Kommunalpolitiker zu Besuch Belmer Kindertreff hat erhebliches Finanzdefizit

Der Belmer Kindertreff an der Ringstraße leidet unter Geldsorgen. Foto: Hendrik SteinkuhlDer Belmer Kindertreff an der Ringstraße leidet unter Geldsorgen. Foto: Hendrik Steinkuhl

Belm. Bevor der Belmer Ordnungs- und Sozialausschuss wie üblich im Ratssaal seinen Geschäften nachging, besuchten die Mitglieder in der aktuellen Sitzung den offenen Kindertreff an der Ringstraße. Leiterin Johanna Lagemann stellte die aktuelle Situation der Einrichtung vor. 

Seit 2003 befindet sich der offene Kindertreff, der von der katholischen Kirchengemeinde Belm getragen wird, im Gebäude der Grundschule an der Ringstraße. „Die Kombination passt sehr gut, das Gelände ist wirklich toll und liegt weitab von der Straße“, sagte die langjährige Leiterin Johanna Lagemann gegenüber den Mitgliedern des Belmer Ordnungs- und Sozialausschusses.

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Kinder auch aus Icker

Laut Lagemann hat sich in den vergangenen Jahren einiges im Kindertreff geändert. Dazu gehört die Herkunft der Besucher. „Ursprünglich waren wir Anlaufstelle für die Kinder aus der direkten Umgebung, mittlerweile kommen aber auch Kinder aus dem neuen Baugebiet oder sogar aus Icker.“ Was wiederum die soziale Herkunft angehe, gebe es im Kindertreff eine „bunte Mischung“. Alle Schichten seien vertreten, und die Kinder würden ohne jegliche Vorbehalte miteinander spielen. „Die Kinder interessiert das auch überhaupt nicht.“

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Weniger Kinder mit Migrationshintergrund

Deutlich geändert habe sich auch der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund. Vor zehn Jahren lag der laut Lagemann bei 88 Prozent. Mittlerweile ist er um 23 Punkte auf 65 Prozent gesunken. Jeden Tag besuchen etwa 33 bis 55 Kinder die Einrichtung. „Wir hatten auch schon mal höhere Zahlen“, sagte Lagemann. Die genauen Gründe könne man nicht benennen, eines könne sie aber mit Sicherheit sagen: „Viele Kinder bekommt man nachmittags kaum noch aus dem Haus.“

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Zerstreuungsmöglichkeiten

Ihrer Beobachtung stünden gerade Kindern aus armen Familien nicht selten alle erdenklichen Zerstreuungsmöglichkeiten im Haus zur Verfügung. „Früher gab es in solchen Familien nichts, und die Kinder waren gezwungen, auf die Straße zu gehen, wenn sie sich beschäftigen wollten.“ Anders als früher würden heute auch viele Kinder nicht direkt nach der Schule in den Kindertreff kommen. „Sie sind oft von der Schule fertig, müssen nach Hause und sich erst mal ausruhen und kommen dann häufig später.“

Gute Atmosphäre

Die Atmosphäre im Kindertreff bezeichnete Lagemann als ausgesprochen gut. Mehrfach schon hätten Praktikanten hervorgehoben, dass es hier sehr friedlich und harmonisch zugehe. „Die waren oft total überrascht davon, weil Belm ja lange einen sehr schlechten Ruf hatte.“

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Finanzielle Probleme

Die Probleme im Kindertreff sind dagegen schnell und konkret benennbar – sie sind finanzieller Natur. Finanziert wird die Einrichtung vor allem von der Gemeinde Belm, auch das Bistum Osnabrück zahlt einen Anteil, darüber hinaus können die Betreiber mit ein paar tausend Euro Spenden pro Jahr rechnen. Trotzdem ist der Jugendtreff stark defizitär, rund 15.000 Euro beträgt das Minus beim nächsten Bilanzabschluss, durch Rücklagen kann das Defizit auf immerhin rund 3000 Euro gesenkt werden.

Der Ausschussvorsitzende Rolf Thöle (Grüne) beendete den Besuch im Kindertreff mit den Worten, man habe die – nicht explizit – Bitte an den Rat nach mehr finanzieller Unterstützung verstanden.


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