Informationsveranstaltung in Belm A33-Nord: Fledermaus-Nachbarn kriegen mehr Lärmschutz

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Belm. Wenn die geplante A33-Nord gebaut wird, werden die Anwohner in mehreren Bereichen von Belm, Icker und Wallenhorst-Rulle durch Lärmschutzwände oder -wälle vor dem Lärm geschützt. Glücklich ist dabei, wer Fledermäuse in seiner Nachbarschaft hat.

In Kürze

  • Wer in der Nähe von Fledermäusen wohnt, hat Glück: Da ist eine Kombination aus Lärmschutz und Fledermausschutz möglich.
  • Wer keine Fledermäuse in der Nachbarschaft hat und im Außenbereich wohnt, hat kaum Chancen auf Lärmschutzwände.
  • Im Bereich der Anschlussstelle Belm wird auf 1,5 Kilometern Flüsterasphalt verbaut.
  • Planungsstand: Die A33-Nord befindet sich in den letzten Zügen der Vorentwurfsplanung.
  • Erste Autos werden frühestens 2027 auf der A33-Nord fahren – sofern der Lückenschluss kommt.

Häufig ist eine Kombination aus aktivem Lärmschutz und Fledermausschutz möglich, erläuterte Verkehrsplaner Manfred Ramm von der Ingenieurplanung Wallenhorst (IPW) am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung in Belm. Ohne Fledermäuse schauen viele Anrainer – etwa zwischen den Belmer Ortsteilen Icker und Powe – in die Röhre.

„Der Schutz des Menschen ist leider nationales Recht“, erläuterte A33-Gegner Rainer Comfere aus dem Publikum, „der Schutz der Natur fällt unter europäisches Recht – und das greift weiter.“ Das war sogar für Belms Bürgermeister Viktor Hermeler (parteilos) neu, sagte er. „Der beste Lärmschutz ist, wenn diese Autobahn nicht gebaut wird“, so Hermeler. Das stand aber bei der letzten Bürgerdialog-Veranstaltung in diesem Jahr nicht zur Debatte. Unter den Besuchern waren 26 Gegner, 30 Befürworter und fünf Unentschiedene, wie eine Befragung ergab.

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Gesetz gibt Rahmen vor

Planer Ramm und Cord Lüesse von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr erläuterten, dass sie sich bei der Planung an die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte halten müssten. Lüesse: „Wenn Sie etwas an diesen Grenzwerten und Berechnungsgrundlagen ändern wollen, müssen Sie an die Politik herantreten.“ Grundsätzlich gilt beim Bund folgende Faustregel: Aktiver Lärmschutz (Lärmschutzwände und -wälle) geht vor passiven Lärmschutz (besser isolierte Fenster und ähnliches), „und dann kommt das große Aber“, so Ramm: „Nur wenn die Kosten dafür verhältnismäßig sind.“ Die Philosophie laute: „Macht gerade so viel, dass die Lärmschutzrichtlinien eingehalten werden.“

Verkehr wird sich in Belm verdoppeln

Dass die A33-Nord laut wird – sofern sie kommt –, ist klar. Im Bereich der Anschlussstelle Belm wird sich der Verkehr im Vergleich zur noch nicht einmal fertigen Belmer Ortsumgehung (B51 neu) verdoppeln – und damit wird es um zwei bis vier Dezibel (dBA) lauter. „Das ist als Lärmunterschied deutlich wahrnehmbar“, so Ramm. Eine Lärmschutzwand ist dort bereits für die im Bau befindliche neue B51 geplant. Sollte die A33-Nord kommen, wird zusätzlich auf anderthalb Kilometern Länge Flüsterasphalt verbaut. Wäre es nicht sinnvoller, den Flüsterasphalt auch schon für die Ortsumgehung zu verlegen?, wollten einige Zuhörer wissen. Lüesse sagte, dafür müsse erst Baurecht für die A33 herrschen. Ausgetauscht werde für den Flüsterasphalt (offenporiger Asphalt) nur die etwa 12 Zentimeter dicke Deckschicht. Diese wird für die Ortsumgehung 2018 oder 2019 erstellt. „Bis die A33 kommt, sind acht bis zehn Jahre vergangen – das entspricht der normalen Verschleißdauer.“ Heißt: Die Fahrbahndecke müsste dann ohnehin irgendwann erneuert werden.

