Kooperation mit Belmer Initiative Team aus Ostercappeln operiert 50 Patienten in Burkina Faso

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Ostercappeln/Belm. Zwei Wochen war ein OP-Team des Ostercappelner Krankenhauses im westafrikanischen Burkina Faso. Die Bilanz: 50 erfolgreich operierte Patienten. Zahlreiche Spenden und die Zusammenarbeit mit der Burkina-Faso-Initiative Belm ermöglichten ein Projekt, das fortgesetzt werden soll.

Beim letzten Mal war die Stimmung noch eine ganz andere. Als wir das Ostercappelner OP-Team im September 2013 trafen, um über die Vorbereitungen der Reise nach Burkina Faso zu berichten, ging es innerhalb der Reisegruppe noch sehr sachlich zu. Und jetzt? Greift Pfleger Damien Balima der Assistenzärztin Anne Scholl zur Begrüßung erst mal mit beiden Händen kräftig in den Nacken und schüttelt sie durch. Und als Pfleger Daniel Koppitz ganz unbedarft erzählt, er habe nach der Rückkehr aus Afrika so gefroren, dass er einige Nächte mit Socken schlafen musste, schmeißen sich die anderen vor Lachen fast weg.

Stundenlang im OP-Saal

Die zwei Wochen zwischen dem 18. Januar und 1. Februar haben offenbar gereicht, um aus der sechsköpfigen Reisegruppe einen kleinen Freundeskreis zu machen. Und das, obwohl die Ärzte und Pfleger meist nur die Augen ihrer Mitreisenden gesehen haben. Jeden Tag standen sie viele Stunden im OP-Saal, am Ende hatten sie 50 Patienten geholfen. „Und alle Operationen sind gut verlaufen, es gab keine Komplikationen“, sagt Chefarzt Martin Gerdes. Wenn er über die 14 Tage in dem Entwicklungsland spricht, glänzen seine Augen. „Ich würde sofort wieder nach Burkina reisen und operieren!“

Martin Gerdes war es auch, der sich als Erster für das Projekt begeistern ließ. Es begann damit, dass OP-Pfleger Damien Balima dem Chefarzt von seinem Heimatland berichtete; davon, dass Burkina Faso eines der ärmsten Länder der Welt ist und ein Gesundheitssystem nach unseren Maßstäben dort nicht existiert.

Mit Assistenzärztin Anne Scholl und den Pflegern Daniel Koppitz und Josef Berg fanden sich rasch drei weitere Mitarbeiter des Ostercappelner Krankenhauses, die beim OP-Projekt mitmachen wollten. Komplettiert wurde das Team von Catharina Krüger. Die Frau von Damien Balima ist Vorstandsmitglied der Belmer Burkina-Faso-Initiative , die seit knapp 30 Jahren Projekte in dem westafrikanischen Land fördert. „Catharina war schon zwei Wochen vor uns da und hat ganz viel vorbereitet“, sagt Martin Gerdes. „Ohne ihre Arbeit hätte das Projekt niemals funktioniert.“

Erleichtert wurde die Arbeit im OP auch dadurch, dass die Belmer Burkina-Faso-Initiative im vergangenen Jahr einen Container mit medizinischen Hilfsgütern in die Hauptstadt Ouagadougou geschickt hat. Ein Teil der Lieferung ging an das Schiphra-Krankenhaus, in dem das Ostercappelner Team zehn Tage lang operiert hat.

„Augen zu und durch“

Gleich zu Beginn gab es allerdings ein Material-Problem: Die Verpackungstücher der Instrumente waren feucht. „In Deutschland gilt so was als unsteril“, sagt Pfleger Daniel Koppitz. Man habe die Sachen schließlich chemisch desinfiziert und unter dem Motto „Augen zu und durch“ gearbeitet. „Hätten wir bei so einem Projekt eine Beamten-Mentalität an den Tag gelegt, hätten wir nur die Hälfte der Operationen geschafft“, sagt Chefarzt Martin Gerdes.

