Geschichten für Generationen 120 Jahre evangelische Gemeindebücherei in Belm

Von Stefanie Preuin

Die Mitarbeiterinnen der Gemeindebücherei freuen sich gemeinsam mit ihrem Gast über die wachsende Begeisterung für Bücher (von links): Jana Lange, Lisa Witte (Buchvorstellung), Karin Kowollik, Michaela Hillebrand, Ingeburg Bakker, Monika Wolf und Christiane Bublies. Foto: Stefanie PreuinDie Mitarbeiterinnen der Gemeindebücherei freuen sich gemeinsam mit ihrem Gast über die wachsende Begeisterung für Bücher (von links): Jana Lange, Lisa Witte (Buchvorstellung), Karin Kowollik, Michaela Hillebrand, Ingeburg Bakker, Monika Wolf und Christiane Bublies. Foto: Stefanie Preuin

Belm. Es staubt kein bisschen in der Gemeindebücherei. Druckfrisches und beliebte Krimireihen stehen in den Regalen anstatt vergilbter Schmöker. Die Belmer Gemeindebücherei feiert ihr 120-jähriges Bestehen und ist doch mit der Zeit gegangen.

Die Urkunde in Sütterlin hängt im hinteren Teil der Bücherei, übersetzen konnte sie noch niemand. Aber so viel steht fest: Im September 1894 begann die Geschichte der Bücherei. Der Oberpräsident der königlichen Regierung bewilligte dem Kirchspiel Belm eine Buchsammlung. Wo heute Krimis, Comics und Hörspiele ausgeliehen werden, wurde damals nur ein kleiner Bestand an christlicher Literatur zur Verfügung gestellt. „Bücher waren damals schon teuer. Der einfachste Bauer sollte Zugriff auf Literatur haben“, erklärt Büchereileiterin Christiane Bublies. Im Jahr 1969 wurde die Sammlung neu belebt, ein steter Aufwärtstrend war zu verzeichnen. „Wir bieten vor allem deutsche Literatur an. Die Leser kommen aus Belm, Lüstringen, Haltern und Gretesch“, so Christiane Bublies. 1994 standen den 346 Lesern 2621 Bücher zur Ausleihe. Stillstand gab es nicht, die Leserzahl wuchs. Im Jahr 2000 wurde die Bücherei um einen Raum erweitert. Bis 2013 sammelten sich so schon 4317 Medien an. Durch das Engagement von neun Mitarbeiterinnen kommen die Leser gerne zu Gesprächen und verweilen.

„Es besuchen regelmäßig 10 bis 15 Herren die Bücherei, um Krimis zu leihen. Wir haben eine Liste angelegt, die arbeiten die Krimileser nach und nach ab“, erklärt die Fachfrau. Aber nicht nur Krimis sind der Renner, viele Erwachsene leihen sich besonders in den Wintermonaten Gesellschaftsspiele aus. „Viele wollen die Spiele erst einmal testen, bevor sie viel Geld dafür ausgeben“, so Christiane Bublies. Die Gemeindebücherei nimmt keine Leihgebühren, und Neuanschaffungskosten werden durch die Kirchengemeinde, den Kirchenkreis, die Landeskirche und die politische Gemeinde getragen. Durch Basare, Flohmärkte und Gemeindefeste wird der Etat aufgestockt.

„Mittlerweile kommen die damaligen Kinder mit ihren eigenen Kindern, das ist immer schön anzuschauen“, sagt die Ehrenamtliche. „Hier treffen sich Generationen. Einige ältere Russlanddeutsche wollen zur Einschulung der Enkel ihre Sprachkenntnisse verbessern und leihen sich geeignete Bücher aus.“

Den Großteil der Leser machen die Kinder aus. Die neueste Auflage begeistere die jungen Leser am meisten, die älteren Titelbilder bleiben liegen, so die Büchereileiterin, die um Neuanschaffungen bemüht ist. Zum Jubiläum stellte Lisa Witte, passionierte Hobbyleserin, eine Reihe von Büchern vor. Sie gibt zu: „Ich muss lesen.“ Damit ist sie in der Gemeindebücherei in guter Gesellschaft.

Am kommenden Donnerstag, 18. September, um 19.30 Uhr geht das Jubiläumsprogramm weiter: Autorin Tina Schick stellt ihren Krimi „Osnabrücker Kamikatze“ vor. Am Sonntag, 21. September, um 10 Uhr findet der 5. Literaturgottesdienst zum Buch „Ach Glück“ von Monika Maron statt. Anschließendes Treffen in der Bücherei.