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Bahnstrecken wurden bevorzugt bombardiert Ein Blindgänger wird Sonntag in Belm entschärft

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Belm. Im Zweiten Weltkrieg haben alliierte Fliegerverbände als ein bevorzugtes Ziel Gleisanlagen bombardiert, und zwar nicht nur in den großen Städten. Der Belmer Gemeindearchivar Ulrich Brinkmann weiß, dass es auch zwischen dem Widukindland und Ostercappeln zahlreiche Abwürfe gegeben hat.

Im Boden dürften noch etliche Blindgänger schlummern, von denen einer am Sonntag beseitigt werden soll. Nach neusten Informationen hat sich nämlich lediglich einer der verdächtigen Gegenstände als Fliegerbombe herausgestellt.

Ulrich Brinkmann ist in Vehrte unweit der Bahnlinie zwischen Osnabrück und Bremen aufgewachsen. Als Junge hat er Einschläge und Detonationen mitbekommen. Blindgänger, die an der Erdoberfläche lagen, wurden sofort entschärft. Ein spezielles Kommando rückte an und drehte die Zünder heraus. Der Gemeindearchivar kann sich aber auch daran erinnern, dass einmal eine Bombe an Ort und Stelle gesprengt werden musste. So etwas wie eine Evakuierung habe es damals nicht gegeben. Es war ja Krieg.

Vom 23. Juni 1940 bis zum 25. März 1945 wurde Osnabrück von 79 Luftangriffen heimgesucht, wie der Historiker Wido Spratte dokumentiert hat. Rund 60000 Spreng- und Brandbomben wurden über der Stadt und dem Umland aus großer Höhe abgeworfen, darunter vermutlich 10 bis 15 Prozent Blindgänger. Die britischen und amerikanischen Bomber nahmen meist von Nordwesten Kurs auf Osnabrück, orientierten sich vor allem nachts am Mittellandkanal. In einer südöstlichen Schleife kehrten sie anschließend zurück nach England, warfen restliche Bomben unter anderem über Belm ab. Einige Verbände nutzten auch den Dümmersee als Wendemarke und flogen dann von Nordosten Osnabrück an. Auch dabei dürften Bomben auf das Power Feld gefallen sein, das nur vier Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt ist.

Ulrich Brinkmann wundert sich, dass nicht schon früher entlang der Bahnstrecke in Belm nach Blindgängern gesucht wurde, etwa beim Bau der Gasleitung. Vielleicht liegt es daran, dass die Altlasten früher schwer zu orten waren, immerhin stecken sie oft fünf bis sechs Meter tief in der Erde. So kommt es, dass die Gemeinde später als Osnabrück mit dem explosiven Erbe des Zweiten Weltkrieges konfrontiert wird.

Der Gemeindearchivar hat den Fall einer versuchten Wiederverwendung von Blindgängern rekonstruiert. In den letzten Kriegstagen wurden nicht detonierte Bomben zur Belmer Mühle gebracht. Sie sollten dort in die Luft gejagt werden, um den Vormarsch der Alliierten zu behindern, so das Kalkül des Volkssturm-Kommandeurs. Ein mutiger Sprengmeister vereitelte den Plan. Heimlich und unbemerkt entfernte er den Zünder. Den britischen Truppen und der Bevölkerung im Belmer Ortskern blieb ein Desaster erspart.


Rund 6000 Bewohner müssen am Sonntag aus den Belmer Ortsteilen Belm und Powe und dem Osnabrücker Stadtteil Widukindland aufgrund einer Bombenentschärfung evakuiert werden. Die Neue OZ begleitet das Geschehen vor Ort und bietet dazu einen Liveticker auf www.noz.de an. Außerdem können Neuigkeiten per SMS abonniert werden. Schicken Sie dafür eine SMS mit der Kennung „Mobil Bombe“ an die Kurzwahl 3 20 20 (Kosten: insgesamt 1,49 Euro für maximal fünf SMS). Sie erhalten dann eine Nachricht mit den Kosteninformationen zum SMS-Liveticker. Diese bestätigen Sie bitte, indem Sie mit dem Text „Start“ antworten. Nun ist der SMS-Liveticker aktiviert. Sie erhalten im Laufe der Räumung maximal fünf SMS mit aktuellen Infos. Das Abo endet automatisch innerhalb von 24 Stunden.

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