Sammlertreffen am Wochenende 350 Oldtimer-Motorsägen in Belm-Vehrte restauriert


Belm. Die Lauf-Enten flüchten in den Stall, wenn Andreas Meyer den Zwei-Zylinder-Motor seiner Solo Twin startet. Vorbei ist es mit der friedlichen Idylle auf dem Meyerhof zu Hage in Belm-Vehrte – zumindest für die nächsten paar Minuten. „Das ist ein Klangerlebnis, oder?“, ruft Meyer und lässt das Blatt der roten Motorsäge durch das Holz eines Baumstammes gleiten. Die Oldtimersäge aus den 1960er-Jahren hat Meyer selbst restauriert – so wie auch die rund 350 anderen, die in der Scheune neben dem Entenstall lagern. Am kommenden Wochenende, 16., 17. Mai, werden Fans aus ganz Europa zum internationalen Motorsägentreffen nach Vehrte kommen, auch Laien können vorbeischauen.

Die Bretter der Regale biegen sich unter dem Gewicht der Motorsägen. Große und kleine, bunte und graue Modelle aus aller Welt – nicht nur die Wände der großen Scheune sind voll davon, sondern auch der Boden, viele der Oldtimer noch verpackt in den Originalkartons nebst Ersatzteilen. Wie Meyer den Überblick behält, wisse er selbst nicht, sagt er. Aber er hat ihn.

Technisch versiert

Wie kommt ein 41 Jahre Vater zweier Söhne dazu, ausgerechnet Motorsägen zu sammeln (hier geht es zu Meyers Internetseite) ? Andreas Meyer ist gelernter Kfz-Mechaniker und Metallbaumeister, arbeitet in einer Schlosserei in Bohmte und bildet dort Lehrlinge aus. Vor 15 Jahren begann er mit dem Naheliegendsten und reparierte Oldtimer-Autos sowie -Motorräder. Als sich in Stemwede-Levern, wo er damals lebte, herumsprach, dass er jeden Motor wieder zum Laufen bekomme, stand rasch sein gesamter Hof voll mit Fahrzeugen. Und dann geschah es: „Irgendwann stand eine alte Säge vor meiner Tür.“ Wer sie dort platziert und damit Meyers Sammelleidenschaft ausgelöst hat, weiß er bis heute nicht. Einen exponierten Platz hat die gelbe McCulloch aber nicht. „Heutzutage würde ich die stehenlassen“, sagt Meyer. „Die MAC 15 war in den 50er-, 60er-Jahren in Amerika das, was in Deutschland heute Stihl ist“, erläutert Meyer: Massenware.

Meyer schraubt nicht, er repariert

Doch damals fand Andreas Meyer Gefallen daran, die Kettensäge wieder zum Laufen zu bekommen – und nahm sich die nächste vor. Den Begriff „schrauben“ hört er nicht so gern. Schrauben und basteln könne jeder, Meyer repariert. „Es ist wie ein Glücksgefühl, so ein altes Schätzchen wieder zum Laufen zu kriegen und ihm eine Chance zu geben, weiter zu existieren“, sagt der 41-Jährige. Und wenn er eine Säge wieder zum Leben erweckt hat, lässt er sie in ihrem Originalzustand. Kein Polieren, kein Nachlackieren. „Ich versuche, ihre Geschichte zu erhalten“, sagt Meyer. „Wenn ich eine neu lackierte Säge haben will, kann ich in den Baumarkt gehen.“

Diverse Antriebsarten

Die meisten seiner 350 Sägen laufen mit einem Benzin-Ölgemisch, das Andreas Meyer selbst herstellt. An der Tankstelle gebe es das ja nicht mehr, sagt er. Und auch die Sägenvielfalt ist passé. All die verschiedenen Arten mit ihren diversen Antriebsarten und Bauweisen, die es bei Meyer zu bestaunen gibt, sind Vergangenheit.

Noch im Originalkarton verpackt etwa ist eine Säge der französischen Armee aus den 1950er-Jahren. „Die ist nagelneu. Da ist sogar noch Wachs drauf“, sagt Meyer und deutet auf das, was für den Laien aussieht wie schmutzige Schmiere. Es ist nun mal altes Wachs, das die Säge in sensiblen Bereichen konserviert. Und wo bekommt er all die Sägen her? „Ich habe weltweit Kontakte“, sagt Meyer. Häufig tauscht er mit anderen Sammlern. Versand und Zoll für Sägen aus Übersee seien meist viel teurer als die Motorsäge selbst.

Interessengemeinschaft gegründet

Vor knapp elf Jahren hat er zusammen mit anderen Motorsägensammlern in Deutschland eine Interessengemeinschaft gegründet, erzählt Meyer. Als Oldtimer verstehen sie Sägen, die bis in die 1960er-Jahre gebaut wurden. Die ersten kamen um 1915 auf den Markt. Wie viele Sammler es in Deutschland gibt, wisse keiner so genau, sagt Meyer. 40 bis 50 seien aktiv, kämen zu den Treffen und tauschten sich im Internet aus. „Aber es gibt viele, die sammeln nur für sich.“ Für Andreas Meyer wäre das nichts. So kam er auf die Idee, ein Privatmuseum aufzubauen, das er am kommenden Wochenende einweihen will.

Sein Lieblingsstück ist eine Como Comet aus Schweden – eines der wenigen Modelle, die mit Diesel betrieben werden. „Die wurde in Schweden ursprünglich im Bergbau eingesetzt“, erläutert der Sammler. Dank Dieselmotor läuft sie auch, wenn sie nass wird – unerlässlich im tiefen Erdreich. Manche Raritäten wiederum, wie seine französische Rexo SI aus den 1940er-Jahren, bringen mit elf PS eine enorme Leistung, sind aber irrsinnig schwer und nur von zwei Personen gemeinsam zu bedienen. Meyer: „Wenn die läuft, hat man keine Lust mehr zu sägen.“

Mit viel Respekt und Vorsicht begegnet er seinen Schätzen – denn auch Schutzvorrichtungen, wie sie heutzutage bei Kettensägen üblich sind, gab es bei den Oldtimern nicht. Verletzt hat er sich aber noch nie daran.

Zum Thema Waldbesitz und Forstwirtschaft hatte Andreas Meyer trotz Sägeleidenschaft keinen Bezug, bis er in den 500 Jahre alten Meyerhof zu Hage mit all seinen Ländereien und Wäldern einheiratete. Erst vor einem Jahr zog Meyer mit seinen mehr als 300 Sägen im Gepäck nach Vehrte zu seiner Frau. Sein Schwiegervater Hermann Siebert-Meyer zu Hage sei begeistert gewesen von seinem Hobby – und im vergangenen Jahr leider viel zu früh gestorben, erzählt Andreas Meyer. Von oben blickt in der Scheune ein überlebensgroßes schwarz-weiß-Foto von Hermann Siebert-Meyer zu Hagens Großvater auf die 350 Sägen herab. „Der passt darauf auf“, sagt Andreas Meyer und schmunzelt.

Das Sammlertreffen auf dem Gelände des Hofs Siebert-Meyer zu Hage (Bahnhofstraße 11) in Vehrte ist keine geschlossene Veranstaltung, sondern für Besucher offen. Wer Interesse hat, kann das ganze Wochenende über vorbeischauen – einfach dem Motorengeräusch folgen.


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