Auslegungen nicht nur für Bibelfeste Kirchenkabarettist Maybach tritt in Belm-Vehrte auf

Von Bärbel Recker-Preuin

Weiß, wo es lang geht: Ingmar Maybach. Foto: SeilerWeiß, wo es lang geht: Ingmar Maybach. Foto: Seiler

Belm. Eines ist ziemlich sicher: Gäbe es in der evangelischen Kirche mehr Personenkult, liefe manches besser. Dass diese These stimmt, wurde in der Johanneskirche deutlich bewiesen. Als der Prediger das Gotteshaus betrat, brandete Jubel auf, rhythmisches Klatschen folgte und andere Liebesbeweise. Dass dieser frenetische Empfang bestellt war, tat der Sache keinen Abbruch. Es ging um Ingmar Maybach, seine CSU und einen himmlisch belebenden Kabarettabend.

„Wie lässt sich die evangelische Kirche fit für die Zukunft machen?“ Diese zentrale Frage stand im Kirchenraum, und nach zwei Stunden wussten die Besucher, wie das geht. Mit der bundesweiten CSU nämlich, der Christlich Satirischen Unterhaltung. CSU ist auch die Lieblingsgruppierung des Kabarettisten Ingmar Maybach, seines Zeichen scharfzüngiger Satiriker ohne Arbeitsscheu und flache Zote und außerdem evangelischer Pastor. „Aber bitte mit Pastor“, dieser Song – mitgesungen von der großen Gemeinde – wurde also zum Programm des Abends. Der Herr Pfarrer hatte einiges auf Lager. Er schaltete um auf den Gottesdienstmodus und analysierte Beziehungskrisen zwischen Gemeinde und Möbelstücken, sprach von wunderbaren Treffen im Pfarrhaus und über Normfrisuren in der Landeskirche. Maybach selbst bevorzugt einen üppigen Pferdeschwanz. Warum? „Weil man im Urlaub nicht so leicht als Pastor erkannt werden möchte.“

Wie es sich gehört, legte Maybach mit pastoraler Stimme die Bibel aus. Er verglich die vier Evangelien mit der Presselandschaft und kam zu erstaunlichen Ergebnissen. Und Maybach fragte nach Konfirmandenunterrichtsmanier ab. Keine Angst: Der Abend war nicht nur etwas für Bibelfeste. Reichlich Gesprächsstoff gab ihm „die sixtinische Angela“, am besten mit Besuchern als Engelsputten im Altarraum.

Weil Ingmar von Maybach-Mengede – so der vollständige Name – ein richtiger Pastor ist, weiß er vieles aus dem Gemeindeleben zu berichten. Zum Beispiel von Zielgruppengottesdiensten für Vielflieger, auch Hochtheologisches vom homiletischen Dreieck, der perfekten Verknüpfung von Pastor, Gemeinde und Bibel, die selten gelingt, und vom „Weißkopfgeschwader“, sprich: dem Senioren- und Frauenkreis. Die Gemeinde zuckte, aber nahm es nicht übel, immerhin war es ein CSU-Abend. Sie quittierte die Querdenkereien mit viel Applaus. Zum Dank gab es noch den Gemeindegliederströmungsfilm und den Tango „Halleluja-Olè“.