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Ein Beruf mit Zukunft Belmer Firma sucht Fachkräfte für Lebensmitteltechnik

Von Nina Strakeljahn | 10.02.2017, 15:51 Uhr

Kein Haar schaut mehr unter der Haube von Thorsten Volmer hervor. Für seinen Bart hat er ebenfalls einen Schutz. Die Hygienevorschriften werden in einem Lebensmittelunternehmen wie den Avo-Werken in Belm genau genommen. Das muss auch eine Fachkraft für Lebensmitteltechnik wissen.

Mit dieser Ausbildung ist Volmer in dem Unternehmen gestartet, hat dann studiert und ist mittlerweile Industriemeister sowie Schichtleiter. Fachkräfte für Lebensmitteltechnik sind begehrt und werden gesucht.Derzeit lernen neun Auszubildende bei den Avo-Werken den Beruf der Fachkraft für Lebensmitteltechnik. Dass noch mehr junge Menschen diesen Beruf ergreifen, wünscht sich Personalleiter Christoph Schmedt. Viele würden den Beruf gar nicht kennen. Momentan seien diese Fachkräfte auch bei den Avo-Werken noch in der Minderheit, würden in der Zukunft aber immer wichtiger.

Wer Fachkraft für Lebensmitteltechnik werden will, sollte einen Realschulabschluss haben, sagt Schmedt. Außerdem sollte er sich für die naturwissenschaftlichen Fächer interessieren. Das Aufgabenfeld ist vielfältig. Zum einen müsse man sich mit Lebensmitteln auskennen und zum anderen auch ein technisches Verständnis haben, erklärt Volmer.

Paprika oder nicht?

 Die Avo-Werke zum Beispiel haben mehr als 5000 Produkte und entsprechend viele Rezepturen im Sortiment. Wenn die Firma mit der Produktion einer Gewürzmischung beauftragt wird, muss eine Fachkraft für Lebensmitteltechnik eine solche Rezeptur lesen können. Wenn der Auszubildende also in der Abteilung, in der die Gewürze zusammengestellt und gewogen werden, das Gewürz vor sich hat, muss er sehen, ob es Paprika ist oder nicht. Gewürzkunde spielt deshalb eine wichtige Rolle. Da auch koschere oder Halal-Gewürzmischungen angeboten werden – also nach jüdischem und islamischen Speiserecht – muss der Mitarbeiter auch das anhand der Rezeptur sehen und spezielle farblich gekennzeichnete Gefäße zurückgreifen.

Hendrik Wessels ist Auszubildender im zweiten Lehrjahr. Ihm macht die Arbeit viel Spaß. „Ich wollte etwas mit Lebensmitteln machen“, sagt er. Den Umgang mit Lebensmitteln, auch in Bezug auf den Verarbeitungsschutz, findet er spannend. Hinzu kommt die technische Auseinandersetzung mit den Maschinen.

Überwachung der Maschinen

Einer der Gewürzmischer steht still und ist geöffnet. Ein Mitarbeiter kontrolliert die Maschine. Ebenfalls eine Aufgabe der Fachkräfte, die die Maschinen auch, während sie im Betrieb sind, überwachen, denn vieles läuft mittlerweile automatisch. Dennoch müssen die Fachkräfte die Technik bedienen können. Bei den Mischern kommt es noch auf einen weiteren Aspekt an. Neben den richtigen Gewürzen sei es wichtig, in welcher Reihenfolge die Zutaten hinzugefügt werden, sagt Volmer. Man müsse wissen, wann zum Beispiel ätherische Öle eingesetzt werden, erklärt er.

Am Ende der Produktionskette, entlang der überall Fachkräfte für Lebensmittel zu finden sind, wenn die Mischung im großen Beutel landet, ist ebenfalls wieder der Blick der Experten gefragt. In der Abteilung stehen Vergleichsprodukte. Proben werden aneinandergehalten und die Fachkraft entscheidet, ob es passt oder nicht. Das wird zwar auch noch genauer untersucht, aber die Fachkräfte werfen den ersten Blick darauf.

Auf dem Etikett muss stehen, was drin ist

Aufgaben gibt es noch in der Verpackungsabteilung. Dort werden die Gewürzmischungen in unterschiedlichen Größen portioniert und dort überwachen die Fachkräfte auch die Technik. Während des gesamten Prozesses wird zudem kontrolliert, ob das drin ist, was angefordert ist – und am Ende muss auch alles auf dem Etikett stehen, erklärt Volmer.

Aufbauen lässt sich auf dem Beruf der Fachkraft für Lebensmitteltechnik, wie man an Volmers Lebenslauf sieht. Auch Florian Lerche hat bei den Avo-Werken seine Ausbildung abgeschlossen. Seit dem Wintersemester 2016/2017 studiert er an der Fachhochschule Osnabrück Wirtschaftsingenieurwesen Lebensmittelproduktion, das nach sechs Semestern mit einem Bachelor of Science abgeschlossen werden kann. Aufgrund seiner guten Abschlussnoten – er war bester Absolvent im IHK-Bezirk – hat er ein Stipendium der Avo-Werke erhalten und arbeitet in den Semesterferien weiter im Betrieb.

„Sehr gute Perspektiven“

Dass Auszubildende in diesem Bereich gesucht werden, zeigen auch die Zahlen der Agentur für Arbeit. In Stadt und Landkreis sind 29 Ausbildungsstellen für „Fachkraft Lebensmitteltechnik“ gemeldet (Stand: 8. Februar). „ Im Bereich Lebensmitteltechnik haben Bewerber sehr gute Perspektiven. Meist finden ausgebildete Fachkräfte gut und schnell eine Arbeitsstelle,“ sagt Jutta Guthardt, operative Geschäftsführerin der Osnabrücker Arbeitsagentur.

„Sofern sie die Mindestanforderungen erfüllen, ist es sehr wahrscheinlich, dass Bewerber eine Ausbildungsstelle finden. Ein guter Hauptschulabschluss und ein Faible für naturwissenschaftliche Fächer sollten vorhanden sein.“, sagt Guthart. Viele Unternehmen wie Avo verlangen aber einen Realschulabschluss. Der Trend am Ausbildungsmarkt mache auch vor den Unternehmen dieser Branche nicht halt – weniger Bewerber bei hohem Stellenangebot. „Es wird nicht einfacher, die Ausbildungsstellen zu besetzen – zumal der Ausbildungsberuf Fachkraft Lebensmitteltechnik in den Köpfen der Jugendlichen weniger präsent ist als andere. Der Erfolg bei der Bewerbersuche ist daher auch davon abhängig, wie bekannt der Betrieb ist und welches Image er in der Bevölkerung besitzt“, betont Guthardt. Sie erklärt, dass die örtliche Lage des Unternehmens ebenfalls eine Rolle spielt, denn je abgelegener, desto schwieriger werde es, Nachwuchs zu finden. Die Frage nach der Mobilität von Bewerbern sollte man gerade im Landkreis nicht unterschätzen.