Ortsbefahrung mit ADFC-Chef B51-Bau in Belm: Viele Probleme für Fahrradfahrer

Von Hendrik Steinkuhl


Belm. Durch den Bau der neuen B51 ergeben sich derzeit für alle Verkehrsteilnehmer Einschränkungen - nicht zuletzt für die Radfahrer. Bei einer Ortsbefahrung mit ADFC-Chef Uwe Schmidt wird deutlich, dass es an einigen Stellen für die Zweirad-Benutzer sogar gefährlich werden kann.

Obwohl Uwe Schmidt ein Fahrrad-Aktivist ist, neigt er nicht zur Dramatisierung. Aber an dieser Stelle sieht der Vorsitzende des Osnabrücker ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) ein erhebliches Problem. „Das ist hier wirklich richtig gefährlich.“ 

Wir befinden uns auf dem Schinkelberg, direkt neben der Rechtsabbieger-Spur der B51 auf die Bremer Straße. Für Autofahrer ist diese Stelle ein Nadelöhr  – für Fahrradfahrer aber auch. „Das ist eine sehr enge Ecke hier mit einem richtig problematischen Straßenbelag“, sagt Uwe Schmidt. Auf dem gepflasterten Weg, der durch Absperrbaken verengt ist, liegt eine Menge Rollsplitt. „Und dann ist das auch noch der ganz feine.“

Herausforderung für Radler

Wer hier mit etwas höherer Geschwindigkeit ankommt, riskiert einen schweren Sturz. „Gerade für Pedelec-Fahrer ist das ziemlich gefährlich“, sagt Uwe Schmidt. Die unübersichtliche Ampelsituation mit mehreren sogenannten Bettelampeln (also Ampeln, die nur auf Knopfdruck funktionieren) macht das Nadelöhr zu einer echten Herausforderung für Fahrradfahrer. 

Wir fahren weiter auf dem provisorischen Radweg an der Bremer Straße Richtung Belm, es geht bergab. Da der Fahrradweg hier für beide Richtungen gilt, ergibt sich folgendes Problem: Der Weg ist an einigen Stellen zu schmal. Kommen sich zwei Fahrradfahrer hier entgegen, muss man schon aufpassen, dass man nicht mit den Lenkern aneinanderstößt. Zudem ist der provisorische Radweg sehr glatt – und dazu kommt, dass auch hier wieder der feine Rollsplitt liegt.

Doch das ist noch nicht alles. Der Radweg ist geteilt, eine Reihe von rot-weißen Baken trennt die Strecke. „Man weiß hier ja gar nicht, wo der Radweg weitergeht“, sagt Uwe Schmidt. „Gerade stadteinwärts stellt sich die Frage: Fahre ich rechts von den Baken, also parallel zur Fahrbahn und damit neben dem Verkehr, oder fahre ich links von den Baken. Und im Dunkeln stelle ich mir das auch nicht leicht vor, hier ist nämlich überhaupt keine Beleuchtung.“ 

Provisorischer Weg

Das nächste Problem wartet am Ende des provisorischen Radweges, jetzt befinden wir uns schon fast auf einer Höhe mit dem Mediamarkt. Hier steht ein Auto, halb auf dem Privatgrundstück, halb auf dem kombinierten Geh- und Radweg. Uwe Schmidt: „Wenn sich hier zwei Fahrradfahrer begegnen, oder auch jemand mit einem Kinderwagen oder Rollator entgegenkommt, dann wird das schon sehr, sehr eng.“ 

Was meint die zuständige Behörde dazu? Wir haben Frank Engelmann gefragt, selbst Belmer und stellvertretender Geschäftsbereichsleiter in der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.

„Der im Baustellenbereich B51 hergestellte Radweg auf der Südseite der Bremer Straße ist – wie unschwer zu erkennen – ein Provisorium, um Radfahrern überhaupt die Möglichkeit zu geben, den Knotenpunkt zu passieren.“

Verunreinigungen durch den parallel stattfindenden Baubetrieb sind laut Engelmann dabei leider nicht immer auszuschließen. Die umfassende Baustellenbeschilderung weise aber auch alle Verkehrsteilnehmer auf die besondere Gefahrensituation hin, „sodass eigentlich jeder erkennen müsste, dass er seine Geschwindigkeit anzupassen hat.“ Das Provisorium bestehe noch bis Mitte August, dann werde der alte Radweg auf der Nordseite wieder hergestellt sein.

Entlang der Bahnschiene

Ortskundige Radfahrer, die zwischen Belm und dem Norden Osnabrücks unterwegs sind, würden laut Engelmann aber ohnehin nicht durch das baustellenbedingte Nadelöhr fahren. „Die nutzen den wesentlich ansprechenderen Radweg fernab von Kraftfahrzeugen entlang der Bahnstrecke.“

Doch auch einige Kilometer entfernt vom „Nadelöhr“ ergibt sich durch den Bau der neuen B51 ein Problem für Fahrradfahrer. An der Haster Straße entsteht die zweite von insgesamt neun Brücken. Radfahrer, die von Belm kommen, müssen nach links einen Umweg über die Heinrichstraße in Kauf nehmen. 

Wer wiederum von der Heinrichstraße kommt und nach rechts in die Haster Straße Richtung Belm fahren will, tut das mit einem gewissen Risiko. „Der Radweg endet hier rechts, man muss dann direkt auf die Straße fahren“, sagt Uwe Schmidt. „Die Fahrzeuge, die nach Belm fahren, können einen aber gar nicht richtig wahrnehmen. Denn einerseits ist die Baustelle im Weg und andererseits die Vegetation.“ 

Frank Engelmann von der zuständigen Behörde sieht dieses Problem nicht: „Was Herr Schmidt hier beschreibt, kann ich gar nicht nachvollziehen. Die Umfahrung bindet direkt wieder an den bestehenden Radweg der Haster Straße an.“

So oder so: Der Bau der neuen Ortsumgehung wird noch einige Jahre den gewohnten Verkehr in Belm durcheinanderbringen.