Theater im Bus Präventionsprogramm „Dreist!“ macht in Belm Station

Von Johanna Kollorz

Wie man in bedrohlichen Situationen einschreiten kann, ohne sich selbst zu gefährden, verdeutlichten die Akteure der Theaterpädagogischen Werkstatt durch Rollenspiele im Bus vor der Johannis-Vincke-Schule. Foto: Johanna KollorzWie man in bedrohlichen Situationen einschreiten kann, ohne sich selbst zu gefährden, verdeutlichten die Akteure der Theaterpädagogischen Werkstatt durch Rollenspiele im Bus vor der Johannis-Vincke-Schule. Foto: Johanna Kollorz

Belm. „Hinsehen statt wegschauen“ lautet das Motto des Präventionsprogramms der Theaterpädagogischen Werkstatt. Um bei Schülern des 7. Jahrgangs ein Bewusstsein für Zivilcourage zu schaffen, die sie selbst möglichst wenig gefährdet, fuhr das Projektteam samt Bus an der Belmer Johannes-Vincke-Schule vor.

Theaterpädagoge Markus Brockmeyer beginnt das Rollenspiel mit einem Trommelwirbel. Die Bustür geht auf. Stefanie Steinbrink steigt ein und zischt Fahrer Ralf Haunhorst (der Stadtwerke-Mitarbeiter ist im Bereich Projektarbeit auch beim Buslotsentraining aktiv) launisch von der Seite an.

In der Mitte des Busses stellt sie sich neben Massimo Taberi. Der junge Mann ist bis dato beseelt in einen Bestseller-Roman vertieft. Doch dann hagelt es verbale Übergriffe wie Streber, Leseratte, Perverser oder Petze auf seine Person: Noch lachen einzelne Schüler. (Weiterlesen: Schüler-Theater mit Flüchtlingen: Premiere in Osnabrück )

Helfer wird selbst zur Zielscheibe 

„Irgendwie stinkt´s hier“, bemerkt die Aggressorin. „Es stinkt halt manchmal im Bus“, entgegnet ihr Opfer ruhig. „Sag mal, checkst Du´s, Alter? Du stinkst!“, fährt Stefanie gezielt mit ihren Provokationen fort.

Auch als Massimo Abstand sucht, folgt sie ihm und schubst ihn durch den Bus. Schließlich greift Markus deeskalierend ein: „Du kannst Dich auch hier hinsetzen. Hier ist noch ein Platz frei“. Bald wird auch er zur Zielscheibe.

Kooperationsprojekt für mehr Zivilcourage 

„Ich begrüße alle Schüler der Klasse 7b ebenso wie alle Damen und Herren, deren Schulzeit schon eine Weile vorbei ist“, wendet sich der Theaterpädagoge nach dem ersten Durchlauf der Konfliktsituation an die Anwesenden im Bus. Neben Schulsozialarbeiterin Katharina Korte, haben auch Marion Freericks vom Verein Pro Belmer Jugend, Franz Klenke vom Belmer Gemeindejugendring  und Hauptkommissar Martin Schmitz vom Präventionsteam der Polizei Osnabrück im Bus Platz genommen.

Wie im Vorgängerprojekt „Mein Körper gehört mir!“ geht es den Kooperationspartnern wieder um viel Bauchgefühl, um Zivilcourage und Deeskalation – sprich um die Frage: Wie kann ich helfend mitwirken, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen.

Auf das Opfer zu konzentrieren

Mit dem Hinweis: „Untersuchungen haben gezeigt: Je mehr Leute da sind, desto weniger wird eingeschritten“, fordert Markus Brockmeyer die Schüler auf, aktiv ins Geschehen einzumischen – wenn es leichter fällt in der Gruppe.

Mit Erfolg: Nachdem sich erste Reaktionen gegen die Täterin richten, haben die Schüler schnell raus, dass es sinnvoller ist, sich auf das Opfer zu konzentrieren. Manche holen Massimo zu sich nach hinten auf die Bank. Andere, die weiter vorne, entfernt vom Konfliktgeschehen sitzen, bitten den Busfahrer um Hilfe.

Opfer und Täter tauschen Rollen

Für die zweite vorbereitete Szene folgt ein Rollentausch: Kopftuchtragend muss nun Stefanie Steinbrink die Pöbeleien ihrer Kollegen ertragen, die sie offensichtlich alkoholisiert körperlich bedrängen und als „Döner“ betiteln.

Dieses Mal dauert es nicht so lange, bis die Schüler einschreiten. Genau dafür plädieren alle Projektbeteiligten zum Abschluss des Programms. Auch genaues Beobachten für eine eventuelle Zeugenaussage und das Einbeziehen von Erwachsenen zählen sie als Zivilcourage auf.

„Ich hatte während der Rollenspiele regelrecht Gänsehautfeeling“, sagte Erika Rosenthal. Letztere war als Mitglied des Seniorenbeirats gemeinsam mit ihrer Freundin Petra Gobler zum Projekt erschienen und lobte die Gruppendynamik der Schüler. (Weiterlesen: Zum Ortsportal )