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Bei Ganztag gut aufgestellt Bildungsreport für Belm, Bissendorf und Wallenhorst

Von Sandra Dorn | 06.11.2015, 17:23 Uhr

Belm/Bissendorf/Wallenhorst. Zum zweiten Mal hat der Landkreis Osnabrück einen Regionalreport Bildung herausgegeben. Vor allem bei der Krippen-Besuchsquote und bei der Inanspruchnahme eines schulischen Ganztagsangebots offenbaren sich größere Unterschiede.

172 Seiten lang ist die Studie , die für die drei Kommunen auf jeweils sieben individuellen Seiten wenig Neues bereithält. So zeigt sich in Bissendorf anhand einer Krippenbesuchsquote von fast 40 Prozent (Landkreis-Durchschnitt: 27,1 Prozent) deutlich, dass die Gemeinde sehr früh angefangen hat, Krippenplätze einzurichten. In Wallenhorst schlägt sich das Ganztagsangebot an allen Grund- und weiterführenden Schulen in einer Nutzungsquote von satten 59,3 Prozent nieder (Landkreis-Schnitt: 41 Prozent), auch Belm liegt dort mit 43 Prozent knapp über dem Schnitt. In allen drei Gemeinden macht sich auch der demografische Wandel bemerkbar: Die Schülerzahlen sind in den vergangenen zehn Jahren um 24 (Belm), 32 (Bissendorf) und 30 (Wallenhorst) Prozent gesunken.

Das sagen die Bürgermeister

Die Ergebnisse – und was die Bürgermeister dazu sagen – im Detail:

 Belm: Bürgermeister Viktor Hermeler (parteilos) betrachtet den Regionalbericht Bildung skeptisch. „In der Summe sind die Zahlen okay, aber ich möchte den Bericht auch nicht überbewerten.“ Ihn störe vor allem, dass bei den Schülerzahlen die Belmer Kinder, die Schulen in Osnabrück besuchen, nicht der Gemeinde zugerechnet werden. 57 der 60 Krippenplätze in Belm waren 2014 belegt, 2011 war das Angebot gestartet. Die Krippen-Betreuungsquote bei Kindern unter drei Jahren lag in Belm 2014 mit 26,4 Prozent knapp unter dem Landkreis-Schnitt von 27,1 Prozent. 2013 hat die Gemeinde zudem die Betreuungszeiten an den Kindergärten ausgeweitet .

Angebot richtet sich nach Nachfrage

Belm richte das Angebot nach der Nachfrage, erläutert Bürgermeister Hermeler. „Wenn wir weitere Krippenplätze benötigen, werden wir das hinkriegen.“ Schon jetzt stecke Belm 1,5 Millionen Euro jedes Jahr in die Frühförderung, betont Hermeler – und bei dieser Summe sind bereits Elternbeiträge sowie Landesmittel abgezogen. Dass laut Landkreis-Studie nur 26,7 Prozent der Erstklässler mehr als drei Jahre eine Kita besucht haben, irritiere ihn allerdings. Den Wert hätte Belms Bürgermeister auf 50 Prozent geschätzt. „Aus unseren eigenen Erhebungen weiß ich, dass wir mehr als 90 Prozent der Vier-, Fünf- und Sechsjährigen erreichen.“

Hoher Sprachförderbedarf

Der Sprachförderbedarf bei Kindergartenkindern, in deren Familien zu Hause nicht Deutsch gesprochen wird, ist in Belm mit 22,9 Prozent hoch, was mit dem hohen Anteil von Bürgern mit Migrationshintergrund zu tun hat. Doch hinzu kommen 5,4 Prozent Kinder mit Sprachförderbedarf aus deutschsprachigen Haushalten. Insgesamt haben in Belm also 28,3 Prozent der Kindergartenkinder Defizite in der deutschen Sprache – kreisweit sind es 26,4 Prozent. „Das zeigt, dass wir uns verstärkt um Förderung kümmern müssen, die eigentlich vom Elternhaus zu erwarten wäre“, so Hermeler.

