Pläne für 380-kV-Leitung Höchstspannungstrasse berührt womöglich auch Belm

Von Sandra Dorn

Vom Untersuchungsgebiet für eine neue 380-kV-Trasse ist im nordwestlichen Bereich Belm mit Haltern und Wellingen betroffen. Foto: dpaVom Untersuchungsgebiet für eine neue 380-kV-Trasse ist im nordwestlichen Bereich Belm mit Haltern und Wellingen betroffen. Foto: dpa

Belm/Bissendorf. Von den Plänen für eine neue 380-Kilovolt-(kV)-Leitung im Landkreis Osnabrück ist nun neben Bissendorf auch die Nachbargemeinde Belm betroffen. Ein Teil der Trasse, die die Umspannwerke Bad Essen-Wehrendorf und Osnabrück-Lüstringen verbinden soll, könnte auch durch Haltern und Wellingen führen.

Beauftragt mit der Planung ist der Übertragungsnetzbetreiber Amprion, eine ehemalige RWE-Tochter. Nach massiven Protesten in Osnabrück-Voxtrup, Holsten-Mündrup, Borgloh/Hilter, Melle-Wellingholzhausen und im westfälischen Borgholzhausen gegen die Pläne für den Abschnitt Lüstringen-Gütersloh hat Amprion für den Abschnitt Wehrendorf-Lüstringen beschlossen, die betroffenen Kommunen – in erster Linie Bissendorf – von vornherein in die Planungen einzubinden und verschiedene Trassenalternativen zu untersuchen. Der denkbare Korridor links und rechts der bestehenden 110- und 220-kV-Leitungen durch Schledehausen, Jeggen und Wulften ist breit – und umfasst auch Haltern und Wellingen.

Expertenrunde

Wie die Gemeinde Belm jetzt mitteilte, hat mittlerweile eine Expertenrunde stattgefunden, an der auch Belms Bürgermeister Viktor Hermeler und die Ratsfraktionen teilgenommen haben. „Bei den ersten Überlegungen einer möglichen Trasse waren wir noch nicht berührt, wir sind aber jetzt zur Teilnahme eingeladen worden“, sagte Hermeler. Es sei „unsere Aufgabe, in diesem Prozess die Belange der betroffenen Bürger der Gemeinde Belm zu vertreten.“ Ziel müsse auch sein, eine Erklärung dafür zu finden, warum die bestehenden Trassen nicht weiter genutzt werden sollen. Aus Bissendorfer Sicht ist die Sache klar: Im Bereich der 110- und 220-kV-Leitungen würde der vorgeschriebene Mindestabstand zu Wohnhäusern von 200 Metern im Außen- und 400 Metern im Siedlungsbereich unterschritten werden. Im Oktober hat Bissendorf eine entsprechend kritische Stellungnahme zum Verfahren eingebracht.

Die Stadt Osnabrück will sich an der alternativen Trassensuche übrigens nicht beteiligen.

Seit Monaten sind die Trassenpläne sehr umstritten. Hintergrund ist die Energiewende. Der Bund will ein 380-kV-Höchstspannungsnetz schaffen, um saubere Windenergie aus Norddeutschland in den Süden der Republik zu transportieren. Die Trasse Nummer 16 von Wehrendorf nach Gütersloh ist eine von 23. Die Erhöhung der Spannung von 220 auf 380 kV bedeutet: Höhere Masten und breitere Schutzstreifen. Landauf, landab sind Anwohner beunruhigt wegen der höheren elektromagnetischen Strahlung, protestieren und fordern die Verlegung von Erdkabeln. Das wiederum hat der Bund nur auf vier Pilottrassen vor – Nummer 16 ist nicht darunter.

Grafik: Neue OZ/Boettcher