Mütter lernen Deutsch Ein lebhafter Sprachkurs in Belm

Von Nina Strakeljahn

Beim Sprachkurs für Mütter werden die Kinder betreut. Gemeinde-Mitarbeiterin Janet Kuffner (4.v.l.), Lehrerin Klara Berg (6.v.r.) und BIW-Geschäftsführer Gerhard Wienken freuen sich über das Engagement der Frauen. Foto: Nina StrakeljahnBeim Sprachkurs für Mütter werden die Kinder betreut. Gemeinde-Mitarbeiterin Janet Kuffner (4.v.l.), Lehrerin Klara Berg (6.v.r.) und BIW-Geschäftsführer Gerhard Wienken freuen sich über das Engagement der Frauen. Foto: Nina Strakeljahn

Belm. Während das Baby tief und fest im Kinderwagen schläft, verfolgt das kleine Mädchen mit der gelben Schleife im Haar aufmerksam die Runde in der Belmer Integrationswerkstatt (BIW). Dort lernen Mütter, die aus ihrem Heimatland geflüchtet sind, Deutsch.

Zwölf Mütter kommen mindestens zweimal in der Woche in die Integrationswerkstatt – viele sogar noch häufiger. Mit dabei sind ihre Kinder, maximal sechs im Alter von zehn Monaten bis drei Jahren. Die anderen Kinder werden in anderen Einrichtungen betreut, erklärt Gerhard Wienken, BIW-Geschäftsführer.

„Es ist ein lebhafter Sprachkurs“, sagt Wienken und lacht – auch wenn die Kinder an diesem Tag sehr brav sind. Für Lehrerin Klara Berg stellt dieser Sprachkurs aber eine Herausforderung dar, denn es sei manchmal schon anstrengend. Unterstützung erhält Berg durch Ghroub Fadel, die aus Syrien geflüchtet ist und dort als Lehrerin arbeitete. Sie betreut die Kinder. Ghroub Fadel hat selbst bei Klara Berg Deutsch gelernt, hilft ihr nun ehrenamtlich und übt dabei weiter. „Es macht Spaß“, sagt sie.

Deutsch für den Alltag

Die Farben, die Zahlen, Kleidung und die Begriffe rund um das Frühstück hat sie mit den Frauen schon behandelt. Auch wie es mit dem Busfahren in Belm funktioniert, wissen die Frauen mittlerweile. Die Zielstellung sei das Alltagsdeutsch, erklärt Sigrun Rindt, Assistentin der BIW-Geschäftsführung. Sie sollen Deutsch lernen, um beispielsweise Einkaufen zu gehen und erste Kontakte knüpfen zu können. Außerdem solle der Kurs auch dazu dienen, sich zu vernetzten, neue Leute kennenzulernen, fügt Rindt hinzu.

Seit Mai vergangenen Jahres bietet die BIW in Kooperation mit der Gemeinde Sprachkurse für Flüchtlinge an. Sie hätten so auf Tuchfühlung mit der Sprache und Kultur gehen können, erklärt Wienken. Viele von diesen Teilnehmern seien mittlerweile in Integrationskursen. Doch die jungen Mütter bräuchten noch Sprachkurse und deshalb habe sich die BIW entschieden, diese mit Kinderbetreuung anzubieten. Im Januar ist der Kurs gestartet. Zwei Termine pro Woche sind für die Frauen verpflichtend, da aber an vier Tagen Kurse – die nicht nur für Mütter sind – angeboten würden, kämen viele häufiger. Die Frauen seien sehr engagiert.

„Alles gut“

Innerhalb der Integrationswerkstatt sind die Frauen angekommen. Die jungen Männer aus der Werkstatt zum Beispiel helfen mit den Kinderwagen, erzählt Rindt. Auch mit dem Küchenteam verstehen sich die Mütter sehr gut. „Alles gut“, lautet das einstimmige Fazit der Teilnehmerinnen, die aus Syrien, Afghanistan, Tschetschenien, Georgien, Russland und der Ukraine kommen.

In jedem Monat soll es außerdem einen Höhepunkt geben. Am 8. März wird zum Beispiel gemeinsam der Frauentag gefeiert. Es werden verschiedene Speisen aus den Ländern gebacken. Die Frauen wünschen sich auch Musik. Da seien sie noch auf der Suche, sagt Rindt. In den nächsten Monaten wollen sich die Mütter noch die Textilwerkstatt anschauen und vielleicht einen Ausflug in den Zoo unternehmen.

112 Flüchtlinge leben in Belm

Wie lange der Kurs läuft, ist noch offen, zunächst einmal bis Mai, sagt Wienken. Man müsse schauen, wie sich die Situation weiterentwickele. Die Gemeinde Belm biete noch viele weitere Sprachkurse an, erklärt Janet Kuffner, stellvertretende Fachbereichsleiterin Bürgerservice und zuständig für die Flüchtlinge. Es gebe den Deutschtreff der Volkshochschule, einen ehrenamtlichen Sprachkurs sowie den Frauentreff. Insgesamt leben derzeit 112 Flüchtlinge in Belm , sagt Kuffner. Davon seien 70 Prozent bereits anerkannt.