Hohe Besuchsquote in Bissendorf

 Bissendorf: In Bissendorf ist die Besuchsquote in Krippen (39,8 Prozent) deutlich höher als landkreisweit (27,1 Prozent) und laut Statistik haben passend dazu 52,3 Prozent der Erstklässler mehr als drei Jahre lang den Kindergarten besucht . „Ich bin erfreut darüber, dass der Bildungsreport abbildet, was wir in Angriff genommen haben“, sagt Bürgermeister Guido Halfter (parteilos). Denn: Seine Gemeinde hatte bereits 2007 die ersten Krippenplätze geschaffen, als es dafür noch gar keine Fördermittel gab. „Wir sind dafür auch bestraft worden“, so Halfter: „Als wir fertig waren, bekamen die anderen Kommunen Geld.“

Bedarf an Plätzen steigt

Zwei Millionen Euro steckt Bissendorf jährlich in die Frühförderung – und der Bedarf an Krippenplätzen nehme weiter zu, so Halfter. 90 gibt es zurzeit, aber die Gemeinde werde voraussichtlich in Achelriede eine weitere Krippengruppe schaffen müssen. Halfter blickt noch weiter voraus: Mit der wachsenden Zahl an Flüchtlingen werde der Bedarf an Kita- und Schulplätzen weiter steigen. Hoch ist in Bissendorf mit 70 Prozent auch den Anteil der Krippenkinder im Ganztag, der Kreis-Durchschnittswert liegt bei 26 Prozent.

Ganztagsangebot ist Sache der Schulen

Der Anteil der Schüler wiederum, die in Bissendorf ein Ganztagsangebot nutzen, liegt mit 36,3 Prozent unter dem Schnitt von 41 Prozent. Eine Ganztagsschule gibt es nur in Schledehausen, erläutert Martina Storck, Leiterin des Fachdienstes Zentrale Aufgaben. Die übrigen würden zwar nicht als Ganztagsschulen geführt, dafür gebe es aber an der Grundschule Bissendorf ein Hortangebot und in Wissingen eine Nachmittagsbetreuung. Das Ganztagsangebot hätten auch die Schulen selbst in der Hand, betont Halfter. „Wir können das nicht qua politischer Entscheidung einführen.“

Neues Konzept auf dem Weg

 Wallenhorst: In Wallenhorst nutzen 59,3 Prozent der Schüler das Ganztagsangebot, das es an allen Schulen der Gemeinde gibt. „Da sind wir sehr gut aufgestellt“, kommentiert Bürgermeister Otto Steinkamp (parteilos). Doch durch den seit 2014/15 geltenden neuen Ganztagsschulerlass des Landes sei es schwierig geworden, den bisherigen Standard zu halten. „Wir machen uns jetzt mit den Grundschulen auf den Weg, da ein neues Konzept zu entwickeln“, so Steinkamp. Der Bedarf an schulischer Ganztagsbetreuung steige außerdem.

Bürgermeister sieht Gemeinde gut aufgestellt

Auch beim Krippen- und Kita-Angebot sieht Steinkamp Wallenhorst gut aufgestellt. Doch er sagt dasselbe wie seine Kollegen: Der Bedarf steigt. 113 Krippen- und 620 Kita-Plätze waren 2014 laut Studie in Wallenhorst belegt. Dass die Krippenquote vom Bund seinerzeit auf 35 Prozent festgelegt wurde, sei Quatsch gewesen, sagt Steinkamp. Wallenhorst lag 2014 bei 36,8 Prozent – plus 9,5 Prozent bei Tagesmüttern, der Landkreisschnitt betrug 27,1 plus 8,7 Prozent. „Es geht um ein bedarfsgerechtes Angebot“, findet Steinkamp.