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Keine schlechte Stimmung schüren Diskussion über Europa auf dem Hof Groneick in Gehrde

Von Sigrid Schüler | 27.08.2019, 16:56 Uhr

Auf dem Hof Groneick in Gehrde hat jetzt der dritte Europatag in der Samtgemeinde Bersenbrück stattgefunden. Zeljko Dragic vom Verein „Brücken bauen e.V. Niedersachsen“ und Bürgermeister Günther Voskamp hatten dazu eingeladen, in einer Gesprächsrunde zu diskutieren, was die Europäische Union (EU) für uns tut und umgekehrt, was jeder Einzelne für die EU tun kann.

Auf dem Podium saßen ausschließlich Frauen, was nach Dragics Worten auch so beabsichtigt war. Angelika Baranowski, Tagesmutter in Bersenbrück, berichtete, dass für sie die EU und Europa keinesfalls weit weg seien. Europa begegne ihr jeden Tag, und zwar über die Mädchen und Jungen, die sie betreue. Einige von ihnen seien Kinder von Arbeitern aus dem europäischen Ausland. Sie zu begleiten, sei eine schöne Erfahrung, so Baranowski.

„Wer Luft atmet und Wasser trinkt, hat mit der EU zu tun.“
Maren von der Heide, Kreistagsabgeordnete

Maren von der Heide, Kreistagsabgeordnete im Landkreis Osnabrück und Leiterin des Personalmanagements der Kreissparkasse Bersenbrück, erklärte,, dass ihr Europa sowohl beruflich als auch privat ständig begegne. Sei es im Supermarkt, in dem Waren aus dem europäischen Ausland angeboten werden, sei es beim freien Reisen oder der einheitlichen Währung, die vieles einfach mache. Deutschland profitiere enorm von der EU, denn immerhin exportiere Deutschland zwei Drittel seiner Exportgüter in die EU. „Wer Luft atmet und Wasser trinkt, hat mit der EU zu tun“, so von der Heide. Sie spielte damit auf die von der EU gesetzte Richtlinie zur Begrenzung von Feinstaub und Stickoxiden sowie auf die EU-Trinkwasserrichtlinie an, die einen wichtigen Rahmen für die Gesundheit der Menschen geben.

Verständnis für Frauen fördern

Die EU sei im Übrigen darauf bedacht, Frauen zu fördern. Natürlich müsse im Job vor allem die Leistung zählen, aber in der EU-Politik gehe es darum, das Verständnis für Frauen zu fördern und sie zu unterstützen, damit jede sich ihr für eigenes Lebensmodell entscheiden könne. Die Akzeptanz verschiedener Lebensstile tue allen gut, so von der Heide.

„Das Altwerden in Deutschland geht nicht mehr ohne die Nachbarn.“
Gabi Linster, Seniorenbeauftragte

Auch Gabi Linster, Seniorenbeauftragte der Samtgemeinde Bersenbrück, ist eine überzeugte Europäerin. Sie erklärte: „Das Altwerden in Deutschland geht nicht mehr ohne die Nachbarn“, denn ohne die vielen Pflegekräfte aus den osteuropäischen Nachbarländern könne die Pflege schon lange nicht mehr funktionieren, und zwar weder in Pflegeheimen noch zu Hause. Ein Problem vermutet Linster darin, dass die EU-Abgeordneten oft in der Bevölkerung nicht bekannt seien. Deshalb entstehe der Eindruck bei den Bürgern, Europa sei weit weg.

Europa als Friedensgarant

Die angehende Osnabrücker Landrätin Anna Kebschull, die nach eigenen Worten mit ihrer Familie in Westberlin lebte, erklärte, sie schätze an Europa die Freizügigkeit und das ungehinderte Reisen. Als Westberlinerin habe sie zu Zeiten der Deutsch-Deutschen Mauer Grenzkontrollen und Wachposten sehr stark wahrgenommen. Europa sei für sie ein Friedensgarant, und sie sei der Ansicht, dass man der Klimakrise nur gemeinsam begegnen könne. Sie forderte von den Bürgern, nicht immer Europa die Schuld an allem zu geben. Europa gebe die Rahmenbedingungen, und Europa stehe für Menschenrechte, für Freiheit und für Gleichheit. Das seien positive Dinge. Etwas für die europäische Gemeinschaft tun könne jeder, und zwar, indem man keine negative Grundstimmung schüre.

Auf dem Europatag waren auch zahlreiche serbische Jugendliche aus Ruma, der serbischen Partnergemeinde der Samtgemeinde Bersenbrück, zu Gast. Organisiert wird der Besuch vom Verein „Brücken bauen Niedersachsen“. Die Reisegruppe umfasst laut Dragic in diesem Jahr 34 junge Leute, die in Gastfamilien untergebracht sind. Einige von ihnen seien schon mehrfach in der Samtgemeinde zu Besuch gewesen.

Die Gruppe Gruppe „Los Elegantos“ begleitete die Veranstaltung mit ihrem elegantem „Swing und Jazz made in Europe“. Das Büro „europe direct“ des Landkreises Osnabrück präsentierte sein Angebot an einem Stand. Das bestehe darin, in allen Fragen zu Europa Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises zu sein, erklärte Ansprechpartner Tim Kutschki von „europe direct“.