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Happy End für gebürtigen Belmer Jonas Glüsenkamp wird Bambergs stellvertretender Bürgermeister

Von Hendrik Steinkuhl | 29.05.2020, 06:40 Uhr

Nun hat er es doch noch ins Rathaus geschafft: Der in Belm aufgewachsene Grünen-Politiker Jonas Glüsenkamp unterlag zwar in der Stichwahl um den Bürgermeisterposten im fränkischen Bamberg, wurde vom Rat der Stadt aber zum zweiten hauptamtlichen Bürgermeister gewählt.

Am Inhalt der Arbeit hat sich alles geändert, am Pensum nicht. Nachdem Jonas Glüsenkamp monatelang von morgens bis abends nur mit Wahlkampf beschäftigt war, beschäftigt er sich nun genauso intensiv mit der kommunalen Verwaltung. "Im Moment bin ich immer bis spätabends im Büro." Und selbst für das Spiel des VfL Osnabrück, der sein Auswärtsspiel im nahen Fürth gewann, fehlt dem langjährigen VfL-Fan die Zeit. "Das konnte ich leider nur nebenbei laufen lassen."

Alle Vorgänger waren von der CSU

Der Traum, als junger Zugezogener für die Grünen Oberbürgermeister in Bamberg zu werden, hat sich für den 32-Jährigen nach seiner Niederlage in der Stichwahl nicht erfüllt; dafür aber die Hoffnung, als zweiter hauptamtlicher Bürgermeister ins Rathaus einzuziehen. Anfang Mai wurde er gewählt und löste damit den langjährigen Stellvertreter von der CSU ab. "Jetzt bin ich in diesem Büro seit 1945 der erste Amtsinhaber, der nicht von der CSU ist", sagt Glüsenkamp.

Die Mitarbeiter seien dementsprechend neugierig und würden seinem Eindruck nach mit Spannung erwarten, was sich unter dem jungen Grünen verändert. Misstrauen oder gar Ablehnung beobachte er nicht, dafür gebe er aber auch keinen Anlass. "Vielleicht dachten einige, ich würde gleich grün streichen, das habe ich aber nicht vor. Ich habe zwar ein paar Pflanzen mehr ins Büro gestellt, aber das ist auch alles."

Politisches Ziel? "Eine autofreie Innenstadt"

In der Politik ist das anders, hier will der 32-Jährige einiges ändern. Glüsenkamp ist zwar berufsmäßiger Stadtrat und Wahlbeamter, also Interessenvertreter der Bürger und zu einem gewissen Grad überparteilich; trotzdem ist er ein Grünen-Bürgermeister, der auch an den Fraktionssitzungen teilnimmt. Von seinem Vorgänger hat er das Referat für Kultur, Schulen und Sport übernommen - und erlebte da auch gleich einen Aufreger, der bundesweit in der Presse stand: An einem Bamberger Gymnasium wurden die Prüfungsaufgaben im Fach Deutsch aus dem Tresor geklaut, ganz Bayern bekam deshalb neue Prüfungen.

Im Laufe des Jahres sollen die Referate allerdings noch neu zugeschnitten werden, Glüsenkamp bekommt dann die zu einem Grünen-Bürgermeister passenden Aufgaben Soziales, Mobilität und Umwelt. Sein großes Ziel für die Verkehrswende ist ambitioniert: "Eine autofreie Innenstadt." Zunächst wird Bamberg allerdings eine Modellkommune, in der für die gesamte Innenstadt Tempo 30 gilt.

E-Bike statt Dienstwagen

Glüsenkamp selbst geht mit gutem Beispiel voran und hat den Dienstwagen seines Vorgängers bislang nicht benutzt. Stattdessen ist er auf einem Dienst-E-Bike unterwegs. "Meine Freunde lachen natürlich darüber, dass ich mit 32 schon ein E-Bike benutze", sagt Glüsenkamp. "Aber Bamberg ist die Stadt der sieben Hügel, und wenn es da mal schnell gehen muss und man nicht verschwitzt zum Termin erscheinen will, ist ein E-Bike schon das richtige."

Um den stark grün gefärbten Koalitionsvertrag umsetzen zu können, wird allerdings auch noch Überzeugungsarbeit notwendig sein. Grün-Rot fehlen im Bamberger Stadtrat zwei Stimmen, um unabhängig von den anderen Fraktionen Beschlüsse treffen zu können, deshalb braucht es in der nächsten Ratsperiode flexible Mehrheiten.

Frau und Kinder sind noch in Icker

Momentan, erzählt Glüsenkamp, sei er übrigens alleine zu Hause. Nachdem man vor ein paar Wochen das jüngste der beiden Kinder in Icker habe taufen lassen, seien seine Frau und der Nachwuchs erst mal noch bei seinen Eltern geblieben, damit er sich jetzt in Ruhe in die Arbeit vertiefen könne. Und auch wenn er gerade keine Zeit hat, die Spiele seines Vereins zu sehen, hat er doch eine große Hoffnung: "Nachdem es bei mir ja nun beruflich noch ein Happy End gegeben hat, wünsche ich mir für den VfL natürlich das Gleiche - also den Klassenerhalt."