Melkautomaten für 150 Kühe Kollege Roboter kennt auch in Belm keinen Feierabend

Die Melkroboter sind für Florian Linkmeyer auf seinem Bauernhof in Belm-Haltern unverzichtbar, um die Produktion seiner 150 Milchkühe zu verarbeiten.Foto: Stefanie PreuinDie Melkroboter sind für Florian Linkmeyer auf seinem Bauernhof in Belm-Haltern unverzichtbar, um die Produktion seiner 150 Milchkühe zu verarbeiten.Foto: Stefanie Preuin

Belm. „Strip, strap, strull, der Eimer, der ist voll.“ Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch aus dem Märchen „Daumengroß“. Auch Florian Linkmeyer (30) hat ihn als Kind gehört, doch die Zeit des Handmelkens einer Milchkuh nie selbst erlebt. In seinem modernen Stall übernehmen zwei Melkroboter die Arbeit an den 600 Zitzen.

Der junge Landwirt setzt auf weltweit steigende Milchpreise, wenn die gängelnde Quotenregelung am 31. März 2015 ausläuft. Ein neuer Stall für 150 Kühe und zwei Melkroboter – ein solches Investment funktioniert nur, wenn die Aussichten gut sind. Deshalb nimmt Florian Linkmeyer noch einige Monate in Kauf, dass er mehr Milch liefert, als seine Quote ihm vorschreibt. Dafür muss er Strafzahlungen leisten.

Immer mehr Landwirte binden sich die Kosten für ein automatisches Melksystem ans Bein, weil das Gerät eine enorme Arbeitsentlastung mit sich bringt. Florian Linkmeyer betreibt seinen Betrieb mit 90 Hektar Wirtschaftsfläche mit Unterstützung von Vater Walter (60), seiner Frau Anke und der Mitarbeiterin Sabina. Sie sind nun befreit von dem mehrstündigen Melken zweimal am Tag. „Knochenarbeit“ sei das gewesen, auch wenn die Melkstände gegenüber dem Hand- und Maschinenmelken im Anbindestall schon eine wesentliche Verbesserung darstellte, erinnert sich Walter Linkmeyer.

Er hat bei der Hofübernahme vor 33 Jahren einen Stall für 50 Kühe gebaut. Seine Eltern hielten zwölf Kühe in der Diele, schon damals, erinnert sich der Senior, war keine Zeit für Märchenromantik. Stattdessen wurden die Euter mit einer Absauganlage entleert, wobei die Melkgeschirre per Hand angelegt werden mussten.

Diese Aufgabe erledigt heutzutage der Melkroboter. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase gehen die Kühe regelmäßig in den Melkstand. Sie tragen ein Halsband mit einem Transponder, der die individuellen Daten der Kühe an den Melkroboter senden. So werden Tiere, die wegen des leckeren Kraftfutters mehrfach in den Melkstand drängen, wieder hinausgeleitet. Das Drängeln übernimmt meist eine Artgenossin, die ihren Euter geleert haben möchte.

24 Stunden ist der Automatenkollege dienstbereit. Nach der Einlasskontrolle schwenkt ein Roboterarm an das Euter. Es wird gereinigt. Jede Zitze erfährt eine besonders hygienische Säuberung und Massage. Florian Linkmeyer: „Dadurch wird der Milchfluss an den Zitzen stimuliert“. Ein anderer Roboterarm schafft die Zitzenbecher heran, die lasergesteuert angesetzt werden. Und schon beginnt der Milchfluss, der Laie merkt es kaum, kein Strip, kein Strap und der Eimer wird doch voll.

Der heutige Eimer steht nicht mehr zwischen den Knien des Melkers auf dem Holzschemel, sondern ist ein blitzblanker Edelstahltank in einem Nebenraum. Die Milch fließt in einer Schlauchleitung direkt dorthin und wird bis zur täglichen Abholung durch die Molkerei zwischengelagert – aber nur die mit der höchsten Qualitätsstufe. Der Melkroboter überwacht die Güte der Milch. Linkmeyer: „Wenn die Leitfähigkeit nicht optimal ist oder Blutspuren vorhanden sind, sortiert der Roboter diese Milch aus und dokumentiert dies im Tagesprotokoll.“ Genauso zeigt er an, wenn die Kuh Fieber hat. Für Linkmeyer ein unschätzbarer Vorteil: „Wir erkennen heute einen Tag eher, ob eine Kuh krank wird.“ Dann wird der Tierarzt alarmiert.

Gegenüber dem Handmelken, bei dem 5 Liter in 15 Minuten im Eimer waren, bringt der Melkroboter auch Zeitvorteile. Heute geben die Kühe bei Linkmeyer im Schnitt dreimal täglich ihre Milch ab. Dass sie sich gerne melken lassen, hat allerdings auch etwas mit einem Lockmittel zu tun. Das beim Melkvorgang angebotene Kraftfutter bezeichnet Linkmeyer als Leckerlis. Dennoch müssen einige der schwarzbunten Damen auch mal zum Roboter gestupst werden, bis sie sich daran erinnern, dass sie beim Melken belohnt werden.

Florian Linkmeyer hat festgestellt, dass sich mit den Melkrobotern auch die Milchleistung erhöht hat – im Schnitt liefert eine Kuh etwa 1000 Liter mehr im Jahr. Vielleicht liegt es auch am neuen Offenstall, der nicht nur viel Luft und Licht, sondern auch in den Liegebuchten viel Komfort auf einem Bett aus Sägespänen bietet. Linkmeyer: „Kühe produzieren Milch beim Wiederkäuen im Liegen“. Seine Kühe seien im neuen Stall gut durchgestartet, sagt der 30-Jährige. Er freut sich auch darüber, dass die Melkroboter ihm und seiner Familie mehr Freizeit bescheren.