Paradies für Insekten Belmer Blühstreifen für mehr Artenvielfalt

Marcus Hensing, Nils Kramer und Eberhard Eckert (von links) sind begeistert von dem Blühstreifen am Belmer Ententeich. Foto: Hendrik SteinkuhlMarcus Hensing, Nils Kramer und Eberhard Eckert (von links) sind begeistert von dem Blühstreifen am Belmer Ententeich. Foto: Hendrik Steinkuhl

Belm. Die wachsende Bodenversiegelung und der Trend zu pflegeleichten Steingärten setzt den heimischen Insekten massiv zu. Um die Artenvielfalt zu fördern, hat die Gemeinde Belm zwei Blühstreifen angelegt, die nun in voller Pracht stehen.

Fast wie ein Experimentiergebiet sieht der Blühstreifen am Belmer Ententeich aus, denn umgeben von akkurat gemähtem Rasen steht das rechteckig angelegte Feld mit kontrolliertem Wildwuchs. Kornblumen, Margeriten, Malven, Kamille, Mohn – die Auswahl ist reichhaltig und entsprechend viele Insekten tummeln sich zwischen den Pflanzen. Die Gemeinde Belm hat ganz offiziell genug von Artenverarmung durch Kieswüsten und reinen Rasenflächen. Und als die Politik vor einigen Wochen beschloss, dass die Gemeinde bitte umgehend Blühstreifen anlegen solle, konnte Bauamtsleiter Uwe Harbig spontan reagieren: „Das haben wir sogar schon getan!“ 

"Wir fanden die Idee super!"

Verantwortlich für den kontrollierten Wildwuchs ist Bauhof-Leiter Nils Kramer, ein gelernter Gärtnermeister. „Fachrichtung Baumschule, da macht man viel mit Pflanzen – nicht so wie im Garten- und Landschaftsbau, da arbeitet man ja mittlerweile vor allem mit Steinen.“ Mit so einer Ausbildung gehe man mit anderen Augen durch die Botanik, erzählt Kramer. Die Gärten vor allem in den Neubausiedlungen seien vollkommen entgrünt, worunter die Artenvielfalt massiv leide. Er habe deshalb vor einiger Zeit den Plan gefasst, in Belm Blühstreifen anzulegen – ein Plan, mit dem er bei der Gemeinde auf offene Ohren stieß. „Wir sind für das Thema sensibilisiert und fanden die Idee super“, sagt Marcus Hensing, Allgemeiner Vertreter von Bürgermeister Viktor Hermeler, der bis Mitte August im Urlaub weilt.

Der Blühstreifen am Belmer Ententeich ist ein Paradies für Insekten. Foto: Hendrik Steinkuhl


Unterstützt bei seinem Vorhaben wurde Nils Kramer außerdem von Eberhard Eckert, dem Klimabotschafter der Gemeinde. „Ich wurde konkret darauf angesprochen, ob man nicht am Bruchweg einen Blühstreifen anlegen könne“, sagt Eckert, der die Idee weiter reichte – und sie wurde umgesetzt. Auf 300 Metern Länge und 2 Metern Breite blüht es deshalb nun am Bruchweg, wobei das Ergebnis dort noch nicht so überzeugend ist wie am Ententeich. Dafür gibt es laut Nils Kramer zwei Gründe: „Beim Anlegen des Grünstreifens kam der alte Radweg wieder hoch, außerdem gibt es dort einige Konkurrenzpflanzen.“

Mit einem gewissen Abstand zur sonstigen Vegetation, vor allem Bäumen, wüchsen die Pflanzen deutlich besser, so Kramer. Außerdem habe er beschlossen, dass die Blühstreifen nicht bewässert werden. „Wenn man das zu Beginn macht, gewöhnen sich die Pflanzen daran und bekommen dann Probleme, wenn es längere Zeit trocken ist.“ Das bedeutet natürlich nicht, dass es bei anderen Pflanzen keinen Bedarf gebe. Bäume oder Beete zwischen versiegelten Flächen hätten bei diesem Wetter einen enormen Wasserbedarf, und die Einwohner seien herzlich eingeladen, hier zu gießen.

Blühstreifen auch für die Vehrter Meile geplant

Dass der Blühstreifen am Ententeich nun in voller Pracht steht, liegt schließlich auch an der Vorarbeit. Einfach Samen auf den Boden zu werfen, funktioniere nicht. „Man braucht einen ganz freien, krümeligen Boden, und auf dem müssen die Samen oberflächlich eingebracht werden.“ Kein Einbuddeln also, aber eben auch kein simples Auswerfen, sondern das Mittelding, für das eine Rasenbaumaschine verwendet wurde.

Die beiden Flächen, auf denen es nun wild blüht, sollen auch nach Wunsch von Nils Kramer nicht die einzigen bleiben. „Ich habe schon ein paar andere im Auge, auf jeden Fall möchte ich nächstes Jahr auf der Vehrter Meile einen Blühstreifen anlegen.“


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