Konzert in der Lutherkirche Chorleiter aus Belm mit Vorliebe für Softeis

Von Hendrik Steinkuhl

Blasinstrumente, Gitarre, Klavier – alles selbst beigebracht. Michael Bergmeyer hat die Musik offenbar im Blut. Foto: SteinkuhlBlasinstrumente, Gitarre, Klavier – alles selbst beigebracht. Michael Bergmeyer hat die Musik offenbar im Blut. Foto: Steinkuhl

Belm. Wenn eine Reihe gleichlautender Wortanfänge nicht derart bemüht wirken würde, könnte man Michael Bergmeyers Leben so umschreiben: Solaranlagen, Softeis, soulige Musik. Der 53-jährige Belmer, den viele nur unter seinem Spitznamen „Bello“ kennen, führt ein spannendes Leben, in dem Untätigkeit keinen Platz hat.

Ach ja, die Softeis-Maschine. „Das ist aus einer Bierlaune heraus entstanden“, sagt Michael Bergmeyer. Sein ehemaliger Kompagnon und er seien große Softeis-Liebhaber; und weil es auf Volksfesten ja kaum noch Softeis-Stände gebe, hätten sie sich eine Maschine angeschafft. Eingesetzt wird das Gerät in erster Linie auf Messen, bei denen sich der Solaranlagen-Unternehmer Bergmeyer präsentiert. „Das hat natürlich vor allem den Vorteil, dass ich die ganze Zeit Softeis essen kann“, sagt er mit einem Lachen. „Aber den Kunden biete ich natürlich auch etwas an.“

Michael Bergmeyer führt kein Standard-Leben. Was andere nur als Idee mit sich herumtragen, setzt er im Zweifel um. So war es auch vor zwölf Jahren, als ihm sein damaliger Arbeitgeber sagte, seinen Job würde es bald vermutlich nicht mehr geben. Bergmeyer betreute damals deutschlandweit Großkunden für den Plattenriesen Time Warner. Um nicht langsam wegrationalisiert zu werden, nahm er die angebotene Abfindung und stürzte sich in das Solaranlagen-Geschäft, mit dem er zuvor rein gar nichts am Hut gehabt hatte. „Das war eine spontane Idee, es gab ja damals auch diesen Hype.“

Bergmeyer gründete mit einem Kompagnon ein Unternehmen und nutzte das erste Jahr ausschließlich dafür, Schulungen und Seminare zu besuchen. Von Beginn an war ihm klar, dass er sich auf Einfamilienhäuser konzentrieren wollte. Damals sei das noch eine Marktlücke gewesen, die meisten Anbieter hätten auf die großen Fotovoltaik-Freiflächenanlagen gesetzt. Die Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus, gerade viele der ambitionierteren Mitbewerber seien in den letzten Jahren weggestorben. „Die, die noch übrig sind, kenne ich alle – und mit denen arbeite ich auch zusammen.“

Auch wenn der 53-Jährige beruflich die Musik verlassen hat – privat widmet er sich ihr intensiv. Als Kind spielte er im Posaunenchor, später brachte er sich alle möglichen weiteren Blasinstrumente selbst bei, dasselbe gilt für Gitarre und Klavier. Der Autodidakt hat eine musikalische Gabe, von der viele träumen. „Wenn ich ein Lied höre, dann kann ich es sofort nachspielen.“

Ins Guinnessbuch geschafft

Regional bekannt ist Bergmeyer vor allem als Leiter des Lüstringer Gospel-Chors „New Spirit“. Seit über 25 Jahren steht er den knapp 30 Sängern vor, die Aufgabe mache ihm nach wie vor riesigen Spaß. Traditionell veranstaltet der Chor einmal jährlich ein großes Konzert unter dem Titel „Gospel and Pop in Concert“. Die Einnahmen gehen stets an einen guten Zweck. „Mit dem Erlös aus unserem ersten Konzert 2008 konnte die Osnabrücker Kindertafel ins Leben gerufen werden.“ In diesem Jahr findet das Konzert am 7. November in der Osnabrücker Lutherkirche statt, neben „New Spirit“ treten noch „Resucito“ und ein Teil des „Sing Out Mass Choirs“ auf, die Einnahmen gehen an das Lukas-Familienzentrum.

Neben der Leitung seines Chores singt Bergmeyer auch im eben erwähnten „Sing Out Mass Choir“. Die Sänger des Stammchores, der es vor zwei Jahren mit insgesamt 1400 Mitgliedern sogar ins Guinnessbuch schaffte, kommen aus ganz Norddeutschland, zehn davon aus Osnabrück und Umgebung. In diesem Jahr nahm der riesige Klangkörper an den „World Choir Games“ in Riga teil und gewann bei diesen inoffiziellen Olympischen Spielen für Chöre die Silbermedaille. „Das war eine tolle Erfahrung. Jeder Zweite, den man in Riga getroffen hat, gehörte zu dem Festival und hatte irgendetwas mit Musik zu tun.“

Die Aufzählung von Michael Bergmeyers musikalischen Tätigkeiten ist damit zwar noch nicht vorbei, doch eine Gesamtübersicht würde den hier zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen. Fest steht, dass der 53-Jährige nichts vom Nichtstun hält. „Ein reiner Strandurlaub ginge gar nicht.“ Entspannung ist für Bergmeyer trotzdem kein Fremdwort. „Das gelingt mir beim Musikmachen, da brauche ich über nichts mehr nachzudenken.“