Die Flexibilität des Ostercappelner Teams führte auch dazu, dass ein Patient operiert wurde, der ursprünglich nicht auf dem OP-Plan stand. Bei dem Patienten handelte es sich um einen Jungen, der an einer Darmlähmung litt. Das Kind war zusammen mit seinem Vater 250 Kilometer mit dem Bus gefahren, um sich im Schiphra-Krankenhaus untersuchen zu lassen. Die deutschen Ärzte entschieden, dem Jungen zu helfen – doch dann stellte sich heraus, dass Vater und Sohn zum OP-Termin nicht noch mal anreisen konnten: „Die Busfahrt kostete umgerechnet 15 Euro, und die hatten sie nicht“, sagt Catharina Krüger. Daran habe die Operation aber nicht scheitern dürfen, deshalb gab Catharina Krüger dem Vater einfach die benötigte Summe aus dem Spendentopf des OP-Projekts.

Nach den zwei Wochen und 50 Operationen in einem fremden Land und einer völlig fremden Kultur zeigt sich das Ostercappelner OP-Team beeindruckt – zuallererst von der riesigen Dankbarkeit der Patienten. Die erklärt sich laut Damien Balima nicht zuletzt dadurch, dass es in seinem Heimatland unüblich ist, anderen Menschen ohne jede Gegenleistung zu helfen. „Das macht man in Burkina eigentlich nur für seine Familie.“

Völlig überwältigt sind die deutschen Helfer auch davon, mit welcher Gelassenheit und Demut die Burkinabé (in deutscher Amtssprache „die Burkiner“) ihr Leben führen. „Da fällt einem morgens das Bein ab, und der denkt einfach nur: Egal, geht weiter!“, sagt Daniel Koppitz.

Alle Mitglieder der Reisegruppe sagen, sie hätten nach den zwei Wochen in Burkina Faso lange gebraucht, um alle Eindrücke zu verarbeiten. „In der ersten Zeit kamen in meinen Träumen nur Schwarze vor“, sagt Assistenzärztin Anne Scholl. „Das war bei mir genauso“, meint Martin Gerdes mit einem Lachen.

Geht es nach dem Chefarzt, soll der medizinische Austausch zwischen Ostercappeln und Burkina Faso unbedingt fortgesetzt werden. Im kommenden Jahr wird das OP-Team nicht nach Afrika reisen. „Dafür würden wir aber gerne einige OP-Helfer und Anästhesisten einladen, bei uns zu hospitieren“, sagt Martin Gerdes.

Vortrag am 1. April

Wer noch mehr über das zweiwöchige OP-Projekt erfahren möchte, kann am 1. April ins Osnabrücker Bildungszentrum St. Hildegard an der Detmarstraße 2–4 kommen. In Raum 184 halten Catharina Krüger und Martin Gerdes einen Vortrag über ihre Arbeit in Burkina Faso.

Auf der Facebook-Seite www.facebook.com/burkina.belm gibt es weitere Eindrücke und Fotos – unter anderem von einem Lkw in den Farben und mit dem Wappen des VfL Osnabrück, den die Reisegruppe in der Hauptstadt Ougadougou entdeckte. „Der gehörte wohl ursprünglich einem Spediteur aus Hilter und ist dann nach Afrika gekommen“, sagt Catharina Krüger. Den Eintrag lasen knapp 5000 Menschen. Chefarzt Martin Gerdes kommentiert mit einem Grinsen: „Endlich mal wieder positive Presse für den VfL!“


Medizinische Versorgung in Burkina Faso: Auf der untersten Ebene der medizinischen Versorgung in Burkina Faso stehen Gesundheitszentren, deren Ausstattung sehr schlecht oder gar nicht vorhanden ist. In einem Gesundheitszentrum arbeitet normalerweise kein Arzt, die Leitung hat ein Krankenpfleger. Auch viele Krankenhäuser erfüllen nicht mal im Ansatz europäische Standards. Die große Klinik „CHN YalgadoOuedraogo“ in der Hauptstadt Ouagadougou hat laut Deutscher Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit den Ruf, eine Sterbestation zu sein. Ärzte seien hier überfordert und schlecht bezahlt, Gelder fließen unter der Hand. Insgesamt gibt es in Burkina Faso viel zu wenige gut ausgebildete Ärzte – nur einer auf 10000 Bewohner (in Deutschland 36). Laut Martin Gerdes führt das zum Beispiel dazu, dass in Burkina Faso 75 Prozent aller Leistenbruch-Patienten an ihrer Verletzung sterben. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 55 Jahre.

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