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Frist bis Ende Oktober Sozialem Kaufhaus in Belm droht das Aus

Von Sandra Dorn | 19.07.2012, 09:48 Uhr

Fundus in der Belmer Industriestraße ist eine Erfolgsgeschichte. Jetzt steht die Finanzierung des sozialen Kaufhauses auf der Kippe. Wenn die Gemeinde nicht einspringt oder sich andere Förderer finden, muss die Einrichtung im Herbst schließen.

Bei Fundus gibt es nicht nur gebrauchte Kleidung, Spielzeug, Bücher und Haushaltsgegenstände zu Preisen zwischen 50 Cent und 5 Euro. Das soziale Kaufhaus bietet Langzeitarbeitslosen seit viereinhalb Jahren auch eine Chance, in der Arbeitswelt wieder Fuß zu fassen. Bei Fundus werden sie für den Einzelhandel geschult, lernen alles über Warenannahme und Lagerhaltung sowie Beratung und Verkauf im Laden. Die Abläufe unterscheiden sich kaum von denen in einem richtigen Kaufhaus. Am Ende der sechsmonatigen Qualifizierung steht eine Prüfung.

Vor allem alleinerziehende Frauen und solche mit gesundheitlichen Problemen profitieren davon. „Die Hälfte der erwachsenen Frauen, die an unserem Qualifizierungsprojekt teilnehmen, bringen wir im ersten Arbeitsmarkt unter“, sagt Sigrun Rindt, Leiterin der Belmer Integrationswerkstatt (BIW), die eng mit Fundus zusammenarbeitet. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis.“

Vermittelt und vergütet werden die Teilnehmer von der Maßarbeit, der kommunalen Arbeitsvermittlung des Landkreises Osnabrück – noch. Denn Fundus kann die Kosten wie Miete und Strom zwar eigenständig decken, bei den Personalkosten für die Schulung der Teilnehmer ist das soziale Kaufhaus aber auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Bislang gab es diese von Bund und EU. Damit ist zum 31. Oktober Schluss. Eine Verlängerung der Förderung sei abgelehnt worden, sagt Fundus-Manager Dirk Koentopp.

Die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen ist das eine – der Bedarf an günstigen Waren das andere. Die Kundenzahlen haben sich laut Koentopp in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Die meisten kämen aus Belm. Und: „Von Anfang an gibt es eine große Bereitschaft, Sachen zu spenden“, sagt Sigrun Rindt. Anders als oft in Altkleidercontainern sei die Qualität der Waren sehr gut, betont Koentopp. „Wir müssen höchstens 10 bis 15 Prozent aussortieren.“ Das liege daran, dass die Leute die Spenden persönlich abgäben, so Koentopp. „Manchmal sind die Sachen sogar schon gebügelt.“

Das Kaufhaus ohne die Qualifizierungsmaßnahme weiterzubetreiben sei keine Option, betont er. Zum einen wären die Personalkosten dann genauso hoch, zum anderen „spenden die Menschen hier gern, weil sie wissen, dass es der Qualifizierung zugutekommt“.

Er führte die Mitglieder des Belmer Ordnungs- und Sozialausschusses bei ihrer jüngsten Sitzung durch die Räume und hofft nun, dass sie nach der Sommerpause zugunsten der Weiterführung von Fundus entscheiden werden.