Ehre wem Ehre gebührt Jubiläumskonzert mit Bundesverdienstkreuz-Verleihung

Landrat Michael Lübbersmann heftet Manfred Göhler den Verdienstorden ans Revers.
Fotos: Andreas WenkLandrat Michael Lübbersmann heftet Manfred Göhler den Verdienstorden ans Revers. Fotos: Andreas Wenk

Belm. 50 Jahre hat Manfred Göhler den Posaunenchor Belm geleitet. In Fachkreisen nennt man ihn den "Spielmann Gottes". Jetzt wurde ihm auch irdische Ehre zuteil. Im Rahmen eines Benefizkonzertes in der evangelischen Christuskirche erhielt er das Bundesverdienstkreuz aus der Hand von Landrat Michael Lübbersmann.

Auf dem Einladungsplakat stand lediglich „Posaunenchor meets Classic“ und Benefizkonzert zum 125-jährigen Bestehen des Posaunenchors. Pastor Arne Schipper begrüßte die Besucher zu einer Abendserenade, doch was dann folgte war ein atemberaubendes Konzert und Gänsehaut, als Landrat Michael Lübbersmann dem langjährigen Chorleiter Manfred Göhler im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz ans Revers heftete.

Altvater nochmal ans Pult gerufen

Göhler hatte den Posaunenchor 50 Jahre lang geleitet, sich im vergangenen Mai bescheiden in die zweite Reihe zurückgezogen und das Kommando am Pult in Dennis Lius Hände übergeben, unter dem er seither Trompete spielt, auch an diesem Abend. Einzige Ausnahme: Zu „Yellow Mountaines“ überließ Liu dem musikalischen Altvater das Pult, nicht den Taktstock, auf den beide verzichten. Und als ob die Bläser sich an diesem Abend noch besonders ins Zeug legen wollten, erklang der Posaunenchor vom Beginn an, als wollte der Klangkörper Göhlers Beinamen als „Spielmann Gottes“ in besonderer Weise gerecht werden.

Unbestrittener Star des Abends aber war die koreanische Meisterpianistin Eun Jung Son-Holtmeyer. Als Posaunenchor-Vorstand Rainer Schwarz ihr die obligatorischen Blumen überreichte, sinnierte er ins Publikum fragend, wie geht das? In einem Tempo, in dem die meisten Zuhörer Töne und Noten nicht einmal zu denken vermögen, flogen ihre geschmeidigen Finger über die Tasten des vom Glandorfer Orgelbauer Stefan Peters bereitgestellten, nagelneuen Konzertflügels aus eigener Manufaktur. Die Antwort blieb Schwarz nicht schuldig: „üben.“ Seit ihrem fünften Lebensjahr, so verriet Schwarz nach dem Konzert, spiele Sun-Holtemeyer bereits Klavier. Die Akustik in der Christuskirche habe sie überzeugt und tatsächlich, erreichten auch die virtuos schnell gespielten Chopin-Passagen ohne Wiederhall das Ohr des Publikums. Dabei spielte Son-Holtmeyer raumgreifend, aber ohne Attitüde, stets hoch konzentriert, mal sanft bis wehmütig, mal schwindelerregend temperamentvoll und oft so vollendet harmonisch, als müssten sich die einzelnen Tonfolgen und Sequenzen schon fast zwangsläufig auseinander ergeben.

"Beeindruckendes Engagement" gewürdigt

Als Gesangssolisten danach aufzutreten, bleib die undankbare Aufgabe ihres Ehemannes Christoph Holtmeyer und seiner Gesangspartnerin Angelina Janz. Kein Wunder, dass ihr Publikum auch nach deren Zugabe „You Raise me up“ nach mehr dürsteten, bis Chorleiter Liu die Meisterpianisten schließlich noch einmal an den Flügel bat und der musikalische Abend mit dem ergreifenden „Amazing Grace“ ausklang.

Die Solisten des Abends: Christoph Holtmeyer (Gesang) mit Ehefrau Eun Jung Son-Holtmeyer (Flügel) und Angelina Janz (Gesang).

Bürgermeister Viktor Hermeler hatte zuvor Göhlers Engagement für die Nachwuchs- und Jugendarbeit hervorgehoben. Mit dem Bundesverdienstkreuz für Göhler werde eine Person zu Recht in den Mittelpunkt gerückt, die sich um Kirche und Gesellschaft verdient gemacht und das bekanntermaßen hohe Niveau des Belmer Posaunenchores maßgeblich mitgestaltet habe. Auch Lübbersmann sprach von einer überregional bekanntermaßen hohen Qualität des Posaunenchors und würdigte Göhlers „beeindruckendes Engagement.“ Schließlich sei Göhler, wie er selbst auch, ein Freund des plattdeutschen Theaters und habe die Platt-Theatergruppe nicht nur geleitet, sondern auch aktiv Rollen in deren Stücken übernommen.

Landrat Michael Lübbersmann, Manfred Göhler mit Ehefrau Hilke und Bürgermeister Viktor Hermeler.

Nachdem sich das Publikum zur Ehrung von den Bänken erhoben hatte, kehrte mit „Rumba del Camino“ nach der Zeremonie die Leichtigkeit zurück. „Let´s all praise the Lord“ klang so launig, als würde Whoopie Goldberg jeden Augenblick wie in Sister Act hinter dem Altar hervortreten und beginne zu tanzen.


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