Ein Artikel der Redaktion

Erweiterung offenbar nötig Klärwerk der Gemeinde Belm ist überlastet

Von Hendrik Steinkuhl | 09.02.2017, 16:49 Uhr

Die Gemeinde Belm muss ihre Kläranlage deutlich erweitern – das ist das Ergebnis einer aktuellen Messung, die im Betriebsausschuss vorgestellt wurde. Laut einem Experten habe die Kommune Glück gehabt, dass sie vom Landkreis noch nicht „erwischt“ worden sei.

Die Gemeinde Belm hat rund 13.500 Einwohner, doch der im Klärwerk der Kommune gemessene so genannte biochemische Sauerstoffbedarf entspricht einer Personenzahl von 25.000 bis 28.000. Im Klartext bedeutet das: Die Belmer Kläranlage ist überlastet und muss deshalb zügig erweitert werden.

Bakterieller Abbau

Diese Erkenntnis teilte der Osnabrücker Ingenieur Michael Kipsieker den Mitgliedern des Belmer Betriebsausschusses in seiner aktuellen Sitzung mit. Um noch einmal technisch zu werden: Der biochemische Sauerstoffbedarf gibt die Menge an Sauerstoff an, die zum bakteriellen Abbau der im Wasser vorhandenen Verschmutzungen innerhalb einer bestimmten Zeit benötigt wird.

Überlastung der Kläranlage

Ermittelt wurde dieser Wert – neben anderen – im Oktober und November letzten Jahres. „In der Zeit gab es relativ wenig Regen“, sagte Kipsieker. Heißt: Bei stärkerem Niederschlag dürfte sich die Überlastung der Belmer Kläranlage noch stärker zeigen.

Schmutzwasserzuführungen

Neben der grundsätzlichen Überlastung der Belmer Kläranlage zeigten sich im Messverlauf noch zwei große Ausreißer nach oben, also enorme Schmutzwasserzuführungen, die eine zwischenzeitliche Belastung entsprechend einer Einwohnerzahl von 90.000 verursachten.

Der Weg eines Sherlock Holmes

„Kann man denn nachvollziehen, wer in solchen Fällen der Einleiter war?“, fragte SPD-Ratsherr Erwin Schröder. „Das kann man, aber dann muss ich den Weg eines Sherlock Holmes durch das Abwassersystem gehen“, lautete die Antwort von Experte Kipsieker. Der Ausschuss-Vorsitzende Berthold Uphoff (CDU), selbst Ingenieur, wenngleich nicht im Wasserbau, gab sich damit nicht zufrieden. „Man kann und sollte doch nach solchen Mess-Peaks eine Rückstellprobe nehmen und die untersuchen lassen.“

Enorme Mengen

Sollte es in Belm regelmäßig vorkommen, dass Schmutzwasser in dieser enormen Menge eingeleitet werde, sei es unabdingbar, die Verursacher zu ermitteln und auch an dieser Stelle anzusetzen, so Uphoff. „Wir sollten jetzt nicht einfach blind loslaufen und ein doppelt so großes Klärwerk bauen.“

Uphoffs Vorschlag fand Gehör, Bürgermeister Viktor Hermeler (parteilos) sicherte zu, dass man die Messungen auf jeden Fall wieder aufnehmen werde.

Routine-Messungen

Experte Kipsieker trug anschließend vor, dass er und Gemeindevertreter mit den Messergebnissen beim Landkreis als zuständiger Behörde vorstellig geworden seien und dort verkündet worden sei, der Landkreis wolle in diesem Punkt „vorläufig keinen Einfluss auf die gemeindliche Entwicklung“ nehmen. „Was heißt denn ‚vorläufig‘, das ist ja ein sehr dehnbarer Begriff. Zehn Jahre zum Beispiel?“, fragte Erwin Schröder. „Sie werden vom Landkreis sicher keine Übergangsfrist von zehn Jahren bekommen“, antwortete Michael Kipsieker. Bis jetzt, so der Experte, habe die Gemeinde ohnehin großes Glück gehabt, vom Landkreis bei dessen Routine-Messungen nicht erwischt worden zu sein.

Bachelor-Arbeit über das überlastete Klärwerk

„Für mich steht fest, dass wir einen Erweiterungsbedarf haben“, lautete das unwidersprochene Fazit von Bürgermeister Viktor Hermeler. Das nächste Mal wird sich der Betriebsausschuss voraussichtlich im Mai mit dem Thema Klärwerk befassen. Dann wird auch eine Ingenieurs-Studentin vor Ort sein, die im Unternehmen von Michael Kipsieker ihre Bachelor-Arbeit über das überlastete Belmer Klärwerk und die Erweiterungsmöglichkeiten schreibt.