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Alles hängt vom eigenen Mut ab Selbstbehauptungstraining im Kindergarten Icker

Von Stefanie Preuin | 09.07.2014, 16:59 Uhr

Verbale Attacken, aber auch gewalttätige Übergriffe sind Alltag auf deutschen Schulhöfen. Selbstbehauptungstrainerin Elena Nohlen übte mit 13 Vorschulkindern des Kindergartens Icker helfende Strategien ein. Diese führten sie nun vor.

„Die Kinder müssen jetzt gestärkt werden, da sie bald alleine von der Schule nach Hause laufen“, erklärte Kindergartenleiterin Elke Lenz vor der Vorführung durch die Kinder. Die fünf und sechs Jahre alten Kinder lernten in zwölf Unterrichtsstunden, wie man „Nein“ sagt, darüber hinaus den richtigen Stand, aber auch, Blickkontakt zu halten.

Vor der Aufführung machte Trainerin Nohlen gleich die Regeln für die anwesenden Eltern klar: „Nicht lachen, Ihre Kinder sind aufgeregt.“ Was folgte, zeugte aber nicht von Nervosität. Die Antworten auf die Fragen von Elena Nohlen kamen wie aus der Pistole geschossen. „Warum braucht ihr einen festen Stand?“, fragte sie die Kinder. In den vergangenen Trainingsstunden ist für Pauline klar geworden, welches Verhalten in einer Angriffssituation wichtig ist: „Wir brauchen den festen Stand, damit wir ausweichen können. Beim Zappeln werden wir nicht ernst genommen.“

Auch die Effizienz der Stopp-Position und des Blickkontaktes zum Angreifer wurde in der Vorführung deutlich. Elena Nohlen ging dabei nicht zimperlich mit den Kindern um. Sie schubste, rempelte und hielt sie fest. Nach den intensiven Vorbereitungen stellte dies aber kein Problem dar. Geschickt befreiten sich die Kinder, hielten den Kontakt zum Täter, der ihnen folgte. „Stopp, ich will das nicht“, riefen sie mehrmals laut und deutlich. Abwehrend hob Lennard bei der Stopp-Haltung seine Hände vor den Körper. Sein Blick und seine Körpersprache verrieten, dass er keine Annäherungen zulassen will.

Zuvor hatten die Eltern im Publikum keine Kenntnisse vom Gewaltpräventionsprojekt von Elena Nohlen, vertrauten aber dem Vorschlag von Elke Lenz. Bei der Vorführung wunderten sie sich über ihre eigenen Kinder. „Bei den bösen Blicken bekomme ich Respekt“, war der Tenor. Es vermittle ein gutes Gefühl, wie selbstbewusst die Kinder aufträten. Auch die Schüchternen unter ihnen glänzten mit einer festen Stimme. „Es hängt vom Mut und Willen der Vorschulkinder ab, ob sie zum Opfer werden“, erklärte Nohlen.