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„Keine Gymnasiasten zweiter Klasse“ Leitung der Belmer Oberschule kritisiert Bürgermeister

Von Hendrik Steinkuhl | 28.05.2015, 19:00 Uhr

Die handelnden Akteure in Belm sind sich einig: Die Johannes-Vincke-Schule soll einen gymnasialen Zweig bekommen. Dessen Zweck allerdings wird unterschiedlich bewertet – und nach Ansicht des Leitungsteams der Oberschule ist die Sicht von Bürgermeister Viktor Hermeler zumindest in Teilen falsch.

Der Standpunkt von Maarten Willenbrink ist eindeutig: „Die Aussage von Herrn Hermeler, die Johannes-Vincke-Schule sei mit einem Gymnasialzweig attraktiv für Kinder mit einer schwachen Gymnasialempfehlung, entspricht nicht der Intention unserer Oberschule und ist zu weit weg vom Unterrichtsalltag.“ Willenbrink ist als Didaktischer Leiter der Johannes-Vincke-Schule Teil der dreiköpfigen Schulleitung und spricht stellvertretend für das Gremium.

Erste Anlaufstelle für Belmer Kinder

Die kommissarische Direktorin Ute Haehnel, der kommissarische Konrektor Lars Haarlammert und Maarten Willenbrink reagieren sichtlich verstimmt auf einige Äußerungen, die Belms Bürgermeister Viktor Hermeler in der Neuen Osnabrücker Zeitung über den geplanten Gymnasialzweig der Oberschule getätigt hat. Gegenüber unserer Redaktion hatte Hermeler gesagt, dass Kinder mit einer „astreinen Gymnasialempfehlung“ ganz sicher auch in Zukunft nicht in Belm bleiben, sondern sofort auf ein Gymnasium gehen würden. Er sieht den Gymnasialzweig als erste Anlaufstelle für Belmer Kinder, deren Leistungsniveau zwischen Realschule und Gymnasium liegt.

Durchgehend auf Gymnasialniveau

Maarten Willenbrink hat eine andere Sicht: „Zum einen gibt es keine Gymnasiasten zweiter Klasse. Zum anderen ermöglicht nur eine Oberschule, die strukturell konsequent auf drei Niveaustufen unterrichtet und differenziert, eine umfassende Gestaltung individueller Bildungsziele und Schwerpunktsetzung nach fachlichen Stärken.“ Mit einem Gymnasialzweig wäre man dazu in der Lage, diese Schüler durchgehend auf Gymnasialniveau zu unterrichten, aber eben auch durchschnittlich begabten Kinder punktuell die Mitarbeit in einzelnen Fächern auf höherem Niveau zu ermöglichen. „Das Potenzial haben wir bereits jetzt in unserer Schülerschaft – Kinder, die in einzelnen Bereichen große Stärken, in anderen vielleicht kleine Schwächen mitbringen, können an einer Oberschule mit Gymnasialzweig in jede Richtung gefördert und gefordert werden.“

Kleinere Lerngruppen

Der eindeutige Nachteil eines Gymnasialzweigs an der Oberschule ist, dass die Schüler, die Abitur machen wollen, nach der zehnten Klasse noch einmal die Schule wechseln müssen. Oberflächlich betrachtet erscheint der direkte Gang ans Gymnasium für Schüler mit eindeutiger Gymnasialempfehlung also als der einzig sinnvolle. Doch Maarten Willenbrink führt einige Argumente für die Johannes-Vincke-Schule ins Feld. „Als Oberschule haben wir kleinere Lerngruppen als am Gymnasium oder der Realschule. Das einzelne Kind wird hier ganz sicher besser gefördert.“ Nicht zuletzt habe die Johannes-Vincke-Schule eine Größe, die dafür sorge, dass man Mitschüler und die Lehrer noch kenne und regelmäßig sehe, sagt Maarten Willenbrink. „Für die Schüler ist auch das sehr wichtig, wenn sie aus einer kleinen Grundschule in ein fremdes System wechseln.“ Ein notenbedingter Wechsel von einem Kurs in den anderen sei schließlich im System Oberschule wesentlich einfacher und unbürokratisch möglich. „Wir erörtern das halbjährig in unseren pädagogischen Konferenzen, um bestmögliche Bildungswege zu gewährleisten.“