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Fensterputzen gegen Schaffenskrise Tilman Röhrig liest Belmer Realschülern aus „Thoms Bericht“

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Autor Tilman Röhrig weckte das Interesse der Schüler der Johannes-Vincke Schule für Romane. Foto: Hermann PentermannAutor Tilman Röhrig weckte das Interesse der Schüler der Johannes-Vincke Schule für Romane. Foto: Hermann Pentermann

Belm. Unterdrückung, Gewalt und Ungerechtigkeit – das ist der Stoff, aus dem Tilman Röhrigs Romane sind. Seine historischen Erzählungen sollen einen Bogen spannen über die europäisch-deutsche Geschichte, angefangen bei Hannibal, bis hin zum Nationalsozialismus. Eine Kostprobe aus seinem Werk gab der Schriftsteller den Schülern der siebten und achten Klassen der Johannes-Vincke-Schule in Belm und beantwortete gerne alle Fragen rund um seinen Beruf.

„Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Romane?“ oder „Hatten Sie schon mal eine Schreibblockade?“ wollten die Schüler wissen. Natürlich kenne er Flauten, gab Röhrig zu, und „wenn es nicht so schlimm ist, putze ich Fenster.“ Helfe auch das nicht, warte er einfach so lange ab, bis ihm die zündende Idee komme. „Das kann lange dauern“, sagte er lachend. Bis zu vier Jahre recherchiere er mitunter für seine Erzählungen und komme dabei viel herum. Von Island bis Kairo habe es ihn schon verschlagen.

Mit der Einladung Röhrigs in die Belmer Haupt- und Realschule wollte Deutschlehrerin Marianne Hellmann, dass die Schüler erfahren, „wie Bücher geschrieben werden, was es für Literatur gibt, aber auch wie spannend Lesen seien kann.“ Für viele sei die Erfahrung, dass gute Erzählungen derart fesselnd seien können, völlig neu.

Tilman Röhrig wickelte seine jungen Zuhörer mit seinem Roman „Thoms Bericht“ spielend um den Finger. Den Blick stets in die Runde gerichtet und seine Worte mit Gestik und Mimik untermalend erzählte er die Geschichte des jungen Thom nach. Der rothaarige sommersprossige Pfarrerssohn erlebt, von Gleichaltrigen gehänselt und von seinem Vater geschlagen, eine unglückliche Kindheit. Spätestens als seine Mutter die Familie verlässt und Thom bei seinem Patenonkel untergebracht wird, fühlt er sich mehr und mehr unverstanden und ungeliebt – eine explosive Situation, an der Thom zu zerbrechen droht. Doch, und das ist Röhrigs Botschaft, „er steht immer wieder auf, man muss selber etwas dafür tun.“

Die Belmer Schüler lauschten Röhrigs Erzählung gebannt. Thom stelle für sie eine Identifikationsfigur dar, „Familie, Erziehung, Erwachsenwerden – das sind die Themen, die die Schüler bewegen“, war sich Lehrerin Hellmann sicher. Als Achtklässlerin Aileen später vorsichtig die Frage stellte, ob Röhrig seine persönlichen Erfahrungen in diese so authentische Geschichte mit eingebracht habe, lächelte er: „Früher hatte ich ganz rote Haare.“ „Thoms Bericht“ ist die Geschichte seiner Jugend.

Nach der Lesung in der Belmer Schule ging es für den Schriftsteller weiter nach Hannover. Für sein aktuelles Buch „Der Sonnenfürst“, das im August erscheint, geht er im Herbst auf Tour. „Sonst mache ich nur noch ausgesuchte Schullesungen.“ Schülerin Aileen hat durch seinen Besuch auf jeden Fall eine Erkenntnis gewonnen: „Dass wir es im Vergleich doch schon ganz gut haben.“


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