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Pflanzenbauer der Hochschule Osnabrück geben Einblick in Forschung Roboter hat Acker unter Kontrolle

Von Stefan Buchholz | 24.07.2014, 13:13 Uhr

Boni Rob, Eiweißlücke, Unterfußdügung – diese Namen stehen im Wortsinn für Feldforschung, die junge Agrarwissenschaftler auf dem Hof Langsenkamp in Belm-Haltern betreiben. Einer fachkundigen Öffentlichkeit stellten sie jetzt Ergebnisse an einem Feldtag vor.

Ein bisschen wie im Dschungel ist es zwischen zwei Meter hohen Maispflanzen. Außer viel dichtem Grün sieht der Unwissende nichts. Den Kennern der Materie geht es in diesem Pflanzenwuchsstadium ähnlich. Dafür können sie etwas mit dem Begriff Gülle Unterfußdüngung anfangen. Den benutzt Carl-Philipp Federolf als er die Landwirte und Experten von Landwirtschaftskammern durch die Versuchsparzellen führt. Der wissenschaftliche Mitarbeiter von der Hochschule Osnabrück arbeitet in einem von der Deutschen Bundesumweltstiftung mit mehr als 200000 Euro finanzierten Forschungsprojekt. Sein Auftrag: Wie kann der Landwirt künftig beim Maisanbau auf jeglichen Kunstdünger verzichten?

„Noch wird vor der Saat großflächig Gülle plus Kunstdünger auf den Feldern ausgebracht“, erklärt Agrarfachmann Federolf. Doch der Kunstdünger enthält viel Nitrat. Dieser Stickstoff kann über Auswaschung ins Grundwasser gelangen und ist in hoher Konzentration für den Menschen gefährlich. Federolf und weitere Spezialisten forschen daher an einem Verfahren, wie die Gülle optimalerweise an die Pflanze gelangt und so auf Kunstdünger verzichtet werden kann.

Umwelt entlasten

Mithilfe eines regionalen Landmaschinenherstellers spritzte man die Gülle im April an einigen Maisreihen direkt an den Pflanzenwurzeln ein – ohne Kunstdünger. Das Ergebnis: Gleicher Ertrag, weniger Umweltbelastung, fasst Forscher Federolf zusammen.

Gut 100 Meter weiter wird es übersichtlicher. Maik Kohlbrecher steht vor einer Feldreihe kniehohen Hafers. Der ist aber nur die sogenannte Stützfrucht, wie der Agraringenieur und Landwirt erklärt. Am Hafer hoch hangelt sich die Linsenpflanze. Neben dieser Parzelle sieht es dagegen wüst aus: Der Sturzbachregen vergangener Tage hat die grünen Linsen geplättet. „Eben weil der haltgebende Hafer fehlt“, so Kohlbrecher.

Er will mit dem Projekt aber nicht nur Stützexperimente vornehmen. „Vielmehr geht es um die Eiweißlücke.“ Denn: Deutschland importiere einen Großteil dieses wichtigen Proteins. Nur auf den kargen, aber sonnenverwöhnten Böden der Schwäbischen Alb könne man bislang Linsen erfolgversprechender anbauen, sagt der Forscher. Doch Versuche, die nahrhaften Alba-Linsen auch in Norddeutschlands Landwirtschaft zu etablieren, reizen. Schließlich lassen sich durch die nicht leichte Ernte bis zu neun Euro pro Kilo erzielen. „Und das bei einem Ertrag von 200 Kilo bis einer Tonne pro Hektar“, wie Kohlbrecher in der Literatur ermittelt hat.

Der Wissenschaftler hat auch den Roboter namens Boni Rob mit entwickelt, bei dem Bosch und ein regionaler Landmaschinenproduzent mit dabei waren. Das unbemannte Gerät stellt Co-Tüftler Frederik Langsenkamp auf seinem Hof vor. Die Feldroboterplattform ließe sich mit einem Traktor mit verschiedenen Anbaugeräten vergleichen. „Wir nennen sie Apps“, erklärt Langsenkamp das Gerät. Mit diesen Zusatzprogrammen sei es beispielsweise möglich, Pflanzeneigenschaften, Bodenverdichtungen und Unkrautregulierungen fernab des Ackers via PC-Bildschirm zu erfassen.