Ein Artikel der Redaktion

Als der Kaplan vom Baum sprang 40 Jahre Bersenbrücker Zeltlager

24.08.2012, 09:00 Uhr

Vor 40 Jahren veranstaltete die katholische Kirchengemeinde St. Vincentius Bersenbrück zum ersten Mal ein Sommerzeltlager. Die Idee hatte damals Franz Brinkmann. Kaplan Sigward Neuhaus gewann Eberhard Blachetta, Heinz-Georg Heidemann, Paul Fleddermann und Bernhard Mecklenfeld zum Mitmachen. Als Teilnehmer im Alter von 14 Jahren war Reinhard Rekamp dabei. Er erinnert sich:

„Mit 82 Jungen waren wir damals auf einer Kuhweide in Bad Iburg am Höhenzug Freden unter einfachsten Bedingungen in zusammengeliehenen Drei-Mann-Zelten untergebracht. Die Sanitäranlagen bestanden aus einem Plumpsklo, das während der Lagerzeit mehrfach umgesetzt werden musste, nachdem eine Grube ausgehoben worden war. Statt zu spülen, mussten wir nach Gebrauch eine Handvoll Kalk auf unsere Hinterlassenschaft werfen.

Gewaschen haben wir uns am Glaner Bach oder überhaupt nicht. Auch ein Küchenzelt, wie es heute Standard ist, kannten die beiden Küchenfrauen Hedwig Macke und Anna Stöhler nicht. Als Schutz vor Regen diente ein selbst gezimmerter Unterstand, der mit Maurerfolie überzogen war. Einen Gasherd gab es nicht, und so war aus Bersenbrück ein Küchenherd mitgebracht worden, der mit Holz befeuert wurde.

Zu der ganzen mühsam zusammengesuchten Ausstattung gehörten auch große Töpfe und Pfannen, ausgeliehen aus dem damaligen Bischöflichen Konvikt in Osnabrück. Solch große Küchenutensilien hatten wir Zeltlagerteilnehmer bis dahin noch nie gesehen.

Starke Regenfälle führten dazu, dass etliche Zelte undichte Stellen zeigten und man mal schon nachts durch Regentropfen unsanft geweckt wurde. Da half dann auch nicht der verzweifelte Versuch, die Löcher mit Plastiktüten abzukleben. Manch ein Teilnehmer musste mitten in der Nacht in andere, eigentlich schon ausgelastete Zelte umziehen.

Trotz der feuchten Witterung hat das Lagerfeuer jeden Tag gebrannt. An meinem Geburtstag brachten mir die Teilnehmer dort um Mitternacht ein Ständchen, und als Geschenk gab es ein paar Süßigkeiten.

Damit sich die Eltern ein Bild vom revolutionären Unternehmen Zeltlager machen konnten, wurde ein Elternbesuchsnachmittag mit Groschenkirmes veranstaltet. Küster Heinrich Wessler chauffierte den damaligen Pfarrer Carl Lahrmann zum Zeltplatz. Die Politik interessierte sich ebenfalls für diese Bersenbrücker Neuerung, auch Bürgermeister Bernd Zur-Lienen reiste an.

Die Zeit im Zeltlager verbrachten wir mit Waldspielen und Wanderungen, wie zum Beispiel zum Zeppelinstein. Langeweile kam nie auf, denn es gab immer etwas zu erleben. Damals wie heute gab es natürlich einen Bannermasten, den es bei „Überfällen“ zu schützen galt. Die Landjugend Neuenkirchen zeltete damals in der Nachbarschaft mit Kaplan Anton Behrens, später Pfarrer in Bramsche-Malgarten. Unrühmlicher Höhepunkt ihres Überfalls waren mehrere zerstörte Zelte und ein verletzter Bernhard Mecklenfeld, der im Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurde. Nach zwei Injektionen kehrte er aber noch in der gleichen Nacht zurück.

Behrens hatte sich von einem Baum aus auf Franz Brinkmann geworfen, er wurde nach einer wilden Keilerei gefesselt ans Lagerfeuer gebracht. Dem Einwand, er dürfe nicht gefesselt werden, weil seine Hände geweiht seien, wurde nicht stattgegeben.

Ich selber wurde sogar ins feindliche Zeltlager verschleppt und erhielt nach der Rauferei schwarzen Tee zu trinken, den ich als ziemlich ekelhaft empfand, ich war nur den guten Lagerkakao gewohnt. Dieses Erlebnis hat mich jedoch nicht davon abgehalten ins nächste Zeltlager im Weserbergland mitzufahren und mich anschließend elf Jahre lang als Gruppen- und Lagerleiter einzubringen.“