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Die Geschichte der Schlossstraße Auf der Suche nach Belms Schloss

Von Claudia Sarrazin | 10.04.2014, 16:13 Uhr

Ein Schloss gibt es in Belm zwar heute nicht mehr, doch eine Schlossstraße noch erinnert daran, dass dies früher einmal anders war. Allerdings war das namensgebende Schloss genau genommen ein Rittergut, das später durch ein schlossähnliches Herrenhaus ersetzt wurde. Doch auch dieses steht heute nicht mehr.

Wer die Belmer heute fragt, wo das Belmer Schloss ist, wird wahrscheinlich in erstaunte Gesichter blicken. Ortshistoriker Ulrich Brinkmann hingegen berichtet: „Es gibt kein Schloss mehr, aber es gab mal eines.“ „So führt uns die (Geschichte) des Gutes Astrup ... in die graue Vorzeit hinein“, schrieb beispielsweise Rudolf vom Bruch in seinem Buch „Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück“. Urkundlich erwähnt wurde Astrup erstmals 1096. Und während des 30-jährigen Krieges machten es sich die Schweden auf dem Gut bequem: Sie logierten vor und nach ihrer Belagerung von Osnabrück dort.

Stil der Toscana

1819 kaufte der bürgerliche Postmeister Franz Lutmar Christoph Meyer zu Bohmte das Rittergut. Er war der erste nicht-adlige Besitzer des Gutes Astrup und übertrug es 1844 auf seinen Sohn Gustav Meyer. Nachdem ein Teil der Gutsgebäude abgebrannt war, geriet Gustav Meyer in finanzielle Schwierigkeiten.

Sein Bruder Julius Meyer war finanziell besser aufgestellt. Der ehemalige Fabrikbesitzer kaufte Astrup 1856 aus der Konkursmasse seines Bruders. Und er errichtete auf dem Grundstück ein Wohnhaus „mit schlossartigem Gepräge im Stil der Toscana“, so beschrieben Zeitzeugen das Gebäude. 1858 war der Bau im neuromanischen Stil fertiggestellt – inklusive eines zinnenbekrönten Turms. Meyers Frau und seine Tochter Hedwig zogen nach Belm, doch die Familienidylle währte nicht lange: Mit nur 45 Jahren starb der umtriebige Geschäftsmann 1863.

Dann brannte es ein weiteres Mal auf Astrup. Die Osnabrücker Zeitung berichtete damals, dass das im Volksmund „Schloss“ genannte Gut in der Nacht vom 18. auf den 19. August 1865 durch einen Brand verwüstet wurde. Und der Autor kritisierte: „Neben dem Löschen des Feuers versäumten die wackeren Leute jedoch das Löschen ihres Durstes nicht, wozu ihnen der glücklich entdeckte Weinkeller des Hauses die willkommene Gelegenheit bot; sie hatten dabei so viel Flüssigkeit in sich aufgenommen, dass sie aus ihrer Spritze keine mehr zu geben vermochten.“

Das total zerstörte Herrenhaus wurde wieder aufgebaut, und Hedwig Meyer lebte dort bis zu ihrem Tod 1933 im Alter von 94 Jahren. Ihr einziges Kind, Jaques de Pottere, durfte das Gut jedoch nicht erben. Denn er war im Laufe seines Lebens geisteskrank geworden und durfte nach damaligem Recht nicht erben.

Deshalb wurde das Gut 1939 aufgeteilt und an elf Bauern aus Wahn im Emsland vergeben. Ihr Dorf musste einem Militärplatz weichen, und alle 1000 Bewohner wurden zwangsumgesiedelt. So auch der Urgroßvater von Nicola Rüters. Sie wohnt heute am Ende der Schlossstraße in einem der ältesten erhaltenen Gebäude des Gutes Astrup.

Die Ruine des nach Meyers Tod leer stehenden Herrenhauses wurde in den 1950iger Jahren abgerissen. „Denkmalpflegerische Gedanken waren den Leuten damals weitgehend fremd“, berichtet Brinkmann.

An die alten Zeiten, in denen an der Schlossstraße noch das prächtige Herrenhaus stand, erinnert heute wenig: Die „Schwedenlinde“ wurde vermutlich schon im 30-jährigen Krieg gepflanzt und steht immer noch dort. Auch der Schlossteich blieb erhalten. Er diente den Belmern zeitweise als Badeteich. „Darin hat eine Tante von mir ihren Verlobungsring beim Baden verloren“, erzählt Rüters. „Wir versuchen gerade, die alten Mühlengebäude des Gutes zu renovieren.“