Flüsterasphalt contra Lärmschutzwand

Um die Anwohner am Power Weg im Bereich des Verknüpfungsbereichs zwischen B51 und A33 vor dem Lärm der Autobahn adäquat zu schützen, müsste die ohnehin geplante sechs Meter hohe Lärmschutzwand alternativ zum Flüsterasphalt mehr als zehn Meter hoch werden, erläuterte Ramm. Nur dann sei „Vollschutz“ gewährleistet – und das sei „unverhältnismäßig hoch“. Durch den rund 1,5 Millionen Euro teuren Flüsterasphalt auf diesem Abschnitt wiederum seien „im besten Fall rund drei dB(A) Lärmminderung zu erreichen“. Und Lüesse wollte eine weitere Lanze für den Flüsterasphalt brechen: „Der offenporige Asphalt wirkt von ganz unten bis ganz oben und unendlich weit.“

Fledermäuse und Lärmschutz

Auf der weiteren Strecke der A33-Nord ist momentan aktiver Lärmschutz für weitere 1,3 Millionen Euro geplant. Vor allem dort kommen die Fledermäuse zum Tragen. Etwa im Bereich Westerheide/An der Ruller Flut sei „aktiver Lärmschutz in Kombination mit Fledermausschutz möglich“, erläuterte Ramm. Es ergäben sich so Synergieeffekte. Dort werde sogar „Vollschutz“ erreicht. Die Lärm- und Naturschutz-Kombi sei auch am Eschkötterweg möglich. Im weiteren Verlauf im Kreuzungsbereich Haster Straße wiederum sei kein Fledermausschutz notwendig. Ramm: „Für diese Häuser wäre aktiver Lärmschutz zu teuer.“ Dort wird es nur passiven Schutz geben.

Wird es auch leiser?

„Es wird mit Sicherheit bei einigen auch leiser“, sagte Lüesse. Ramm nannte als Beispiel die Anwohner im Widukindland – immer von den erwarteten Werten durch die neue B51 ausgehend, die noch gar nicht fertig ist. Ebenso werde es bei einigen auch lauter. „Das ist so. Das muss man nicht verschweigen oder irgendwie schönreden“, betonte Lüesse. Zu Viktor Hemeler sagte er, es sei der Gemeinde Belm natürlich unbenommen, auf eigene Kosten für zusätzlichen Lärmschutz zu sorgen.

Planungsstand

Noch immer befindet sich die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in der Vorentwurfsplanung, sei nun aber in den letzten Zügen, sagte Cord Lüesse. „Wir wollen die nächstes Jahr an den Bund weitergeben.“ Das Planfeststellungsverfahren dürfte etwa zwei Jahre dauern. Der Planfeststellungsbeschluss, gegen die Autobahngegner klagen wollen, wird frühestens 2018 erwartet. Wäre es nicht sinnvoller A33 und B51 in einem Zug zu bauen?, wollte ein Zuhörer wissen. Wieviel teurer wird es, das nacheinander zu tun? „Es wäre selbstverständlich wirtschaftlicher, wenn alles an einem Stück gebaut würde“, so Lüesse. „Aber kostenmäßig ist das schwer zu fassen. Wir bauen die B51 schon so weit wie möglich so, dass die Autobahn ohne großen zusätzlichen Aufwand gebaut werden könnte.“

Die Unterlagen zur Info-Veranstaltungen sollen im Laufe der nächsten zwei Woche auf www.buergerdialog-a33nord.de online gestellt werden.


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