch geträumt?

Aurélie: Ja, sogar schon nach kurzer Zeit, nämlich in der dritten Woche habe ich mich dabei ertappt! Das war auch eine der Merkwürdigkeiten.

Und beim Essen: Was schmeckt euch am besten?

Margaux: Beim Grillen die Bratwurst ist echt lecker!

Und was trinkt ihr gerne?

Beide (wie aus einem Mund): Wasser, aber unbedingt ohne Kohlensäure.

Wie steht es mit euch beiden in dieser Hinsicht, Josie und Tomke?

Josie: Alles geht, nur keine Froschschenkel oder Schnecken.

Tomke: Und beim Trinken sind wir nicht so wählerisch.