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„Alkohol macht dumm“ Altkreis Bersenbrück: Absterben von Gehirnzellen ist nur eine Folge jugendlichen Alkoholkonsums

Von Elisabeth Gadeberg | 29.09.2011, 07:05 Uhr

Das Artland-Gymnasium Quakenbrück, das Gymnasium Bersenbrück, die IGS Fürstenau und das Leoninum in Handrup: Sie alle feiern Abi-Partys. Feiern heißt in diesem Fall – wie bei vielen anderen Gelegenheiten auch – trinken. Alkohol, versteht sich, häufig schon vor dem eigentlichen Fest.

Man trifft sich zum „Vorglühen“, um kostensparend in Stimmung zu kommen. Eine „Sparsamkeit“, die teuer erkauft ist.

Wie hoch der Preis ist, den sie früher oder später dafür zahlen werden, ist Jugendlichen häufig nicht oder kaum bewusst, auch viele Eltern wissen nicht oder wollen nicht wahrhaben, welche gravierenden Folgen der frühe Alkoholkonsum ihrer Kinder haben kann.

Dabei gibt der Alkoholkonsum junger Menschen durchaus Anlass zur Sorge. Das Einstiegsalter, so Dr. Bernhard Birmes, Ärztlicher Direktor des Christlichen Krankenhauses, liegt im Schnitt bei 14 Jahren.

Und: „Ganze 13 Jahre alt war der jüngste Patient, der wegen Alkoholmissbrauchs bei uns auf der Intensivstation lag“, erinnert sich der Chefarzt der intensivmedizinischen Abteilung.

„Alkohol ist ein Zellgift und wirkt toxisch“, so der Arzt. Da die inneren Organe Jugendlicher erst zwischen 18 und 20 Jahren vollständig ausgebildet seien, das Gehirn sich sogar bis ins „junge Erwachsenenalter“ hinein (18 bis 25 Jahre) entwickle, reagierten sie deutlich empfindlicher auf Alkohol als Erwachsene, insbesondere Gehirn und Leber.

„Jeder Rausch schädigt eine wesentliche Anzahl von Gehirnzellen, und zwar irreversibel.“ Konzentrationsstörungen seien unter anderem die Folge und letztlich eine Minderung der Intelligenz. Konkret heiße das: „Alkohol macht dumm.“ Leber(spät)schäden von Leberzirrhose bis hin zum Leberkarzinom seien denkbar. Außerdem erhöhe Alkohol das Risiko von Krebserkrankungen der Speiseröhre und des Magens. Durch Alkohol bedingte Entwässerung des Körpers könne zu Kreislaufproblemen bis hin zu Kreislaufzusammenbrüchen führen.

Die Gefahr der Abhängigkeit steige, je früher Alkohol konsumiert werde. Die enthemmende Wirkung des Alkohols schließlich könne erhöhte Gewaltbereitschaft zur Folge haben und letzten Endes zu Persönlichkeitsveränderungen führen. Ganz zu schweigen von den Gefahren, die von alkoholisierten Autofahrern ausgehen.

Bemerkenswert sind solche Negativwirkungen insbesondere angesichts der von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ermittelten Zahlen: Jeder fünfte männliche Jugendliche und jedes 14. Mädchen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren trinkt viermal oder öfter in 30 Tagen Alkohol.

„2010 haben wir zwei Jugendliche unter 16 Jahren, sechs im Alter zwischen 16 und 18 Jahren und zehn im Alter zwischen 18 und 25 Jahren stationär aufgenommen.“

Sie waren, so der Arzt, in einem „überwachungspflichtigen Zustand“. Dazu kommen diejenigen, die ambulant versorgt und anschließend von ihren Eltern abgeholt werden können.

Mit auf den Weg bekommen sie auf Wunsch die Adressen von Beratungsstellen. Auch Beratungsgespräche können vermittelt werden – sogar schon auf der Intensivstation – und die Jugendlichen in bestimmte Projekte eingeschleust werden. Dies alles, wenn die Eltern das wünschen.