Ein Tierarzt im Dienst der Kirche Christoph Pahlitzsch wird Diakon in Belm und Icker


Belm. Am 10. Mai wurden im Osnabrücker Dom vier Männer von Bischof Franz-Josef Bode zu ständigen Diakonen geweiht. Einer von ihnen ist Christoph Pahlitzsch aus Bramsche, der als Tierarzt in Lechtingen praktiziert und in den Kirchengemeinden Belm und Icker seinen Dienst versehen wird. Im lokalen Interview der Woche steht er der NOZ Rede und Antwort.

Herr Pahlitzsch, der Diakon ist das einzige Weiheamt in der katholischen Kirche, in dem man eine Familie haben darf oder in dem Familie sogar erwünscht ist...

Ja, es werden meist Männer geweiht, die sich im Beruf und auch in der Familie bewährt haben, die also „voll im Leben“ stehen. Mit dem II. Vatikanischen Konzil hat die Kirche eine alte Tradition aufgegriffen und weiht seitdem Ständige Diakone. Also Männer, die sich bewusst zum Diakonat entschieden haben und nicht den Weg zum Priester weiter gehen wollen. Die Kirchenväter sahen und nutzen die Chance, noch einmal ganz andere Sichtweisen in die tägliche Arbeit einzugliedern.

Nichtsdestotrotz muss die Familie die Entscheidung ja auch mittragen.

Ja, das ist so. Die Ehefrau gibt am Anfang der Ausbildung ihre Zustimmung und nochmals ausdrücklich im Weihegottesdienst.

Wann ist Ihnen der Gedanke gekommen, Diakon zu werden?

Den Anstoß bekam ich vor zehn, elf Jahren. Als meine Tochter zur Erstkommunion ging, habe ich angefangen, mich mehr und mehr in der Kirche zu engagieren – in der Messdienerarbeit und als Kommunionhelfer. In dem Zusammenhang habe ich das Amt des Diakons kennengelernt. Daraus ist der Wunsch entstanden, es selbst zu werden.

Als Diakon dürfen Sie auch Sakramente spenden.

Ja, wir taufen und stehen der Trauung vor. Wir dürfen Verstorbene beerdigen. Während der Weihe überreicht uns der Bischof das Evangelium. Wir dürfen es verkündigen und darüber predigen.

Mit Ihnen und dem hauptamtlichen Diakon Andreas Hartelt wird es in Belm also künftig zwei Diakone geben. Luxus?

Für die Gemeinde ist das was Schönes, ja. Ich arbeite aber nicht Vollzeit, nur in den Zeiten, in denen ich eben Zeit habe. Vom Zeitaufwand kann man es als Neben- oder Ehrenamt bezeichnen. Bei planbaren Diensten, wie bei Taufe oder Trauung, ist das kein Problem, zumal sie am Wochenende stattfinden. Beerdigungen kann ich zwangsläufig nicht immer übernehmen.

Was ist das Schöne am Amt, warum tut man sich das an?

Antun ist vielleicht das falsche Wort. Es ist schon eine Berufung und es ist so, dass ich das tiefe Gefühl habe, oder eben weiß, wie gut es mir unterm Strich geht, und der Antrieb letztendlich darin besteht, etwas von dem Guten, was ich erhalten habe oder ständig erhalte, weiterzugeben. Das hört sich sehr pathetisch und hochtrabend an, ist aber wirklich so gemeint. Es geschieht aus Dankbarkeit heraus. Ich habe eine liebe Frau, eine gut geratene Tochter, es geht uns gut, wir haben ein Dach über dem Kopf, eine funktionierende Heizung, genug zu Essen und keine existenziellen Sorgen. Wobei es nicht um das Materielle allein geht. Ich bin gesund und mit allem reich gesegnet. Und ich weiß, es gibt andere, denen es nicht so gut geht, und denen möchte ich helfen. Etwas von dem Abgeben, was mir geschenkt wurde, und sei es nur Zeit. Es geht beim Diakon ja auch um praktische Hilfe. Die Hauptaufgabe des Diakons ist nicht das Liturgische, sondern sich um Leute am Rande der Gesellschaft zu kümmern.

Und wie sieht diese praktische Hilfe aus?

In Belm ist schon vieles durch Herrn Hartelt gut besetzt. So bietet er eine Sprechstunde zur „Allgemeinen Sozialberatung“ an. Dorthin kommen Menschen, die mit irgendwelchen amtlichen Papieren nicht zurechtkommen oder finanzielle Sorgen haben. Oft geht es darum, ihnen den richtigen Weg zu zeigen oder sie an professionelle Einrichtungen, wie etwa Schuldner- oder Suchtberatung, zu vermitteln. Ich werde mich, so haben wir besprochen, mehr um Dinge kümmern, die mit Senioren zu tun haben. Konkrete Projekte gibt es noch nicht. Ich fange ja erst an, aber dadurch, dass mein Dienst jetzt zusätzlich ist, kann ich mich um Felder kümmern, die vielleicht brach lagen. Als Diakon will ich auch andere zur Mitarbeit motivieren.

Spielt für Sie als Tierarzt auch der Schöpfungsgedanke bei Ihrem Dienst in der Kirche eine Rolle?

Letztendlich schon, aber ich würde das jetzt nicht so hoch aufhängen. Natürlich liegt mir das Wohl aller Lebewesen am Herzen.

Was sagen Sie denn den Betreibern von Mastställen?

Ich habe lange mit Landwirten zusammengearbeitet. Wenn sie es richtig machen, gibt es da kein Problem. Die Frage ist nur, was man unter richtig versteht und was die Presse einem einredet, was richtig ist. Die Ställe, die ich in Icker kenne, sind alle in Ordnung. Da werden die Tiere tiergerecht gehalten. Ich mag das Wort „artgerecht“ nicht. Wildschweine und Hausschweine sind von derselben Art, haben aber unterschiedliche Bedürfnisse, denen wir gerecht werden müssen. Wenn Sie ein Hausschwein sich selbst im Wald überlassen, wird es vermutlich nicht überleben.

Sie wohnen in Bramsche-Engter, werden aber als Diakon in Belm tätig sein. Wie geht das zusammen?

Ich habe den Wunsch geäußert, in Belm eingesetzt zu werden, da wir dort vor zwei Jahren ein Haus gekauft haben, und beabsichtigen, im Alter dort einzuziehen. Außerdem passt Belm gut von den Entfernungen – auch zu unserer Praxis in Lechtingen und meiner Lehrertätigkeit an der Berufsschule am Pottgraben. Es muss ja auch zum restlichen Leben passen.


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