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Belm prüft konkrete Anforderungen Freude über Reaktivierung des Bahnhalts in Vehrte

Von Hendrik Steinkuhl | 27.05.2015, 20:52 Uhr

Es wird noch einige Jahre dauern, aber immerhin: Gemeinsam mit 20 anderen Projekten soll auch der Bahnhalt im Belmer Ortsteil Vehrte wieder reaktiviert werden. Die Lokalpolitik zeigt sich hoch erfreut, ein Nahverkehrs-Experte allerdings spricht von der „zweitbesten Lösung“.

„Das ist eine erfreuliche Nachricht, aber jetzt müssen wir natürlich auch schauen, was das im Ergebnis bedeutet“, sagt Viktor Hermeler. Der Belmer Bürgermeister und der Rat seiner Gemeinde haben sich seit Jahren für den Bahnhalt in Vehrte stark gemacht. Nun hat der niedersächsische Verkehrsminister Olaf Lies verkündet , dass die Station tatsächlich kommen soll – wann, steht allerdings noch in den Sternen. „Ich rechne mit mindestens zehn Jahren“, sagt Hermeler.

Andere Bahnhalte wie etwa der Osnabrücker Rosenplatz seien positiver eingestuft worden, weil sie sich besser in den derzeitigen Fahrplan integrieren lassen. „Vehrte könnte jetzt nicht so einfach in den bestehenden Schienenverkehr zwischen Osnabrück und Bremen eingetaktet werden.“ Seit knapp zehn Jahren fährt zwischen fünf Uhr und Mitternacht stündlich der Regionalexpress zwischen Bremerhaven und Osnabrück durch Vehrte. Laut Belms Bürgermeister gibt es eine Diskussion, ob die Strecke Münster - Osnabrück Richtung Bohmte verlängert werden könnte, dann eben mit einem Halt in Vehrte.

„Die Frage ist natürlich, wie wir baulich am besten einen Bahnsteig anlegen. Klar ist: Den bisherigen Bahnhof brauchen wir dafür nicht“, sagt Viktor Hermeler. Klar ist auch, dass sich die Gemeinde mit 25 Prozent an den Kosten für den Bahnhalt wird beteiligen müssen. Was das in absoluten Zahlen bedeutet, weiß Hermeler nicht. „Da kursieren zwar schon irgendwelche Summen, aber die sind nicht seriös. Ich gehe aber davon aus, dass es sich für uns finanzieren lässt.“

Auch zwei Landespolitiker aus der Region meldeten sich zu Wort und bekundeten ihre Zustimmung für die geplante Reaktivierung des Bahnhalts in Vehrte. „Ich freue mich sehr darüber, dass bald die Bahnhöfe Alfhausen und Vehrte wieder genutzt werden können“, schreibt Filiz Polat, die für die Grünen im hannoverschen Landtag sitzt. „In ganz Niedersachsen wurden 40 Haltestellen auf die Möglichkeit einer Reaktivierung überprüft. Ich freue mich sehr, dass unser Bemühen in Belm-Vehrte von Erfolg gekrönt ist“, schreibt Clemens Lammerskitten in einer Pressemitteilung. Das CDU-Landtagsmitglied unterstützt die Initiative „Ein guter Zug für Vehrte und Ostercappeln“.

Dort engagiert sich auch der Fahrgastverband Pro Bahn. Deren Mitglied Martin Sturm begrüßt die Entscheidung ebenfalls, meldet aber auch Bedenken an. „Ich halte die Entscheidung für den Bahnhalt in Vehrte nur für die zweitbeste Lösung.“ Sollte der Regionalexpress zwischen Bremerhaven und Osnabrück künftig in Vehrte halten, würde das bei dem Gewicht des Zuges einen Zeitverlust von zwei Minuten bedeuten; in der Folge müsste der Anschluss nach Bramsche aufgegeben werden, außerdem käme der Regionalexpress dann dem Intercity in die Quere, der von Süddeutschland nach Hamburg fährt. „Es gäbe jede Stunde einen Trassenkonflikt.“

Die beste Lösung sei aus Sicht von Pro Bahn die Schaffung einer „OS-Bahn“; ein Projekt unter diesem Namen würde seit Jahren bei der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) herumgeistern. Ein solcher Zug sollte neben Vehrte auch im Schinkel, dem Widukindland und in Belm im Bereich der Gewerbebetriebe halten. „Die Kette kann man in Bohmte enden lassen oder nach und nach auf der Trasse der Wittlager Kreisbahn bis Bad Essen und weiter in den Altkreis Wittlage bis ins westfälische Preußisch Oldendorf weiterführen.“

Ob dieses Projekt aber jemals Realität wird, ist laut Martin Sturm mehr als zweifelhaft. „Die Planos jedenfalls bringt nichts voran.“