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Weg damit! Belm: Abriss des Hochhausblocks am Heideweg hat begonnen



Belm. Es ist das Ende einer Bausünde aus den 1970er-Jahren: Seit Donnerstag wird der achtstöckige Hochhauskomplex am Heideweg 47 bis 51 dem Erdboden gleichgemacht. Ein Befreiungsschlag für Gemeinde und Anwohner.

„Das schafft Luft!“ Belms Bürgermeister Bernhard Wellmann und Erster Gemeinderat Viktor Hermeler stehen am Heideweg, beide ein Lächeln auf den Lippen. Sie blicken nach oben, schirmen die Augen mit der Hand gegen die Vormittagssonne ab. Vor ihnen knabbert die Schere des großen gelben Abrissbaggers an den Balkonen des Hochhauses. Betonbrocken, Leichtbauwände und Eisenteile stürzen in die Tiefe. „Jahrelang musste ich immer sagen: Wir arbeiten daran“, sagt Wellmann über den lang erwarteten Abriss des Hochhausblocks. „Jetzt wird’s endlich was!“

Hermeler fotografiert und fotografiert. Die Vorderfront von Heideweg 47 ist schon weg. Zum Vorschein kommen bunte Rechtecke: orange, türkis, rosa, gelb. Es sind die Wände der Hausflure, die durch die Türöffnungen scheinen. Aber nicht mehr lange. Seit Donnerstag, 7.30 Uhr, ist die Abrissfirma Weber aus Georgsmarienhütte am Werk. Die Entkernung und Asbestentsorgung ist seit Mittwoch abgeschlossen. In den kommenden zwei Wochen wird sich der große Abrissbagger von oben nach unten, von vorne nach hinten durcharbeiten, danach wird ein kleinerer Bagger den Rest erledigen.

Ein Mitarbeiter der Firma Weber steht links neben dem Hochhaus und spritzt Wasser aus einem roten Schlauch auf die Abbruchseite. „Um den Staub ein wenig zu binden“, erklärt Bauleiter Dietmar Springmeyer. „Wir versuchen, die Belastung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten“, sagt Viktor Hermeler.

Am Zaun stehen etliche Anrainer, viele mit Kindern oder Fotoapparaten oder gleich mit beidem. „Wir sind froh, dass das hier wegkommt“, sagt ein Mieter aus dem benachbarten Heideweg 45. „Es staubt zwar, aber da müssen wir durch.“ Ein anderer ruft vom Fahrrad aus: „Die Anwohner freuen sich alle!“ Vor allem diejenigen, die hier Ende der 60er-Jahre Bungalows und Reihenhäuser gebaut haben. „Und 1972 haben die dann diesen Klotz da hochgezogen, das war eine Riesenbausünde“, sagt Hermeler. „Die“ – das waren Investoren, die Wohnraum für die in Osnabrück stationierten britischen Streitkräfte schaffen wollten.

Im ursprünglichen Bebauungsplan waren eigentlich nur viergeschossige Zeilenhäuser vorgesehen, erläutert der Erste Gemeinderat. Stattdessen hat man ein achtgeschossiges Punkthaus errichtet und dafür nachträglich eine Ausnahmeregelung geschaffen. Eine Salamitaktik sei das damals gewesen, sagen Hermeler und Wellmann.

Es ist das vierte Hochhaus und der fünfte Gebäudekomplex aus der Zeit der britischen Streitkräfte, deren Abriss Bürgermeister Wellmann miterlebt. Die letzten Mieter sind im April dieses Jahres ausgezogen, allen half die Gemeinde, eine neue Unterkunft zu finden.

Im Dezember 2009 hatte der Gemeinderat beschlossen, den Klotz mit 46 Wohnungen zu kaufen, im Februar 2010 war alles unter Dach und Fach. Den Erwerb übernahm der Sanierungsträger Baubecon als Treuhänder der Gemeinde. Zu zwei Dritteln wurde der Kauf vom Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ gefördert. Zu Kaufpreis und Abrisskosten erteilt die Gemeinde allerdings keine Auskunft.

Im Oktober soll auf der 3338 Quadratmeter großen Fläche alles grün sein. Und dann? „Die nächsten Jahre wird hier erst mal nichts passieren“, sagt Hermeler. „Wir wollen abwarten, wie der Wohnungsmarkt sich entwickelt.“

Die Betonbrocken werden übrigens bei der Abrissfirma in einem Steinbrecher zerkleinert und können dann als Schotter wieder für den Straßenbau eingesetzt werden. „Schön wäre es, wenn der für den Bau der neuen B51 verwendet werden könnte“, sagt Wellmann und schmunzelt.


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