Zentrumssanierung stockt Leere und Stillstand am Belmer Marktring

Von Sandra Dorn


Belm. Aus dem Bau eines Fachmarktzentrums am Belmer Marktring wird wohl nichts mehr, auch wenn die Verantwortlichen im Rathaus das Aus immer noch nicht endgültig vermelden wollen. Doch wie geht es dort weiter? Wer mittags über den Marktring trottet, findet nur in vereinzelten Läden und Lokalen Leben vor. Ansonsten herrschen Tristesse und Leerstand.

Einsam kullert ein leerer McDonald’s-Becher über den nagelneuen Marktplatz. Viel mehr ist dort nicht los; das Leben spielt sich auf der anderen Seite der Bremer Straße ab. Dorthin ist das Textilgeschäft Ernsting’s Family gezogen , neben die neuen Filialen von McDonald’s, Brinkhege, Volksbank und Netto. Am Marktring wird es derweil immer stiller.

Seit der Schlecker-Pleite vor fast drei Jahren geht es bergab, sagen die Einzelhändler. Der Drogeriemarkt steht leer, Ernsting’s ist umgezogen. Ergebnis: Die Laufkundschaft fehlt. „An den Wochenenden ist es perfekt“, sagt Armen Hakobyan, Inhaber der einzigen Eisdiele in Belm. Anders in der Mittagszeit unter der Woche. „Sehen Sie selbst“, sagt er und deutet nach draußen. Leere. „Die Leute kommen nur noch wegen der Sparkasse gegenüber“, sagt ein älteres Ehepaar, das Stammgast ist bei Hakobyan. „Der Italiener Alfredo war eine super Pinte, wo man kegeln konnte“, erinnern sie sich. Doch der ist lange fort. Zurzeit sucht die Gemeinde einen Gastronomen, der in das leer stehende Lokal einziehen möchte, das zuletzt das Café Marrakesch beherbergt hatte. Um den Prozess besser steuern zu können, hatte die gemeindeeigene Belmer Wohnungsentwicklungsgesellschaft das Erdgeschoss von Marktring 17 gekauft. Es fänden zurzeit „abschließende Abstimmungen mit einem konkreten Bewerber statt“, sagt Bürgermeister Viktor Hermeler. An gastronomischen Angeboten hat der Marktring sonst nur noch das Chinahaus über der Spielothek und den Döner-Laden zu bieten – und darüber hinaus Apotheke, Bäckerei-Café und Kiosk.

Seit bald 15 Jahren betreiben Anke und Ulrich Ahlemeyer ihr Schreibwarengeschäft und beobachten den Niedergang. Sie sind froh über die vielen Stammkunden; der Geschenkeladen neben ihnen konnte sich nicht halten. „Es gibt halt nichts mehr zum Schlendern“, sagt Anke Ahlemeyer.

„Hier ist nichts Schönes mehr“, sagt eine Belmerin. „Bis auf die Eisdiele und den Dönerladen.“ Eine andere sagt: „Man muss die Belmer aber auch mit in die Verantwortung nehmen. Die gehen ja nicht raus.“ Die Einzigen, die dem Leerstand Positives abgewinnen können, sind Alexander und Larisa Tscherkas mit ihrem „Lada“-Markt. Sie hätten mehr Kunden, seit der Marktring verwaist, sagen sie.

Und was ist nun mit den Plänen für das Fachmarktzentrum , die Bürgermeister und Rat vor einem knappen Jahr vorgestellt hatten? „Im Moment deutet vieles darauf hin, dass der Grunderwerb nicht erfolgreich abgeschlossen werden kann“, räumt Hermeler ein. Heißt: Einige Eigentümer – teils Geschäftsleute – wollen ihre Gebäudeanteile nicht verkaufen. Aber war das nicht von vornherein absehbar? „Ich halte nach wie vor die Idee eines Fachmarktzentrums für die richtige Entwicklung“, so Hermeler. „Wir wollten und mussten das versuchen.“

Aber wann tut sich endlich was am Marktring? „Es gibt eigentümerseitig Bemühungen, die ehemalige Schlecker-Immobilie neu zu vermieten“, so Hermeler. „Wir begleiten das gemeindeseitig.“ Einige Anlieger hoffen auch, dass die vor zwei Jahren versprochene und dann aufgeschobene Neugestaltung der Fußgängerzone angepackt wird. Eigentlich sollte 2015 die Förderperiode des Programms „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ auslaufen. Belm dürfte aber davon profitieren, dass das Land Niedersachsen in diesem Jahr die Mittelausschüttung auf Eis gelegt hat, so Hermeler.

Im Bauausschuss am Donnerstag ist der Marktring ab 17.30 Uhr Thema im Sitzungssaal des Rathauses.