Idyll wie auf Immenhof Bettina Middendorf bringt Islandpferde nach Belm

Von Stefanie Preuin

Bettina Middendorf kennt jedes ihrer Islandpferde bei ihrem Namen. Sie ist davon überzeugt, dass die für Islandpferde typische Gangart Tölt das seelische Gleichgewicht und die körperliche Gesundheit fördert. Foto: Stefanie PreuinBettina Middendorf kennt jedes ihrer Islandpferde bei ihrem Namen. Sie ist davon überzeugt, dass die für Islandpferde typische Gangart Tölt das seelische Gleichgewicht und die körperliche Gesundheit fördert. Foto: Stefanie Preuin

Belm. Wenn Bettina Middendorf von ihren Islandpferden spricht, gerät sie ins Schwärmen. Fünfgängig sind die gutmütigen Vierbeiner, außer Schritt, Trab und Galopp bewegen sie sich in den angeborenen Tölt- und Pass-Schrittfolgen. Die 52-Jährige betreibt einen Islandpferde-Hof in Belm.

50 dieser kleinwüchsigen Pferde – „Pony“ hört Bettina Middendorf nicht so gern – stehen unter ihrer Obhut. Ein Standbein des Betriebes ist die Pferdepension für 25 Tiere privater Halter. Weitere 25 stehen in der Kategorie Schulpferde und Zucht. Und zwei Isländer gönnen sich die Middendorfs privat, sozusagen mit Familienanschluss.

Weite, saftige Wiesen rund um das Gehöft mit den neuen Stallungen sind reserviert für die Isländer. Dort können sie grasen, herumtollen, sich der Fellpflege ihrer Artgenossen hingeben oder einfach mal „in Familien machen“. „Da übernimmt eine Tante gerne mal die Aufsicht über den Nachwuchs, damit die Mutter auch mal ihre Ruhe bekommt“, erklärt Bettina Middendorf. Pädagogik hat sie studiert, danach Reittherapie und Reitlehrerin „draufgesattelt“. Seit 17 Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit den Islandpferden, zunächst in der Bauerschaft Belm-Wellingen. Vor zwei Jahren zog sie zur Mergelkuhle in Belm-Astrup. Gleich zu Beginn gab es eine große Nachfrage nach Reitunterricht, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Das lag wohl nicht nur an der kinderfreundlichen Größe der Tiere – Kenner sprechen von Stockmaß –, sondern auch an der sprichwörtlichen Gutmütigkeit. Vielleicht hatte der eine oder andere aber auch die TV-Sendung „Ferien auf Immenhof“ aus den 50er-Jahren im Hinterkopf.

Nicht kontaktscheu

Vielleicht lag es auch an der Gangart Tölt, die typisch für das Islandpferd ist. „Tölt hat etwas Mystisches“, erklärt Bettina Middendorf, „er kann die körperliche Gesundheit und das seelische Gleichgewicht fördern“, zitiert sie den Isländer-Experten Bruno Podlech. „Unsere Pferde suchen Kontakt zu den Menschen, die sich ihrerseits von dem schönen Äußeren angezogen fühlen, die wilde Mähne, der lange Schweif, die dichten Wimpern – das alles berührt unsere Seele“, sagt die Belmerin.

Einmal im Jahr reist die Züchterin nach Island, seit 15 Jahren importiert sie Pferde aus Island, in diesen Tagen kommen drei weitere Stuten. Ihr besonderes Ziel für den Nachwuchs ist ein „schöner, rittiger Tölt und ein guter Charakter“. Bei der Zucht arbeitet Middendorf mit Gestüten im Münsterland und in Süddeutschland zusammen. Der ausgesuchte Hengst mit dem entsprechenden Stammbaum bleibt einen Sommer lang auf der Weide. Sind die Fohlen erst mal da, bleiben sie etwa neun Monate bei der Mutter.

Festes Sozialgefüge

Zu den Isländerherden in Belm gehören höchstens acht Tiere, getrennt nach Stuten und Hengsten. Den drei einjährigen „Bönsels“ hat die Züchterin einen 20-jährigen Wallach beigestellt. „Der führt die Oberaufsicht“, freut sich Middendorf, auch weil sie selten in dieses Sozialgefüge eingreifen muss. „Die Herden regeln Unstimmigkeiten selbst, da geht es sehr entspannt zu.“

Belm ist eine kleine Hochburg für Islandpferde. Das ist wohl auch auf Ralf Meyer zu Belm zurückzuführen. Der 2012 gestorbene Landwirt und Züchter galt über die Regionalgrenzen hinaus als Pionier der Islandpferdeszene. Dass die Islandpferde immer beliebter werden, bestätigt die Statistik der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Entgegen dem Trend im Pony- und Kleinpferdebereich wächst die Islandpferdezucht. Sie hatte 2013 einen Anteil von 23,2 Prozent im Kleinpferdebereich. Das Deutsche Reitpony kam auf 22,9 Prozent.

Wenn Bettina Middendorf ihre Herden auf den Wiesen besucht, scharen sich die Tiere schnell um die 52-Jährige. Sie kennt alle Tiere bei ihren Namen – isländische, deren deutsche Übersetzung ihr ebenso schnell über die Lippen kommen. Die Namensvergabe erfolgt nicht gleich nach der Geburt, sondern erst, wenn sich der Charakter des Tieres schon etwas herausschält. Auch wenn der Besucher fasziniert ist vom friedlichen, ausgeglichenen Wesen der Isländer, so weiß die Züchterin, dass das eine Tier dominant, das andere frech, verspielt oder auch unsicher ist – ein bisschen so wie im richtigen Menschenleben.