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Ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit Seminar in Icker über die Integration von Flüchtlingen

Von Claudia Sarrazin | 24.02.2017, 12:58 Uhr

„Herausforderung Flüchtlinge – Herkulesaufgabe Integration“, lautete in diesem Jahr das Thema des ökumenischen Seminares in Icker und Vehrte. Zum Abschluss der Reihe kam der Flüchtlingssozialarbeiter Philipp Jansen von der Caritas ins Pfarrheim nach Icker.

Das ökumenische Seminar der katholischen Kirchengemeinde in Icker und der evanglisch-lutherischen Kirchengemeinde in Vehrte befasste sich in diesem Jahr mit dem Thema Flüchtlinge. Nachdem es am ersten Abend um Flucht- und Migrationsgeschichten in der Bibel gegangen war, berichteten am zweiten Abend Flüchtlinge , wie und warum sie nach Vehrte gekommen waren. Wie der einzelne seinen persönlichen Beitrag zu Integration von Flüchtlingen leisten kann, war Thema des letzten Abends im Pfarrheim in Icker. Als Fachmann sprang Philipp Jansen von der Caritas für die erkrankten, ursprünglich geplanten Referenten ein.

Verweisberatung und Ehrenamt

Jansen arbeitet als Flüchtlingssozialarbeiter und ist bei der Caritas für Osnabrück und den nördlichen Landkreis mit zuständig. Er stellte zunächst fest: „Überall wird das Thema Ehrenamt etwas anders gehandhabt.“ Wer sich jedoch einbringen wolle, könne sich entweder bei den Gemeinschaftsunterkünften der Flüchtlinge melden oder bei bestehenden Vereinen, Institutionen oder Gruppen, die bereits in der Flüchtlingsarbeit aktiv seien. Er selbst leiste „Verweisberatung“, sprich würde den Flüchtlingen in seiner Beratung erklären, wo sie weitere Hilfe bekämen. „Ich kann aber nicht mit jedem einzelnen mitgehen, zum Beispiel zum Arzt“, so Jansen, und fügte hinzu: „Das ist jedoch ein guter Punkt, wo Ehrenamt andocken kann.“

Kulturelle Unterschiede

Doch nicht nur Deutsche wollten sich in der Flüchtlingshilfe engagieren: „Ich höre ganz oft von den Flüchtlingen die Frage, wo sie Deutsche kennenlernen und mit ihnen sprechen könnten.“  Die Herausforderung: In Deutschland verabrede man sich mit Bekannten meist verbindlich mit Ort und Zeit. Anders in den Heimatländern vieler Flüchtlinge: „Auf der Straße boomt das Leben und im Café kommt man schnell ins Quatschen, auch mit Fremden“, so Jansen, der damit gleich zum nächsten Thema kam: Verbindlichkeit. Er wusste aus Erfahrung: „Auch wenn die Leute freundlich sind und zusagen: Man muss es aushalten können, wenn jemand nicht kommt und man nicht weiß, ob es am Angebot, einem selbst oder keinem vom beiden liegt.“ Verbindlichkeit würde andernorts anders gehandhabt als in Deutschland. Und man dürfe nicht vergessen: „Vielen fehlt das Verständnis für das deutsche System – nicht nur das System der Behörden, sondern auch der Gesellschaft“, so Jansen.

Was funktioniert

Nicht alle gut gemeinten Angebote funktionieren, deshalb hatte Jansen auch ein paar Tipps parat: „In Quakenbrück gibt es ein Nähcafé, in dem jeder näht, was er will“, so der Fachmann. Das laufe gut, und auch Kochen funktioniere: „Sie müssen ja nicht bei sich Zuhause kochen, schauen sie, ob es in ihrer Gemeinde eine Küche gibt, die sie gemeinsam nutzen können“, so Jansen. Außerdem gäbe es ganz viel Kontakt über Fahrräder, zum Beispiel beim gemeinsamen Herrichten und Reparieren von Rädern oder auch an Verkehrstagen, an denen sich gerne auch die Polizei beteilige. Was es bisher jedoch leider nicht gäbe, sei eine Stelle, die alle Ideen und Aktionen sammle und sortiere“, bedauerte Jansen.

Ehrenamt hat Grenzen

Während der Flüchtlingssozialarbeiter einerseits für Verständnis warb: „Viele Flüchtlinge sind zwar irgendwie schon da, haben aber auch etwas auf der Strecke gelassen.“ So beschäftige viele noch das Erlebte oder die Frage, wie die Familie nachziehen könnte. Erinnerte er andererseits an die Grenzen des Ehrenamtes: „Es kann nicht sein, das ich das Gefühl habe, ich gebe den kleinen Finger, und die ganze Hand ist weg.“ Daher müssten Ehrenamtliche offen über ihren „Energiehaushalt und ihre Ressourcen“ sprechen. Außerdem ginge es bei allem Mitleid immer darum: „Möglichkeiten aufzuzeigen. Den letzten Schritt muss jeder selber machen.“ Ehrenamtliche müssten nicht alles übernehmen und ständig in Bereitschaft sein. Sie müssten es aber auch aushalten, wenn jemand beispielsweise beim ersten Mal nicht einen beschrieben Weg findet. „Man merkt oft erst hinterher, wenn man Hilfe zur Unselbstständigkeit geleistet hat“, so Jansen, der zudem der Meinung war: „Man muss Ehrenamtliche begleiten.“ Eine Form sei das monatliche Austauschtreffen von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe freitags im Forum am Dom.