Soja-Pflanzen lieben es warm Belmer Bauer Schreiber beteiligt sich an der „Eiweißpflanzen-Strategie“

Von Stefanie Preuin

Zufrieden mit der Ausbeute seines Sojabohnen-Anbaus: Biobauer Anton Schreiber verwendet einen Teil der Ernte für sein Hühnerfutter. Der andere Teil geht in die Tofu-Herstellung. Foto: Stefanie PreuinZufrieden mit der Ausbeute seines Sojabohnen-Anbaus: Biobauer Anton Schreiber verwendet einen Teil der Ernte für sein Hühnerfutter. Der andere Teil geht in die Tofu-Herstellung. Foto: Stefanie Preuin

Belm. Sojapflanzen in unseren Breiten auf den Feldern zu orten, kommt einer Schnitzeljagd nahe. Zu klein und unbedeutend ist der Anbau der eiweiß- und ölreichen Pflanze in Deutschlands Norden. Das Wetter spielt für Wachstum und Gedeihen von Sojabohnen eine große Rolle. Das soll anders werden. Sorten- und Anbauversuche sind in diesem Jahr verstärkt worden.

Zwei Landwirte im Osnabrücker Land haben in diesem Jahr auf einigen Hektar Fläche Sojabohnen angebaut. Anton Schreiber (61) vom Meyerhof in Belm ist einer von ihnen. Er ist dem Aufruf des Bundeslandwirtschaftsministeriums gefolgt, das mit der „Eiweißpflanzen-Strategie“ den Anbau unter anderem dieser hochwertigen Pflanze fördern möchte und in diesem Fall die Unkrautregulierung testen wollte. Schreiber hat als Biobauer den ökologischen Anbau verfolgt, während sein Kollege das Soja-Experiment auf konventionelle Weise anging. Konkret: Schreiber hat das aufkeimende Unkraut maschinell bekämpft, sein Kollege dagegen mit Chemie.

Klassische Soja-Lieferanten sind Brasilien, Paraguay, die USA und Argentinien, Länder, die mit einem Klima gesegnet sind, das die Sojapflanze liebt. Etwa 3,5 Millionen Tonnen Sojabohnen und 3,5 Millionen Tonnen Sojaschrot importierte Deutschland 2011. Allein die Geflügelhalter in Deutschland haben einen Bedarf von 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr. Soja ist heimischen öl- und eiweißreichen Pflanzen wie Raps, Lupinen, Ackerbohnen oder Erbsen im Nährwert weit überlegen, aber die Importe sind entsprechend teuer.

2,22 Millionen Hektar Fläche wären erforderlich, wenn die Importe durch eigenen Anbau abgelöst werden sollen. Zurzeit wächst Soja in Deutschland auf etwa 6500 Hektar vornehmlich in Deutschlands Süden, in Landstrichen, die sonnenverwöhnt sind. Anton Schreiber hat sich mit dem Thema vor dem Versuchsanbau intensiv beschäftigt. Ausgewählt hat er dann die Sorte Merlin, die sechs Monate bis zur Reife benötigt. Allerdings: Soja braucht Wärme nach der Saat, danach eine ausgewogene Feuchtigkeit, gepaart mit warmen Tagen.

Das ließ sich in diesem Jahr gut an. Schon der April schien die Eisheiligen mit drohender Kälte Mitte Mai Lügen strafen zu wollen. Die Saat keimte gut, die ersten Triebe entwickelten sich prächtig. Das hatten jedoch auch Tauben, Raben, Dohlen und Krähen entdeckt, die sich in Scharen über den Sojaacker hermachten. Schreiber: „Da kann man nur verzweifelt zuschauen“. Einige Jahre zuvor hatten die hungrigen Schnäbler auch die Lupinentriebe komplett weggefressen. Diesmal mussten etwa 50 Prozent der Jungsprossen dran glauben, umso mehr keimte Unkraut auf.

„Anfangs wollte ich nicht mehr weitermachen und alles umpflügen“, erinnert sich Schreiber. Aber dann kam die große Überraschung. Die Merlin-Bohnen wuchsen kräftig durch, bildeten schnell ein dichtes Blattwerk, sodass selbst das Beikraut, wie Schreiber Unkraut lieber nennt, nicht mehr bekämpft werden musste. Die Sojapflanze hat die Wildkräuter schlicht verdrängt, was die Ernte mit dem Mähdrescher erleichterte.

Neben seinem ein Hektar großen Sojaanbau gesellte sich die Versuchsstation Astrup der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Sie hatte zwölf verschiedene Sojasorten auf Zwölf-Quadratmeter-Parzellen gesät, die jungen Triebe aber wohlweislich mit Netzen überspannt – eine Lösung, die bei kleineren Versuchsflächen funktioniert, aber nicht bei einem Flächenanbau. Später wurden diese Pflanzenstreifen auch mit einem Hasenzaun geschützt, denn die Langohren finden ebenso wie Rehe Geschmack an der nahrhaften Speise auf dem Acker. Bei diesen Versuchen ging es nicht um Unkraut, sondern um die Wachstumsbedingungen für Soja-Sorten. Ulf Wamhof, Leiter der Versuchsstation Astrup der Landwirtschaftskammer: „Soja braucht Sonne und warme Böden.“ Die Witterung in diesem Jahr kam auch Sorten mit längerer Reifezeit entgegen. „Es war ein Ausnahmejahr, dennoch war eine der zwölf Sorten noch nass“, also nicht ausgereift. Auf den Versuchsflächen war das Soja am 5. Mai ausgesät worden, am 19. Oktober wurde gemäht – auch, um noch Winterweizen säen zu können. Um Taubenattacken auf den Sojaflächen niedrig zu halten, setzten die Versuchstechniker auch Flugdrachen als Vogelscheuchen ein. Anton Schreiber ist mit seiner Ernte zufrieden: Auf Flächen, die die Vögel einigermaßen verschont haben, erntete er eine Menge, die umgerechnet auf den Hektar 30 Doppelzentner ergeben hätten, so aber waren es nur 15 Doppelzentner. Sein Kollege kam im konventionellen Anbau auf rund 35 Doppelzentner/Hektar.

Das kann im nächsten Jahr schon anders sein. Ulf Wamhof: „Wir hatten schon Jahre mit nur 15 Doppelzentner pro Hektar.“ Schreibers Ernte wird zu einem Teil dem Futter für seine Legehennen beigemischt. Der andere Teil soll zu Tofu verarbeitet werden. Ein Hersteller für vegane Bio-Lebensmittel in Bremen hat Interesse an den Bohnen aus ökologischem Anbau angemeldet.