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Serie "E-Mail aus Chile" (3) Alfhausener lernt Patagonien kennen und lieben

Von Fabian Schlarmann | 06.06.2019, 08:23 Uhr

Ein Jahr wird Fabian Schlarmann in Chile leben. Der 16-Jährige aus Alfhausen lebt auf Vermittlung des Rotary-Clubs Bersenbrück Altkreis in einer Gastfamilie. Hier seine bisherigen Reiseerfahrungen.

Schon mehr als sieben Monate bin ich nun in Chile, die langen Ferien sind zu Ende, und ich gehe wieder zur Schule.

Zu Beginn der Ferien stand Weihnachten an. Persönlich jedoch war mir diese Weihnachtszeit etwas zu kurz, soll heißen, man hat in Chile nicht etwa wie in Deutschland wirkliche Feiertage wie den 25. oder 26. Dezember; und um auch einmal ehrliche Worte zu schreiben, ja, es haben mir dann auch irgendwo die alljährlichen Rouladen von Mama gefehlt.

Zu Anfang Januar fuhren wir mit einer Gruppe von Austauschschülern für eine Woche nach Iquique, die Stadt schlechthin in Chile, um den Sommer zu verbringen. Für Surfer ist diese Stadt ein Paradies. Nicht nur die besten Wellen findet man hier, auch ist Iquique sehr beliebt, weil es eine komplett steuerfreie Zone zum Einkaufen gibt (die Zona-Franca), in der man alles von einem Eis bis zu einem Auto und mehr günstiger bekommt.

In Iquique fuhren zu einer natürlichen Therme mitten in der Wüste, gingen „Hase“ essen (das Tier ist gemeint), erkundeten die Sanddünen, die die Stadt umgeben oder entspannten uns an den fabelhaften Sandstränden. Auch halfen wir dem städtischen Rotary-Club bei sozialen Aktionen, so unternahmen wir einen Nachmittag etwas mit den Kindern in einem Kinderheim.

Die zweite große Reise führte nach Patagonien. Sie dauerte ebenfalls eine Woche. Chile hat sich mir da noch einmal von einer ganz anderen Seite gezeigt, denn die Landschaft Patagoniens ist so ganz anders als die, wo ich lebe. Das Erste, was ich spürte, als wir den Flughafen in Punta Arenas (eine der südlichsten Städte der Erde) verließen, war die sechs Grad kühle, etwas salzige Luft (im Hochsommer), dazu blies ein sehr starker Wind. Ich kam mir für einen Moment so vor, als wäre ich an der Nordsee, allerdings ist die Landschaft eine ganz andere, ein Traumort, die Kombination von großen tiefblauen Seen, tiefen Tälern, weißen Bergspitzen, grünen hängenden Wäldern, langen und breiten Flüssen sowie Meer.

Man findet dort ausgewanderte Deutsche oder andere Europäer, die hier Urlaub verbringen oder ausgewandert sind. Ich traf auf eine Gruppe deutscher Senioren, die von der entspannten Arbeitsweise des chilenischen Kassierers etwas genervt waren, ein echt lustiges Erlebnis.

Wie bestiegen einige Berge, sehr aufregend, an riesigen Gletschern und kristallklaren Seen vorbeizugehen. Wir besuchten eine Horde Kaiserpinguine, so weit abseits, dass wir drei Stunden Fahrt benötigten. Ebenso nahmen wir auch an einer Fahrt über die Magellanstraße (Verbindung zwischen Pazifik und Atlantik) teil, welche sehr beeindruckend war. Des Weiteren verbrachten wir noch einige Nächte in der Stadt Puerto Natales, von der aus wir zum Nationalpark „Torres del Paine“ gingen und aufgrund seiner drei natürlichen Granittürme sehr bekannt. Diese Reise nach Patagonien war bisher auf jedenfall eine meiner schönsten Erfahrungen und ich weiß jetzt schon, dass ich dorthin eines Tages noch einmal wieder hinreisen möchte.

Die restlichen Ferien verbrachte ich dann damit, Surfen zu lernen, Freunde zu treffen und meinen Hobbys nachzugehen. Interessanterweise hielt Ende Februar dann aber noch ein wohltätiges Schiff im Hafen von Antofagasta, dessen internationale Besatzung ich durch den Rotary-Club kennenlernen durfte. Zufälligerweise war einer ein Deutscher, sodass ich keine Kommunikationsprobleme hatte, allerdings Mühe, Deutsch zu sprechen, da ich bis dato kaum wirklichen Sprachkontakt mit Deutschsprachigen gehabt hatte. Mit der Besatzung verstand ich mich ausgesprochen gut.

Jetzt hat wieder die Schule begonnen, ehrlich gesagt, es macht wieder sehr viel Spaß, hier in die Schule zu gehen, vor allem weil langsam das Gefühl von Vertrautheit eingekehrt ist, ich habe so gut wie keine Sprach- oder Verständnisprobleme mehr und kann mich mehr oder weniger mit allen unterhalten.

Auch die Tatsache, dass wir einige neue Klassenkameraden bekommen haben, war sehr unterstützend, schließlich bin ich nun nicht mehr der „Neue“. Mit meiner Familie komme ich echt super aus, sie meinten bereits, ich solle meinen Flug umbuchen und erst nächstes Jahr nach Hause fliegen. Ich komme hier also wirklich echt fantastisch klar, vermisse natürlich meine lieben Freunde und Familie in Deutschland sehr, gleichzeitig jedoch genieße ich hier die mir noch verbleibende Zeit.

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