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Exvorsitzender verlässt CDU Paukenschlag im Belmer Rat: Aulich wechselt zur FDP

Von Hendrik Steinkuhl | 14.11.2016, 17:41 Uhr

Fassungslosigkeit im politischen Belm: Oskar Aulich, ehemaliger Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes, verlässt Partei und Fraktion und schließt sich mit FDP-Ratsherr Rainer Voßgröne zusammen. Damit stellt Aulich die Verhältnisse im Gemeinderat auf den Kopf.

Der Mann, der nicht nur seiner Partei mächtig vor den Kopf gestoßen hat, hüllt sich in Schweigen. „Ich bin nicht in die FDP eingetreten, so viel kann ich sagen.“ Warum der ehemalige Belmer Partei- und Ratsvorsitzende die Fraktion verlassen und gleich auch auch noch aus der CDU ausgetreten ist, verrät er nicht. 

Jan-Hendrik Schulhof kennt die Gründe, doch der junge CDU-Fraktionsvorsitzende ist so fair, sie nicht in die Öffentlichkeit zu tragen. „Wenn Oskar Aulich dazu nichts sagt, dann möchte ich das natürlich auch nicht tun.“

Verhältnis zwischen Aulich und CDU war zerrüttet

Dass das Verhältnis zwischen Aulich und seinem Ortsverband zerrüttet war, ist allerdings kein Geheimnis. Nachdem der damalige Belmer Parteivorsitzende gemeinsam mit dem Fraktionsvorsitzenden Bernhard Strootmann gegen den Widerstand aus Teilen des Ortsverbandes Susanne Breiwe zur CDU-Bürgermeisterkandidatin aufstellen ließ und diese die Wahl krachend verlor, ging die Verbindung zwischen Aulich und der CDU langsam in die Brüche.

Nur als Nachrücker in den Rat eingezogen

Der damals 76-Jährige trat nach der Niederlage seiner Kandidatin dem Vernehmen nach nicht ganz freiwillig als Chef des Ortsverbandes zurück. Vor der Gemeindewahl in diesem Jahr wählte die CDU Aulich dann auf einen hinteren Listenplatz. Prompt schaffte er es auch nicht in den Rat und zog schließlich nur als Nachrücker für den erkrankten Heinz Hempen in das Gremium.

Aulich offenbar enttäuscht über Listenplatz

Dass Aulich über seinen schlechten Listenplatz alles andere als erfreut war, ist ein offenes Geheimnis. Und nun, so könnte man meinen, hat der fast 80-Jährige seiner Partei eins ausgewischt. „Als ich davon gehört habe, hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt Parteivorsitzender und Fraktionsvize Rolf Villmer. Und: „Das ist nichts anderes als verletzte Eitelkeit.“ Fraktionschef Jan-Hendrik Schulhof sagt, er sei vor allem traurig über Aulichs Entscheidung.

Aulich verhinderte Kooperation mit UWG

Mit dem Wechsel zur FDP nimmt Oskar Aulich seiner Fraktion eine entscheidende Stimme. Elf Sitze und damit elf Stimmen hatte die CDU, elf Stimmen hat auch die kürzlich vereinbarte Kooperation aus SPD und Grünen. Nun hat die CDU eine Stimme weniger als der politische Gegner. Laut der CDU-Fraktionsspitze war es außerdem Oskar Aulich, der mit seinem Nein eine Kooperation mit der UWG verhinderte. Alle anderen Fraktionsmitglieder hätten der Zusammenarbeit zugestimmt. Am Ende scheiterte der Pakt an dem Mann, der kurz danach die Fraktion verließ.

SPD verliert Sitz im Verwaltungsausschuss

Bitter ist Aulichs Wechsel schließlich auch für die SPD. Denn der bisherige FDP-Alleinvertreter Rainer Voßgröne erreicht dank eines zweiten Sitzes für seine Liberalen nun Fraktionsstatus und bekommt damit auch einen Platz im wichtigen Verwaltungsausschuss. Weichen muss dafür ein Vertreter der SPD. Deren Fraktionsvorsitzender Jochen Becker wollte das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht kommentieren. „Erst mal mit den eigenen Leuten reden.“

Nachdem Bürgermeister Viktor Hermeler die Entscheidung Aulichs in einem Ratsworkshop am Freitagabend verkündet hatte, soll Becker aber dem Vernehmen nach stinksauer gewesen sein. Klar ist: In den beiden stärksten Fraktionen im Belmer Rat hat sich Oskar Aulich mit seinem Wechsel keine Freunde gemacht.